Nach schwungvollem Start lahmt auf dem Balkan die Impfkampagne. Das helfen auch Prämien nichts. Dabei findet sich die Impfskepsis in sehr unterschiedlichen Milieus.
Belgrad - Das Impfstoff-Angebot übertrifft in Serbien die immer schwächere Nachfrage. 3000 Dinar (25 Euro) hat der allgewaltige Präsident Aleksandar Vucic all denjenigen Landeskindern gelobt, die sich mindestens einmal impfen lassen. Doch weder durch Prämien noch durch angedrohte Krankengeldstreichungen lassen sich die Impfmuffel locken: Das Impftempo beim einstigen Impfvorreiter wird immer langsamer. Serum gibt es dank der Bruderhilfe aus China und Moskau zwar genug. Doch die Willigen sind längst immunisiert. Und die Skeptiker sehen angesichts sinkender Infektionsraten erst recht keine Notwendigkeit zum Gang ins Impfzentrum.
Wies der EU-Anwärter Serbien im März noch die zweithöchste Impfquote Europas auf, liegt der Anteil derjenigen, die mindestens einmal geimpft worden sind, inzwischen unter dem EU-Mittel. „Die Zahl der Impfungen ist im Fall“, titelt besorgt die Zeitung „Danas“. Tatsächlich sitzt die schon vor der Corona-Epidemie stark ausgeprägte Impfskepsis gerade bei jüngeren Serben besonders tief: Nur zwölf Prozent der 18-30jährigen haben sich bisher gegen das Coronavirus impfen lassen.
Nicht nur die Roma sind Impfgegner
Verschwörungstheorien haben im Südosten stets Konjunktur. Aber auch wegen des tief sitzenden Misstrauen gegenüber dem eigenen Staat ist der Balkan zu einer Hochburg der Impfgegner geworden. Faktencheck-Initiativen zur Überprüfung von Falschinformationen sind in den kleineren Staaten Ost- und Südosteuropas kaum verbreitet. In Bulgarien, Serbien oder Nordmazedonien erschweren zudem die kyrillischen Buchstaben die Nutzung der meist für lateinische Schriftzeichen entwickelten Programme zum Faktencheck. Laut einer schon vor Corona verfassten Studie ist das Vertrauen in Impfungen nirgendwo in der EU so gering wie beim jetzigen Impfschlusslicht Bulgarien. Auch wieder vermehrt auftretende Masernepidemien in der Region zeugen von dieser Haltung. Dabei haben nicht nur sozial schwache Bevölkerungsgruppen wie die Roma einen sinkenden Immunisierungsgrad. Auch das akademische Milieu in Serbiens Großstädten hegt Zweifel am Nutzen der Impfung.