Ein Planungsbüro soll ein Schulentwicklungskonzept erarbeiten. Mit der Debatte um das Schulzentrum Lammerberg hängt die Entscheidung nicht zusammen.
Der Albstädter Gemeinderat behandelte jüngst einen Tagesordnungspunkt, der angesichts der derzeitigen politischen Diskussionen in der Stadt missverstanden werden könnte. Thema war die Weiterentwicklung der Schullandschaft, konkret die Ausschreibung eines gesamtstädtischen Schulentwicklungskonzepts mit einem Planungshorizont von zehn bis 15 Jahren in Zusammenarbeit mit einem externen Planungsbüro.
Thema bleibt Teil der Sitzungsagenda
Ein Thema, das die Stadtverwaltung schon länger umtreibe, wie Oberbürgermeister Roland Tralmer eingangs betont. Dass der Tagesordnungspunkt ausgerechnet in der Sitzung nach Bekanntwerden der neuen Pläne der Stadt für das Schulzentrum am Lammerberg behandelt wird, sei zeitlich betrachtet reiner Zufall. Dennoch habe man sich zunächst überlegt, den Tagesordnungspunkt aus diesem Grund abzusetzen. Schließlich könnte schnell der Eindruck entstehen, die Entscheidung zum Thema Lammerberg sei bereits gefallen. Letztlich blieb das Thema jedoch Teil der Sitzungsagenda. „Wenn wir den Punkt abgesetzt hätten, wäre erst recht Unruhe in der Bevölkerung entstanden“, erläuterte das Albstädter Stadtoberhaupt das Vorgehen.
Dass Albstadt ein gesamtstädtisches Schulentwicklungskonzept braucht, darin sind sich Stadträte und Verwaltung einig. Das Auslaufen des Werkrealschulabschlusses im Schuljahr 2029/2030, der bundesgesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich ab dem Schuljahr 2026/2027, sich verändernde Schülerzahlen, unterschiedliche Auslastungen der Schulstandorte, sowie langfristige Sanierungsbedarfe machen eine strategische und zukunftsorientierte Gesamtplanung erforderlich, heißt es in der Sitzungsvorlage.
OB Tralmer erklärte, dass das Schulentwicklungskonzept auf der Entscheidung rund um das Schulzentrum Lammerberg, die noch vor der Sommerpause fallen könnte, aufbauen soll. „Wenn wir ein solches Konzept haben, können wir uns in Zukunft Diskussionen wie derzeit am Lammerberg ersparen.“
Freie Wähler wollen vertagen
Die Freien Wähler hielten es dennoch für verfrüht, das Schulentwicklungskonzept auszuschreiben, bevor eine Entscheidung zum Lammerberg gefällt wurde. Sie beantragten daher, den Tagesordnungspunkt zu vertagen. Dennoch betonte Fraktionschef Matthias Brauchle: „Grundsätzlich befürworten wir ein Schulentwicklungskonzept.“ Der Antrag der Freien Wähler fand jedoch keine Mehrheit.
SPD-Stadtrat Peter Demmer beschäftigte ebenfalls die Reihenfolge in der Vorgehensweise: „Wenn wir zuerst Strukturen verändern und danach ein Konzept erstellen lassen, das diese Entscheidungen eigentlich einordnen soll, dann ist das zumindest diskussionswürdig.“ Genau deshalb sei es wichtig, darüber zu sprechen. Grundsätzlich begrüße die SPD-Fraktion unbedingt, dass nun ein Schulentwicklungskonzept durch externe Profis erstellt werden soll. Jedoch: „Das Timing der Verwaltung scheint hier eindeutig verbesserungsfähig“, erklärte Demmer weiter.
Reihenfolge hinterfragt
Auch hinsichtlich der jüngsten Entscheidung zur Schillerschule und Ganztagesbetreuung, schlussfolgerte er: „Erst bauen wir sukzessiv die Schullandschaft um – und danach lassen wir Fachleute erklären, wie die Schullandschaft eigentlich hätte aussehen sollen.“ Ohnehin werde die Erstellung des Konzepts Monate dauern; Zeit, die die dringliche Thematik nicht habe.
Diesen Gedanken teilte CDU-Stadtrat Matthias Strähler. Er rechnet nicht vor Ende 2027 mit einem fertigen Schulentwicklungskonzept. Markus Ringle, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, pflichtete dem bei. Und auch Elke Rapthel, Stadträtin vom Bündnis ZUG erklärte: „Schade, dass das Thema erst heute auf der Tagesordnung ist.“
Bei einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen gab der Gemeinderat der Verwaltung den Auftrag, ein gesamtstädtisches Schulentwicklungskonzept auszuschreiben. Dieses wird sich insbesondere damit befassen müssen, wie es mit den Haupt- und Werkrealschulstandorten weitergeht. Dass der Werkrealschulabschluss ab dem Schuljahr 2029/20230 entfällt, ist vom Land beschlossene Sache. Daher müsse mit rückläufigen Schülerzahlen in den kommenden Jahrgängen gerechnet werden. Laut Sitzungsvorlage solle daher im Konzept unter anderem geprüft werden, inwiefern beispielsweise Verbundlösungen, sprich organisatorische oder räumliche Zusammenführungen von Schularten an einem Standort Optionen darstellen könnten. Auch über das Gemeinschaftsschulmodell müsse genauso wie über Kooperationsmodelle zwischen bestehenden Schularten nachgedacht werden.
Die Verwaltung will nun mit einer breitgefächerten Steuerungsgruppe in Zusammenarbeit mit dem externen Planungsbüro ohne Vorfestlegung alle Optionen prüfen.