Während die einen aus wirtschaftlichen Gründen schließen, geht es für andere erst richtig los. Für einen Laden in Calw ist bald Schluss, dafür haben zwei andere Betriebe eröffnet.
Der eine kommt, der andere geht: In der Calwer Innenstadt herrscht Bewegung. Und während zwei Leerstände bereits wieder Geschichte sind, bahnt sich ein neuer an.
So wird die „Amica Parfümerie Niendorf“ nach Weihnachten schließen. Anderswo in der Lederstraße hat dafür ein neues Tattoo-Studio eröffnet. Und ein junges Paar startet als Hoteliers am Marktplatz durch.
Gastronomie Julia da Silva Araujo und ihr Mann Wilson da Silva sind die neuen Pächter der Calwer „Ratsstube“. Sie haben das Hotel-Restaurant im Oktober wiedereröffnet, nachdem es seit Mitte August geschlossen hatte.
„Im September haben wir geschafft wie die Wilden“, erzählt da Silva Araujo. Sie mögen den urig-rustikalen Stil des traditionsreichen Hauses, ergänzt ihr Mann. Allerdings hat das junge Paar ihn mit seinem eigenen, modernen Stil ein wenig aufgepeppt. In den 13 Zimmern herrsche nun Wohnzimmeratmosphäre – dank der Dekokünste seiner Frau. Auch im Gastraum ist der frische Wind zu spüren. Dort finden etwa 50 Gäste Platz.
Die beiden sind gastronomische Quereinsteiger. „Ich war Teamleiter in der Kunststoffspritzerei“, erzählt Wilson da Silva. Allerdings habe er schon immer leidenschaftlich gern gekocht. Vor gut zwei Jahren hat er seinen Beruf aufgegeben und den Schritt in die gastronomische Selbstständigkeit gewagt: mit der Übernahme von „Francos Pizza“ in der Salzgasse.
Das „Francos“ hat er aufgegeben, und nun die „Ratsstube“ übernommen. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, meint seine Frau. Sie war zuvor als Tagesmutter tätig und kümmert sich nun um den Hotelbetrieb.
Auch am neuen Wirkungsort kocht da Silva Pizza und Pasta. Außerdem will er die Speisekarte um portugiesische Gerichte erweitern. Im Sommer sollen noch Drinks aus dem südeuropäischen Land dazu kommen – und auf der Terrasse beispielsweise Abende mit Live-Musik oder einem bestimmten Motto stattfinden.
In Portugal liegen die Wurzeln des Calwers, der am Marktplatz, direkt neben der „Ratsstube“, aufgewachsen ist. Mit seiner Frau und den drei Kindern ist Wilson da Silva seit Jahren in Oberreichenbach daheim. Beruflich kehrt er nun in gewisser Weise zurück in die alte Heimat: „Das war ein guter Start“, sagt Julia da Silva Araujo.
Parfümerie Weniger gut sieht es für die „Amica Parfümerie Niendorf“ in der Lederstraße 21 aus. Sie schließt Ende des Jahres ihre Pforten. „Bis Weihnachten sind wir noch da“, sagt Marc Niendorf, Geschäftsführer der Parfümerie Niendorf GmbH mit Sitz in Bühl.
Nach eigenen Angaben bestehen die Amica-Parfümerien aus zwei inhabergeführten Familienunternehmen mit insgesamt 25 Standorten. Die Filiale in Calw gibt es seit 2016, sie war damals die elfte Filiale des Unternehmens. Zum Sortiment gehören nicht nur Parfümerie-Artikel, sondern auch Mode. Dieses Angebot sei „grundsätzlich immer gut angenommen worden“.
Dass sie nun geschlossen wird, „hat rein betriebswirtschaftliche Gründe“, erklärt Niendorf. Wenn sich ein Standort nicht rechne, dann müsse man irgendwann diese Entscheidung für sich fällen.
Von der Schließung sind laut Niendorf drei Mitarbeiterinnen betroffen. Bereits seit Anfang des Jahres gelten im Geschäft reduzierte Öffnungszeiten. Es ist wichtig, kompetente Beratung bieten zu können, meint Marc Niendorf. Dafür müssten aber immer zwei Mitarbeiterinnen vor Ort sein – was zunehmend schwierig war.
Tätowierungen Dafür hat in Sichtweite „Bargleys Atelier Calw“ am Montag eröffnet. Wo sich früher das Juwelier-Geschäft Kühling befand, betreiben nun Jessica und Florian Barg ihre Tattoo-Studio. Die beiden wohnen in der Hesse-Stadt und betrieben bisher ein Studio in Heilbronn.
Sie seien schon lange auf der Suche nach Räumen in der Lederstraße gewesen, erzählt Jessica Barg. Die beiden arbeiten mit internationalen Tattoo-Artisten zusammen, die immer für eine Zeit lang in Calw arbeiten. „Da hat jeder seine spezielle Art, wie er tätowiert“ – egal ob Fine Line, Realistic oder Cover-up.
Das Atelier „ist offen und hell“, erklärt Jessica Barg. Das unterscheide sie von vielen anderen, und das sei ihnen wichtig. Außerdem ist die Kartenzahlung möglich – auch das sei keine Selbstverständlichkeit in einem Tattoo-Studio.
Wichtig ist dem Paar ein ausführliches Beratungsgespräch. „Man muss sich sehr sicher sein“ vorm Tätowieren, meint Jessica Barg.
Ihr Angebot wollen die Bargs noch um Piercings und Ohrringstechen für Kinder erweitern. Beim Tätowieren gilt: Kunden müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Und Piercings und Ohrringe für Unter-18-Jährige gibt’s nur in Begleitung der Eltern.
Übrigens: Zu den Bargs kommen auch ältere Kunden. „Wir hatten auch schon eine 86 Jahre alte Frau da“, erzählt Florian Barg. Und seine Frau Jessica erinnert sich an eine 81-Jährige, die sich nach dem Tod ihres Mannes eine Taube stechen ließ. Die Seniorin habe gemeint: „Jetzt lass ich das für ihn drauf machen.“