Die aktuellen Preise für Treibstoffe machen Diesel zur begehrten Beute für Kriminelle (Symbolfoto). Foto: ©Gerhard Seybert - stock.adobe.com

Sowohl in Calw als auch an der A 8 wurden über Ostern große Mengen Diesel entwendet. Hinzu kommen weitere Diebstähle in den vergangenen Wochen. Ein Trend, der sich fortsetzen könnte.

Der Krieg im Iran lässt seit Ende Februar die Preise an den Zapfsäulen klettern. Benzin und Diesel sind zum kostbaren Gut geworden – und zu einer noch attraktiveren Beute für Kriminelle als früher.

 

„In der Zeit vom 1. März 2026 bis heute wurden im Bereich Calw insgesamt vier Fälle polizeilich aufgenommen, die mit dem Begriff ‚Diesel‘ in Verbindung stehen“, berichtet Simone Unger, Sprecherin des Polizeipräsidiums Pforzheim auf Anfrage unserer Redaktion.

Außergewöhnlich großer Diebstahl

In drei Fällen sei es zum sogenannten Tankbetrug gekommen, bei dem Diebe ihre Fahrzeuge tanken und ohne zu bezahlen flüchten. In einem Fall handelte es sich um einen bestätigten Dieseldiebstahl. Und zwar einen außergewöhnlich großen.

Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, haben bislang unbekannte Dieseldiebe zwischen Gründonnerstag, 2. April, 17 Uhr, und Dienstag, 7. April, 9.30 Uhr, auf einer Baustelle in der Bahnhofstraße Calw zugeschlagen. Die Kriminellen zapften dabei etwa 2000 Liter Kraftstoff aus Tankcontainern ab und entkamen unerkannt.

Polizei sucht Zeugen

Aufgrund der Menge des Diebesgutes geht die Polizei davon aus, dass die Täter ein größeres Fahrzeug oder gar einen Lastwagen zum Abtransport nutzten.

Beamte des Polizeireviers Calw haben die Ermittlungen übernommen. Zeugen, die zur Tatzeit im Bereich der Baustelle Fahrzeuge oder Personen bemerkt haben, werden gebeten, sich unter Telefon 07051/16 10 zu melden.

Im selben Zeitraum, ebenfalls zwischen Donnerstagabend und Dienstagmorgen, kam es unterdessen zu einem weiteren massiven Diebstahl ähnlicher Art auf der Großbaustelle an der Bundesautobahn 8 im Bereich der Ausfahrt Pforzheim-Ost.

Seit dem 1. März insgesamt 29 Fälle

Unbekannte entwendeten hier sogar rund 4000 Liter Diesel aus Tankcontainern und Baustellenfahrzeugen.

Zeugen, die zur Tatzeit im Bereich der Autobahnbaustelle Fahrzeuge oder Personen bemerkt haben, werden gebeten, sich unter Telefon 07231/12 58 10 zu melden.

Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim wurden seit dem 1. März insgesamt 29 Fälle von Kraftstoff-Diebstahl erfasst, „wovon 20 Tankbetrüge an Tankstellen und neun Fälle von Dieseldiebstählen aus Großfahrzeugen, Baustellenfahrzeugen und Baustellentanks betroffen waren“, berichtet Sprecherin Unger.

Im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres zeichne sich dabei die Tendenz eines leichten Anstiegs der Fälle ab.

Überraschend wäre das nicht. Wie das Landeskriminalamt erst jüngst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte, sei angesichts der allgemeinen Weltlage und des Krieges im Iran in diesem Jahr mit vermehrten Kraftstoffdiebstählen im Südwesten zu rechnen.

Vorzugsweise seien die Täter dabei auf nicht überwachten und schlecht beleuchteten Parkplätzen oder Baustellen zugange. Belastbare Zahlen gebe es laut Innenministerium allerdings noch nicht; dafür sei es noch zu früh.

Bisher keine Fälle an PKWs

Autos sind vor Spritdieben indes weitgehend sicher. „Die Statistiken zeigen, dass bisher keine Fälle von Dieseldiebstählen an PKWs erfasst wurden“, teilt Unger mit. Überwiegend treffe es Lastwagen, Baustellenfahrzeuge und Baustellentanks.

„Prinzipiell kann jedoch auch aus einem PKW Kraftstoff abgesaugt werden, insbesondere wenn der Tankdeckel nicht ausreichend gesichert oder der PKW ungesichert abgestellt wird“, gibt die Polizeisprecherin zu bedenken.

So kann man sich vor Diesel-Diebstahl schützen

Wenn möglich, Verwendung von Tankdeckeln mit Schloss: Dies kann den Diebstahl erschweren, da es unbefugten Zugriff auf den Kraftstoff verhindert.

Abstellen in gesicherten Bereichen: Fahrzeuge sollten, wenn möglich, auf Parkplätzen mit Sicherheitsmaßnahmen oder in Garagen abgestellt werden.

Kontrolle der Tankdeckel: Fahrer sollten regelmäßig überprüfen, ob der Tankdeckel ordnungsgemäß verschlossen ist und keine Hinweise auf Manipulationen vorliegen.