Im Impfstützpunkt in der Marienstraße 2 herrscht nach wie vor großer Andrang. Foto: Roth

Am 3. Dezember hat der kreisweite Impfstützpunkt in der Marienstraße 2 in Rottweil geöffnet – und einen großen Ansturm an Impfwilligen verursacht. Nun ziehen die Organisatoren im Gespräch mit unserer Redaktion eine Zwischenbilanz.

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Kreis Rottweil - Dass nicht an jedem Tag die Warteschlange bis in die angrenzende Königsstraße verläuft – wie am Eröffnungstag der Fall –, sei zu erwarten gewesen. Dennoch: "Der Bedarf an Impfterminen ist nach wie vor groß", erklärt der Erste Landesbeamte Hermann Kopp im Gespräch mit unserer Redaktion. Je nach Wochentag kommen 150 bis 300 Impfwillige in die Marienstraße 2, um sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Erweiterte Öffnungszeiten

Ab kommender Woche werden die Impfzeiten gar erweitert, wie Martine Hielscher vom Gesundheitsamt erklärt. Dann wird montags und freitags, jeweils von 14 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 19 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr geimpft. Über Silvester und Neujahr gebe es keine zusätzlichen Termine. Weitere Neuerung: Auch Kinder ab zwölf Jahren werden nach dem Jahreswechsel geboostert. "Weil die Ständige Impfkommission die Empfehlung zur Auffrischungsimpfung auf drei Monate nach der Zweitimpfung reduziert hat, gehen wird diesen Weg mit", erläutert Hielscher. Viele Eltern waren zuletzt verunsichert.

Dass sich keine langen Menschenschlangen mehr bilden, sei sogar erwünscht: "Die Impfwilligen bekommen mit der Zeit ein Bewusstsein, dass nicht alle Termine direkt nach der Eröffnung vergriffen sind", freut sich Organisator Sven Hauser. Er wird nicht müde zu betonen: "Genügend Impfstoff ist da." Schön wäre es daher, wenn sich die Impfwilligen noch mehr auf die langen Öffnungszeiten verteilen.

Schlechtes Wetter trübt Nachfrage

Das Wichtigste aber ist, dass das Angebot überhaupt angenommen wird. "An einzelnen Tagen war die Nachfrage tatsächlich geringer. Wir wussten erst nicht, wie wir das bewerten sollen", verrät Kopp. Auslöser für die wenigen Impfwilligen waren aber wohl die Wetterkapriolen Mitte Dezember. "Bei Minusgraden und Schnee will dann doch niemand im Freien warten."

Aber soll nicht genau das Warten im Freien durch das angewandte Bon-System verhindert werden? "Darum sollen sich die Impfwilligen mehr verteilen", erwidert Hauser. Kritik habe es an der Organisation noch keine gegeben. Ganz im Gegenteil: "Viele Impfwillige sind dankbar, dass wir dieses stationäre und unkomplizierte Angebot bieten." Und der Impfstützpunkt wird mit dem Jahreswechsel noch wichtiger. Denn das Schwarzwald-Baar-Klinikum habe zum Weihnachtsfest seine Impfaktivität eingestellt.

Booster-Kampagne läuft

"In Abstimmung mit den Hausärzten und mobilen Impfteams bilden wir die zentrale Impf-Infrastruktur im Landkreis", betont Kopp die Wichtigkeit des Impfstützpunktes in Rottweil, verbunden mit den Satelliten in Schramberg und Sulz. "Vor rund sechs Monaten hatten wir die höchsten Impfzahlen im Land. Die Booster-Impfkampagne läuft nach wie vor auf Hochtouren." Rund 80 Prozent der verabreichten Spritzen in der Marienstraße 2 seien Auffrischungsimpfungen. "Das spiegelt den bundesweiten Trend wider", ergänzt Hauser.

Kommt Novavax zum Zug?

Trotz der anlaufenden Omikron-Welle seien Erstimpfungen rar. Ob sich das mit der Zulassung eines Tot-Impfstoffes ändert? "Wir sind gespannt, ob sich unentschlossene Menschen dann für die Impfung entscheiden", so Hielscher, die sobald möglich und zugelassen, auch am Impfstützpunkt das Vakzin von Novavax verimpfen möchte. Auf dessen Zulassung zu warten, sei aber falsch. Jetzt gelte es, sich und die Gesellschaft zu schützen, sind sich die Verantwortlichen einig.

Erfreuliche Nachrichten gibt es trotz der geringen Impfquote: Das Ziel, bis Weihnachten die sozialen Einrichtungen im Landkreis mit Auffrischungsimpfungen versorgt zu haben, sei erreicht worden. Auch auf Polizei und Feuerwehr sind die Organisatoren zugegangen. "Wichtig ist uns, dass systemrelevante Bereiche stets arbeitsfähig sind", betont Kopp im Hinblick auf die sich ausbreitende Omikron-Variante.

Auch in Rottweil gibt’s Pannen

Völlig verschont von Pannen sei man aber auch in Rottweil nicht: So seien Chargen-Aufkleber, die nach der Impfung in den gelben Impfpass geklebt werden, ausgegangen. In der Not wussten sich die Verantwortlichen aber zu helfen und druckten die Aufkleber kurzerhand selbst. Das sei rechtlich erlaubt. Zwar sei auch eine handschriftliche Eintragung gültig, wie Martine Hielscher informiert. Aber: "In Zeiten von massenhaft gefälschten Impfpässen werden diese zumeist nicht akzeptiert."

Sonst sind die Verantwortlichen höchstzufrieden. Einen Wunsch hat Hermann Kopp dennoch: gefrorenen Impfstoff. Da die Impfstofflieferungen nicht wie zu KIZ-Zeiten direkt über Bund und Land laufe, beziehe man die Dosen nun aus dem Apotheken-Großhandel – und damit eben aufgetaut. "Das sorgt für eine kürzere Haltbarkeit", spricht sich Kopp für die gefrorene Alternative aus.

Nicht zu früh schließen

Das einzige Haar in der Suppe. Wie geht es im neuen Jahr weiter? "Solange Bedarf vorhanden ist, impfen wir", erklärt Kopp. Bis zum 31. Januar aber auf jeden Fall. Je nach Nachfrage sei man flexibel und könne das Personal anpassen. Momentan sind drei Ärzte im Einsatz. Am liebsten würde Kopp den Impfstützpunkt bis zum Ende der Pandemie offen halten. "Die Schließung der Kreisimpfzentren im September war ein großer Fehler. Ich hoffe, die Politik hat daraus gelernt." Es sei abzuwarten, ob und bis wann eine vierte Impfung fällig sei. Planungssicherheit biete eine Pandemie mit verschiedenen Virusvarianten nämlich nie