Die Stadt Burladingen steht wegen einer möglichen Hallenbad-Sanierung vor Kosten in Millionenhöhe. Oder droht die Schließung?
Als sich kürzlich zwei Burladinger Bürger über die klamme Finanzlage der Stadt unterhielten, war es eine gewollte Provokation, als der eine meinte: Um Kosten zu sparen, müsse man eben ganz einfach das Hallenbad schließen. Der andere reagierte, wie fast zu erwarten, regelrecht empört: Schwachsinn, unmöglich, das geht gar nicht. Wo sollen die Kinder schwimmen lernen?
Das Burladinger Bad wurde im Jahr 1971 eröffnet. Es stellte eine Attraktion dar. Generationen lernten seither hier schwimmen, trainierten, trieben Sport oder hatten und haben einfach Spaß. Inzwischen ist das Gebäude mitsamt den technischen Anlagen sanierungsbedürftig. Die geschätzten Kosten für die Ertüchtigung dürften nach heutigem Stand etwa 5,6 Millionen Euro netto betragen.
Hohe Fördersätze
Eine Möglichkeit, die Kosten zu bewältigen, wäre es, in das Bundesprogramm „Sanierung Kommunaler Sportstätten“, SKS, aufgenommen zu werden. Aus der vom Bund an die Länder ausgeschütteten „Sportmilliarde“ könnte Burladingen mit rund 2,5 Millionen Euro profitieren. Natürlich nur, wenn die Stadt ins Förderprogramm aufgenommen und der Höchstfördersatz gewährt würde.
Freilich müssten dann immer noch 3,1 Millionen Euro aus dem eigenen Haushalt bestritten werden. Anders jedoch, wenn eine „Haushaltsnotlage“ anerkannt würde. Dann fiele die Unterstützung, momentaner Schätzung zufolge, in Höhe von satten 4,1 Millionen Euro aus.
Der Gemeinderat will an diesem Donnerstag, 22. Januar, in seiner aktuellen Sitzung über die Antragstellung beraten. Allerdings wäre selbst bei einem positiven Bescheid damit noch nicht entschieden, ob man das Projekt in den nächsten Jahren schultern will – oder kann.
Jungingen auf der Kippe
„Der Verlust des Bades wäre für den Schulsport ein herber Verlust“, hieß es vonseiten der Gesamtschulleitung, mit der unsere Redaktion sprach. Rund 600 Kinder der Grundschulen Burladingen, Stetten und Ringingen, der Realschule, der Werkrealschule und des Hans-Küng-Progymnasiums erhalten im Hallenbad Schwimmunterricht.
Betroffen wären von der Stilllegung ebenso die Volkshochschule mit ihren Erwachsenenkursen, die DLRG-Ortsgruppe und nicht zuletzt die Bürgerschaft. Stadtoberhaupt Davide Licht weist seinerseits auf die Bedeutung des Bades „für die Stadt, die Region und vor allem für Burladingen als Schulstandort“ hin.
Schätzungen zufolge wurden zwischen 2008 und 2016 rund 370, womöglich sogar erheblich mehr Schwimmanstalten aufgrund von hohen Betriebskosten, Sanierungsstau und knapper kommunaler Kassen dichtgemacht. Und seither geht das „Bädersterben“ weiter. Viele Grundschulen können gar keinen Schwimmunterricht mehr anbieten.
Was passiert mit dem Junginger Hallenbad?
Auch im benachbarten Jungingen steht die Zukunft des Hallenbades auf der Kippe. Der dortige Gemeinderat wird sich in einer seiner kommenden Sitzungen erneut mit dem Thema befassen. Ein Teil des Gremiums will an der Anlage, einem Stolz der Kommune, und auch mit Blick auf die örtliche Grundschule festhalten.
Andere mahnen, man könne sich den Unterhalt schlichtweg nicht mehr leisten und müsse eben schweren Herzens Abschied nehmen. In dem Fall dürfte es mit dem Schwimmunterricht schwierig werden.
Ob die derzeit bestehenden Anlagen in Hechingen und Burladingen Kapazitäten für Sportunterricht freihaben, müsste erörtert werden. Voraussichtlich dürfte es eng werden. Immerhin besitzt Jungingen ein Freibad, man könnte dann Intensivkurse im Sommer veranstalten. Eine andere Lösung wäre, Schwimmcontainer anzumieten. Doch das sind vorerst Gedankenspiele. Entschieden hat der Junginger Gemeinderat noch nichts.
Unter Protest und Tränen
Nicht zu vergessen existiert in Burladingen ein zweites, sehr viel kleineres Lehrschwimmbecken: In der Hausener Grundschule, das weiterhin in Betrieb ist – jedoch ebenfalls hohen Unterhalt kostet. Das Gauselfinger „Bädle“ in der Turn- und Festhalle wurde dagegen schon vor vielen Jahren unter Protest und Tränen der Ortsverwaltung geschlossen.