Unschön und juckend: Windpocken. Aber auch darüber hinaus ist die Kinderkrankheit häufig kein Kinderspiel. Foto: © Aleksandr – stock.adobe.com

Die Nachricht hält sich seit ein paar Monaten hartnäckig: Windpocken sind wieder auf dem Vormarsch. Wir haben uns die aktuelle Lage im Schwarzwald-Baar-Kreis einmal angeschaut und auch, woran das liegen könnte.

 

Eine Windpocken-Infektion betrifft längst nicht nur denjenigen, in dessen Gesicht die unansehnlichen und grausig juckenden Pusteln blühen. Denn: Hat ein Familienmitglied Windpocken, so dürfen auch seine engsten Angehörigen weder zur Schule gehen, noch Kindergärten oder ausgewählte Arbeitsplätze besuchen.

Und dennoch ist eine Schutzimpfung für viele Familien nicht selbstverständlich. Wie groß die Impfskepsis bisweilen ist, hat sich nicht zuletzt während der Corona-Pandemie gezeigt.

Und auch jetzt noch zeigt der Blick aufs Dashboard des Robert-Koch-Instituts (RKI): Die Impfquote im Schwarzwald-Baar-Kreis gegen Varizellen – also jene Erreger, die die hochansteckende Krankheit verursachen – liegt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Doch führte das auch zu mehr Krankheitsfällen?

Das sind die aktuellen Zahlen Ganz aktuell liegen dem Gesundheitsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis lediglich sieben Meldungen über akute Windpocken-Infektionen vor. Allerdings ist das Jahr 2025 noch jung und zeigt der Blick, den Heike Frank, die Sprecherin des Landratsamtes, für uns in die mittelfristige Statistik wirft: Während die Anzahl der Windpocken-Fälle in der Region zunächst stark gesunken ist und im Jahr 2021 einen bisherigen Tiefststand von gerade einmal 39 Infektionen aufweist, zeigt der Trend seither wieder nach oben.

2015 wurden noch 191 Fälle gezählt. Sie Fallzahl sank, 2020 auf 62 und 2021 auf 39 Fälle. Nach der Pandemie jedoch stieg die Fallzahl wieder an – 2022 wurden 81 Windpocken-Fälle im Schwarzwald-Baar-Kreis bei der Behörde registriert, 2023 sogar 177, 2024 waren es 109 Fälle. Das Jahresende 2025 wird zeigen, ob die Region es nach der Corona-Pandemie lediglich mit einer kurzfristigen Zunahme zu tun hatte, oder ob generell wieder mit mehr Windpocken-Erkrankungen gerechnet werden muss. Klar ist jedoch: Vor allem seit der Corona-Pandemie und damit einher gegangenen Impf-Kampagnen und teils erbittertem Streit zwischen Impfgegnern und -verfechtern ist das Thema Impfen stärker umstritten als in der Vergangenheit. Und auch das belegt ein Blick in die Statistik.

Der Kreis ist unterdurchschnittlich geschützt Bundesweit waren Ende 2023 laut RKI 73,4 Prozent der 2021 geborenen Kinder bereits mit der zweiten Impfdosis gegen Varizellen geimpft. Im Schwarzwald-Baar-Kreis traf das lediglich auf 57,1 Prozent der Kinder zu. Damit liegt die Impfquote zwar höher als zehn Jahre zuvor, wo sie im Schwarzwald-Baar-Kreis bei 45,1 Prozent und bundesweit bei 59,3 Prozent gelegen hat, doch klar ist für das RKI: Je höher die Impfquote, desto höher der Schutz vor einer Windpocken-Ausbreitung.

Ganz aktuell liege die Impfquote bei 61,1 Prozent, so Heike Frank, und damit weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt von 73,3 Prozent und dem Landesdurchschnitt in Baden-Württemberg von 63,4 Prozent.

Zusammenhang liege auf der Hand

Dass die Anzahl von Windpocken-Erkrankungen mit der Impfquote korrespondiert, liegt für die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes auf der Hand. „Es sind vor allem Ungeimpfte, die an Windpocken erkranken“, stellt Heike Frank klar. Wie wichtig eine Immunisierung in ihren Augen ist, legt die Pressesprecherin ausführlich dar: Der Name der Erkrankung sei schließlich bezeichnend – Windpocken könnten selbst über einen großen Abstand durch den „Wind“ übertragen werden. Und die verursachenden Viren, die sogenannten Varizellen, seien „hochansteckend“. Kurzum: „Wenn ein Familienmitglied Windpocken hat, werden sich 80 bis 90 Prozent der anderen Familienmitglieder, die noch nicht durch Antikörper immunisiert sind, anstecken.“ Die Krux: Bei einer Erkrankung gebe es keine effektive Therapie.

Obgleich es sich dabei um eine klassische Kinderkrankheit handelt, ist eine Infektion für die Patienten längst kein Kinderspiel und können Windpocken auch Erwachsene treffen – und die dann häufig umso heftiger.

Wer die Windpocken als Kind hatte, ist immun dagegen – alle anderen sollten laut RKI über eine Impfung nachdenken. Foto: dpa/Ole Spata

Vor allem für Schwangere kann eine Infektion gefährlich sein, denn Windpocken stehen im Verruf, Fehlbildungen bei ungeborenen Kindern im Mutterleib zu verursachen. Und auch Neugeborene stecken eine Infektion häufig nicht leicht weg. Das indes ist symptomatisch für die Krankheit: Hat man sich das Virus einmal eingefangen, bleibt es lebenslang im Körper und kann es in späterem Alter zu Gürtelrose führen.

Dazu rät das Gesundheitsamt jetzt

Das Gesundheitsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis rate deshalb zur rechtzeitigen Impfung. „Die Impfung gegen Windpocken ist Teil des für Kinder empfohlenen Impfschemas.“ Der Wirkstoff werde als Injektion in zwei Impfdosen unter die Haut verabreicht. Auch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt deshalb allen Kindern die Varizellenimpfung mit zwei Impfstoffdosen. Vorzugsweise soll die erste Dosis im Alter von elf bis 14 Monaten und die zweite mit 15 bis 23 Monaten verabreicht werden. Die gute Nachricht für alle, die diese Daten verpasst haben: „Erfolgte die Impfung nicht im empfohlenen Alter, kann sie zu jedem Zeitpunkt bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden“, informiert die Ständige Impfkommission.