Ingo Schulze (links), Nazli Hacibayramoglu und Hans-Peter Baiker organisieren gemeinsam den Lauf nach Istanbul, den Nazli Hacibayramoglu an ihrem 50. Geburtstag starten möchte. Foto: Elena Baur

Ein erstaunliches Ziel hat sich Nazli Hacibayramoglu zu ihrem 50. Geburtstag gesetzt. Sie möchte in 43 Tagen von Sulz nach Istanbul laufen. Dabei war die Idee eigentlich ein Spaß.

Aus einem Spaß heraus entstand in Sulz eine große Idee: Nazli Hacibayramoglu möchte an ihrem 50. Geburtstag von ihrem Heimatort Sulz bis nach Istanbul laufen. Bei einem Treffen mit unserer Redaktion erzählt sie, wie es zur Idee und Istanbul als Ziel kam, und wie ihre Vorbereitung aussieht.

 

2215 Kilometer und acht Länder möchte die ambitionierte Sportlerin durchlaufen. Das Ziel: ein kleiner Park in Istanbul. Für sie sei es eine schöne Vorstellung, den Weg zu ihren Wurzeln zu Fuß zu gehen – auch wenn sie selbst in Sulz geboren und aufgewachsen ist.

Was mit dem Auto bei Urlauben mit ihrer Familie bereits drei Tage an Fahrt gekostet habe, möchte die Sulzerin nun an 43 Tagen zu Fuß zurücklegen. Die Etappen und die Unterkünfte dafür stehen bereits fest. Die kürzeste Etappe beträgt dabei 39,8 Kilometer und die längste 62,4 Kilometer. Zur Übersicht: Ein Marathon beträgt 42 Kilometer, und alles ab 45 Kilometern zählt zur Kategorie „Ultra“.

Es geht nicht um die Zeit

Für Hacibayramoglu gibt es aber eine ganz andere Grenze. Alles unter 40 Kilometern zähle als „Schonlauf“. Außerdem gehe es bei dem Lauf nicht um die Zeit. Sie werde sich gezielt auch dazu zwingen müssen, langsam zu laufen, meint sie. Denn das Ziel bei einem solch langen Lauf sei es, unfallfrei und sicher anzukommen.

Dazu trainiere sie bereits jede Woche diese langen Etappen. Zwar sei sie schonmal einen Ultramarathon gelaufen, doch das jetzt sei eine ganz andere Herausforderung. Neben dem Laufsport ist sie übrigens auch im Biathlon erfolgreich. Dort wurde sie schon mehrfach Deutsche Meisterin.

Ehemann löst Idee aus

Ihr Mann hege noch Sicherheitsbedenken. Dass sie als Frau allein durch so viele andere Länder laufen will, bereite ihm Kopfschmerzen, verrät die noch 49-Jährige. Doch das ist für die Sulzerin kein Thema: „Warum sollte ich das als Frau nicht machen können?“. Sie habe viel mehr Angst vor den Tieren, als davor, dass ihr etwas zustoßen könnte.

Dabei war gerade ihr Mann derjenige, der sie auf die Idee gebracht hat. Vergangenes Jahr sei sie mit ihm auf der Terrasse gesessen und habe ihre Erfolge und Ziele betrachtet. Und entschieden, dass sie gerne noch etwas Großes schaffen möchte, zum Beispiel in ein anderes Land zu laufen. „Sag nicht: von hier in die Türkei“, habe er damals geantwortet. Und genau da habe es Klick gemacht.

Bald darauf setzte sie sich mit Ingo Schulze aus Horb-Nordstetten in Verbindung. Er selbst ist schon mehrere (Ultra-)Marathons gelaufen, hat Läufe selbst organisiert und auch mehrere Bücher darüber geschrieben. Die beiden haben sich über verschiedene Lauf-Veranstaltungen kennengelernt, und sie habe ihn für seine Erfolge immer bewundert, sagt Hacibayramoglu. Nun soll aus ihrem interkontinentalen Lauf ein Buch entstehen.

Ehemann unterstützt sie

Nach einem ersten Gespräch steckten sie dann auch schon mitten in der Planung. Ihr Mann hatte bis dahin nicht geglaubt, dass sie das wirklich machen will, sagt sie. Eine Woche lang habe er nicht mehr mit ihr gesprochen, erzählt sie schmunzelnd.

Mittlerweile unterstütze er sie aber, auch in Bezug auf die technische Ausrüstung. Etwa dabei, wie die Ortung an Stellen ohne Netzabdeckung gelingen kann.

Ingo Schulze und ihr Trainer, der Empfinger Läufer Hans-Peter Baiker, begleiten sie auf dem Weg mit einem Fahrzeug und werden sie immer wieder an der Strecke oder auch an schwierigen Passagen treffen. Derzeit sind sie noch auf der Suche nach einem Camper oder einem Wohnmobil, das sie für diese 43 Tage verwenden können.

Außerdem können in jeder Etappe Läufer einsteigen und Hacibayramoglu begleiten. Die erste Etappe startet an ihrem 50. Geburtstag, dem 28. März, in Sulz und führt nach Winterlingen im Zollernalbkreis.

Nazli Hacibayramoglu kann es vor lauter Vorfreude gar nicht mehr erwarten. „Ich würde am liebsten gleich morgen starten“, verrät sie mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. Planungstechnisch jedenfalls ist sie schon soweit.

Verein „Sulz-Istanbul“ gegründet

Spenden
Die Sportler haben gemeinsam den Verein „Sulz – Istanbul“ gegründet. Über diesen sammeln sie derzeit noch Spenden für das Vorhaben. Nicht nur Geld, sondern auch Sachspenden, wie etwa ein Abendessen oder Laufutensilien sind möglich. Durch den Verein können sie dann auch Spendenbescheinigungen ausstellen. Insgesamt kostst das Vorhaben etwa 12 000 Euro. Davon hätten sie bisher vieles selbst finanziert. Falls es einen Spendenüberschuss geben sollte, werde dieser an die Aktion „Von Mensch zu Mensch“ in Empfingen gespendet. Weitere Informationen gibt es unter https://www.mein-ultramarathon.eu/.

Über den Verein
Auch nach dem Lauf nach Istanbul soll der Verein bestehen bleiben. Nazli Hacibayramoglu hat bereits viele Ideen, wie Menschen durch ihn motiviert werden können. Außerdem träumt sie davon, einen eigenen Lauf, wie etwa einen Zehn-Kilometer-Lauf in Sulz, zu organisieren, oder auch eine Laufgruppe zu gründen. Da sie selbst eine Lauftrainerin mit Lizenz sei, können sie auch Laufpläne erstellen. Gerne dürften sich Menschen dem Verein „Sulz – Istanbul“ anschließen.