Am Standort in Waldhausen tut sich nichts. Investor spricht Projekt derzeit Rendite ab. Bürgermeister denkt über Exitstrategie nach.
Den Älteren unter uns ist sicher noch der Hollywood-Blockbuster „Vom Winde verweht“ in Erinnerung, der letztlich für die weinende Scarlett O‘Hara kein Happy End bedeutete. Ist nun dem geplanten Windpark in Waldhausen ein ähnliches Schicksal beschieden?
Das Schicksal des Windparks in Waldhausen ist keineswegs besiegelt. Allerdings arbeitet sich an diesem energiepolitischen Thema inzwischen der zweite Investor ab. Im Oktober 2022 beauftragte der Gemeinderat das Rathaus Verhandlungen mit einem neuen Konsortium aufzunehmen, nachdem der Vertrag mit dem vorherigen Projektentwickler aufgelöst worden war.
Zum Zug kam das Konsortium Laoco GmbH und Energiequelle GmbH. Im Juli 2025 konnte Laoco verkünden, dass im Juni 2025 für das Windparkprojekt in Waldhausen, welches in Kooperation mit der Energiequelle GmbH entwickelt wird, ein Antrag auf Erteilung einer Genehmigung nach §4 Bundesimmissionsschutzgesetz beim Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis eingereicht worden sei.
Drei Anlagen
Das Projekt umfasst nun drei Windenergieanlagen vom Typ Enercon E175 mit einer Nennleistung von je 6,0 Megawatt. Als besonderes Merkmal wurde noch auf die Optimierung des Netzanschlusses hingewiesen, da man die Anschlusspunkte des Windparks mit dem des angrenzenden Solarparks zusammenführen wolle und man damit die erforderliche Umspannwerkinfrastruktur gemeinsam nutzen könne. Seither sind keinerlei weitere Aktivitäten feststellbar. Bringen gar geänderte bundespolitische Entscheidungen im Energiesektor das Projekt ins Straucheln?
Auf Nachfrage schreibt Christian Böhm, geschäftsführender Gesellschafter bei Laoco: „Im Rahmen des Windparkprojekts in Bräunlingen wurden die Genehmigungsunterlagen im Juni 2025 beim zuständigen Landratsamt eingereicht. Das Verfahren wurde im weiteren Verlauf einvernehmlich ruhend gestellt, da einzelne Unterlagen und Gutachten noch zu ergänzen waren.“
„Ruhend gestellt“
Parallel dazu hätten sich jedoch die energiepolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Insbesondere ist bei den Ausschreibungen für Windenergie an Land sei ein signifikanter Rückgang der Zuschlagswerte zu beobachten.
Während zum Zeitpunkt der Antragseinreichung die Zuschlagswerte noch bei knapp 7 Cent pro Kilowattstunde lagen, seien diese rasant gefallen und lagen zuletzt bei etwa 5,5 Cent. Auf diesem Niveau lasse sich für Projekte in Mittel- und Süddeutschland – aufgrund der hier typischerweise höheren Kostenstrukturen und der schlechteren Windhöffigkeit – vielfach keine tragfähige wirtschaftliche Grundlage mehr darstellen.
Hohes Zinsniveau
Diese Entwicklung betreffe auch das Projekt in Bräunlingen. Hinzu komme, dass das Zinsniveau weiterhin hoch ist und zuletzt – unter anderem infolge gestiegener Inflationserwartungen im Zuge geopolitischer Entwicklungen – erneut unter Aufwärtsdruck geraten ist. Dies wirke sich zusätzlich belastend auf die Wirtschaftlichkeit von Windenergieprojekten aus.
„Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, den weiteren Entwicklungsprozess aktuell zu pausieren und die Rahmenbedingungen genau zu beobachten“, so Böhm weiter. Solche Phasen seien in der Entwicklung von Energieprojekten jedoch nicht ungewöhnlich – auch in der Vergangenheit sei es immer wieder zu zeitlichen Verschiebungen gekommen, wenn sich Marktbedingungen oder regulatorische Vorgaben verändert haben. „Wir sind weiterhin überzeugt von der grundsätzlichen Eignung des Standorts und den Chancen des Projekts. Unser Ziel bleibt es, den Windpark Bräunlingen perspektivisch zu realisieren“, gibt der Geschäftsführer optimistisch. „Sobald sich die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen wieder verbessern und eine verlässliche Planungsbasis gegeben ist, werden wir die Arbeiten entsprechend wieder aufnehmen“.
Verträge gelten
Bürgermeister Micha Bächle bedauert, dass das Projekt Windpark Bräunlingen nicht schon deutlich weiter ist und angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen stocke. Projekte in dieser Dimension würden eine Verlässlichkeit brauchen. Die Stadt habe ihre Hausaufgaben schon lange erledigt, die Verträge würden nach wie vor gelten. Die weitere Entwicklung bleibe nun abzuwarten und dann werde in der Folge zu diskutieren sein, ob und wie es weitergehen könne.
Bächle merkt vor dem Hintergrund getroffener Bürgerbeteiligungen und Gemeinderatsbeschlüssen hierzu an, man wolle an diesen Entscheidungen festhalten und: „Die Exit-Strategie wäre dann, die Verträge zu kündigen, wenn das Projekt nicht umgesetzt wird. Die Flächen sind im Flächennutzungsplan und Regionalplan ausgewiesen. Dann könnte sonst ein neuer Investor wieder kommen.“
Aus der Sicht des Projektentwicklers meint Böhm: „In der Vergangenheit war die Energiepolitik unseres Landes schon für einige Überraschungen gut – im positiven wie im negativen Sinne.“ Sollten sich die Rahmenbedingungen jedoch nicht zum Positiven verändern, dann führe dies in letzter Konsequenz irgendwann zu einem Schlussstrich und der Konsequenz, dass die von uns und Energiequelle investierte Zeit und das investierte Geld abzuschreiben sind.
Solarpark eigenständig
Für die Stadt als Grundstückseigentümer und Standortkommune wäre die Folge, dass aus dem Windpark-Projekt keine Zuflüsse für den Haushalt entstehen würden: aus Flächenpacht, Gewerbesteuer und finanzieller Beteiligung. Der angrenzende Solarpark werde unabhängig vom Windpark weiterentwickelt und könne eigenständig realisiert werden. Man habe dabei im Blick, dass die Netzinfrastruktur auch durch die Windenergieanlagen zu einem späteren Zeitpunkt mitgenutzt werden könnte. Die Inbetriebnahme des Solarparks soll 2027 erfolgen.
Die Ausgangslage
Die Stadt Bräunlingen
hat die ausgewiesenen Flächen mit einem Vertrag vom 22. Februar 2024 an das Konsortium Laoco GmbH und Energiequelle GmbH verpachtet. Auf städtischen und fürstlichen Flächen sollte ein Windpark mit ursprünglich vier Anlagen und einer Leistung von rund 50 Millionen Kilowattstunden (kwh) entstehen. Die Planung sah vor, 2024 beim zuständigen Landratsamt den Genehmigungsantrag zu stellen, mit den ersten Arbeiten 2025 zu beginnen und 2026/27 in Betrieb zu gehen.