OB Erik Pauly (von links); Martina Fritz mit Tochter Mila, DRK-Bereitschaftsleiterin in Donaueschingen; die mit ihren Kollegen die Sonntagsdienste übernimmt; Anne Derday, Leiterin der zentralen Impfstützpunkte im Landkreis, und Landrat Sven Hinterseh. Foto: Fröhlich

Es ist ein bisschen wie mit dem Klatschen für die Pflegekräfte zu Beginn der Pandemie – hochgelobt und dann doch abgestraft. Einst wurden auch die Kräfte für die Impfzentren händeringend gesucht. Doch jetzt mutet das Land ihnen eine Zitterpartie um ihre Jobs zu.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Es zogen sich die Warteschlagen durch das gesamte Schwarzwald-Baar-Center. Menschen warteten viele Stunden lang, um sich impfen lassen zu können. Jetzt geht kaum noch einer hin zu den Impfstützpunkten. Das Ärgernis aber ist ein anderes: Das Land lässt den Schwarzwald-Baar-Kreis in der Luft hängen – und die Mitarbeiter ebenfalls.

 

Ein Ärgernis jagt das andere

Im November war es das erklärte Ziel der Politik: Die Impfkampagne des Landes Baden-Württemberg sollte stärker vorankommen. Vor allem dort wo, wie im Schwarzwald-Baar-Kreis beispielsweise, die Impfquote noch gering war und man über kein Zentrales Impfzentrum verfügte – für Landrat Sven Hinterseh war das ein großes Ärgernis, sah er doch in der Unterversorgung an entsprechenden Möglichkeiten und Impfstoff für die Region ein großes Manko, das letztlich auch zur geringen Impfquote geführt habe.

Doch das Kreisimpfzentrum, das zu Hoch-Zeiten der Pandemie in der Schwenninger Tennishalle aufgebaut worden war, gehörte der Vergangenheit an. Es fehlte schlichtweg an der Infrastruktur, um das plötzlich doch so große Interesse an Schutzimpfungen gegen das Coronavirus bewältigen zu können. Schnell war klar: Eine neue zentrale Impfstelle muss her. Im November 2021 also eröffnete im Schwarzwald-Baar-Center in Villingen-Schwenningen ein neuer Impfstützpunkt für den Landkreis. Und wo vorher die Flaute herrschte, war plötzlich Schlange stehen angesagt. Der Andrang war so groß, dass sogar zwei weitere Impfstützpunkte aus dem Boden gestampft worden sind: in St. Georgen und in Donaueschingen.

Doch jetzt haben sich die Zeiten abermals gewandelt. Die Mehrheit ist geimpft, eine nicht unerhebliche Zahl von Skeptikern denkt gar nicht daran, sich noch impfen zu lassen, und so herrscht dort, wo einst Hochbetrieb war, nun gähnende Leere. Keiner kommt mehr.

Kreis glaubt nicht mehr ans stationäre Angebot

Die Planungen passen also: Bis Ende März hatte das Sozialministerium Baden-Württemberg ohnehin nur die Zusage zum Betrieb der zusätzlichen Impfstützpunkte gegeben. Und nun? War es das jetzt mit dem stationären Impfangebot durch den Landkreis? Im Grunde genommen ja – wobei den Bürgern natürlich der Weg zum Hausarzt weiterhin offensteht. Statt eines stationären öffentlichen Impfangebots werde es künftig nur noch ein Mobiles Impfteam im Landkreis geben, "welches die gewünschten beziehungsweise angefragten Impfungen in Einrichtungen durchführt", erklärt die Pressesprecherin des Landratsamtes, Heike Frank. Vor allem an Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Flüchtlingsunterkünfte wird dabei gedacht. "Von einem weiterhin stationären Angebot gehen wir derzeit nicht mehr aus, da die Impfnachfrage weiterhin stetig sinkt", so Frank.

Um für den Ernstfall zumindest ein Stück weit gewappnet zu sein, will man auf Kreisebene jedoch zumindest ein zentrales Depot als Lager für den Impfstoff bereithalten.

Auch personell darf man aufatmen – wobei man beim Betrieb des Impfstützpunktes durchaus in einer feudalen Lage gewesen sei. "Wir hatten das Glück, auf viele ehemalige und damit erfahrene (Impf-)Kräfte unseres früheren Kreisimpfzentrums zurückgreifen zu können", erläutert Frank. Zudem habe man einige "tolle neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinzugewinnen" können. Insgesamt beschäftigte der Kreis 26 Mitarbeiter in den drei Impfstützpunkten sowie beim Mobilen Impfteam.

"Das ist für uns (....) unzufriedenstellend"

Sie alle hängen nun mit dem Landkreis gemeinsam offenbar in der Luft. Das Personal wurde seitens des Landratsamtes frühzeitig über die angedachten weiteren Pläne des Landes informiert und wusste, dass die Chancen schlecht stehen für ein Aufrechterhalten der Infrastruktur über den 31. März hinaus, so Heike Frank. Aber: "Leider gibt es hier noch keine finale Zusage beziehungsweise ändern sich die Pläne des Landes auch immer wieder. Eine finale Entscheidung oder Zusage, wie es ab dem 1. April weitergehen soll, gibt es bis jetzt noch nicht", betont Frank. "Das ist für unsere Personalplanung und weitere Planungen schwierig und unzufriedenstellend." Nur wenige Mitarbeiter könnten damit für das über den 31. März angedachte Mobilie Impfteam weiterbeschäftigt werden. Einigen Mitarbeitern könne das Landratsamt eine Tätigkeit im Gesundheitsamt oder zum Beispiel in der PCR-Abstrichstelle anbieten – der Rest schaut offenbar in die Röhre.