Bis im Hasenbrunnen mit dem Bauen begonnen werde konnte, verging einiges an Zeit. Foto: Fritsch

Die hohe Nachfrage nach jeder Art von Immobilien in der Region – die Corona-Pandemie hat sie bisher nicht bremsen können. Im Gegenteil: der "Zuwanderungsdruck" aus den Ballungsräumen Stuttgart und Böblingen/Sindelfingen wächst spürbar: "Auf ein Angebot kommen über 50 Bewerber."

Nagold/Herrenberg - Das ist zumindest die Erfahrung der Gäu Neckar Immobilien GmbH, eine 100-Prozent-Tochter der Volksbank Herrenberg Nagold Rottenburg (Voba HNR), die deren Geschäftsführer Markus Speer jetzt in einer Pressekonferenz zum Thema "Entwicklungen am Immobilienmarkt" erläuterte: Drei neue Einfamilienhäuser in Sulz am Eck hatte man an einem Freitag neu in die Vermarktung aufgenommen und die Angebote auf der eigenen Website veröffentlicht – bereits am Montag lagen die je über 50 Anfragen vor allem aus Stuttgart und dem südlich angrenzenden Raum vor. "Die Leute" – vor allem bisherige Großstädter – "wollen raus an die frische Luft", wollten eine Sehnsucht nach "Garten, Balkon und kurzen Wegen in die Natur" leben. Wobei die Nachfrage in der Region nach Wohnimmobilien auch von Investoren getrieben werde, die aufgrund der aktuellen Inflations- und Zins-Risiken für Geldvermögen dieses in vermeintlich sicheres "Beton-Gold" anlegen wollten. Womit sich eine Entwicklung komplett gedreht habe, so Speer: "Vor 15 Jahren gab es solche Investoren im hiesigen Immobilienmarkt noch nicht." Heute mache diese Käufergruppe rund die Hälfte der Kaufwilligen aus.

Nachfrage steig spürbar an

Allerdings, auch wenn die "Worst-Case-Szenarien" von Anfang der Pandemie sich nicht bewahrheitet hätten, wonach Kurzarbeit oder gar Arbeitsplatz-Verlust auch auf dem Immobilien-Sektor zu einer Nachfrage-Delle hätten führen können – eine Entwicklung "treibt" der permanente, Corona-bedingte Ausnahmezustand dennoch am Wohnungsmarkt: Die Nachfrage nach "generell mehr Wohnfläche, aber vor allem nach einer höheren Zimmeranzahl, zur Nutzung als geeignetes Büro" – also als "Homeoffice" – steige aktuell spürbar an. "Sind Partner regelmäßig gemeinsam im Homeoffice, sind sogar zwei Arbeitsplätze mit räumlicher Trennung notwendig, um in Ruhe arbeiten und datenschutzkonform an digitalen Meetings und Telefonkonferenzen teilnehmen zu können", so die Feststellung der Experten von Gäu Neckar Immobilien. Solche "Lösungen lassen sich in kompakten Stadtwohnungen nur schwer realisieren", oder wirkten sich "entsprechend auf die Höhe der nötigen Investition" aus.

Was Konsequenzen für die ja eher ländlich geprägten Regionen im Geschäftsgebiet der Voba HNR habe: Der Bedarf nach "einer guten Infrastruktur" steige, was "sowohl die Bedeutung einer schnellen und stabilen Internetversorgung als auch einer guten Versorgung des täglichen Bedarfs und ausreichender Mobilität" betreffe. Für Familien seien zudem "Angebote einer umfänglichen und zuverlässigen Kinderbetreuung in Kindertagesstätten, Ganztagesschulen sowie ausreichender Freizeitangebote" sehr häufig sogar die ausschlaggebenden Kriterien für die Wahl eines künftigen Wohnsitzes.

Preise ziehen an

Klar, dass solche erhöhte Nachfrage nach mehr und größerem Wohnraum und Immobilien ganz allgemein in der Raumschaft auch die Preise weiter nach oben treibt – nicht erst seit Pandemie-Beginn. Denn der zunehmende Bedarf nach adäquaten Wohnraum trifft auf ein bereits seit Jahren knappes Angebot. Bei Bestands-Wohnungen beobachtet die Gäu Neckar Immobilien etwa in Nagold und den Teilorten aktuelle Angebotspreise zwischen zirka 2000 und 3600 Euro je Quadratmeter Wohnfläche, in Herrenberg und Umgebung zwischen zirka 2500 und 4500 Euro pro Quadratmeter. Und in der Bischofsstadt Rottenburg sowie umliegenden Gemeinden bewege sich das Preisniveau zwischen zirka 1900 und 3500 Euro pro Quadratmeter.

Für Einfamilienhäuser liegen die Preise in Nagold und der Region zwischen rund 300 000 und einer Million Euro, in Herrenberg und in der umliegenden Region bei zirka 400 000 bis 1,5 Millionen Euro und in Rottenburg und Umkreis bei zirka 300 000 bis 850 000 Euro. Kommentar Markus Speer: "Vor einigen Jahren war ein Kaufpreis von einer Million Euro für ein Einfamilienhaus noch etwas extrem ungewöhnliches und entsprach dann auch einer sehr exklusiven Immobilie." Heute sei ein solcher Preis "ein gängiges Geschäft, das regelmäßig vorkommt".

Hoher Nachfrage-Druck

Eine Möglichkeit, dass sich der hohe Nachfrage-Druck am Wohnungsmarkt kurzfristig ändern könnte, sieht die Gäu Neckar Immobilien nicht. "Zum einen werden hierfür grundsätzlich nach wie vor zu wenig vorhandene Ressourcen in der Innenentwicklung von Städten und Gemeinden, im Sinne einer Nutzung alter Brachflächen, der Sanierung von Altbausubstanzen, Schließung vorhandener Baulücken und Neubebauung von Abrissobjekten, genutzt" - so der Wortlaut einer zur Pressekonferenz herausgegebenen Mitteilung. Des weiteren werde immer wieder "der Baubeginn durch langwierige und zeitintensive Genehmigungsverfahren wie auch durch bürokratischen Aufwand für die Außenentwicklung der Städte durch neue Baugebiete" verzögert. Die Schaffung neuer Baugebiete, wie beispielsweise dem "Hasenbrunnen" in Nagold, erforderten zuviel Zeit und könnten im Regelfall nicht kurzfristig umgesetzt werden. Sobald das Baugebiet geschaffen sei, sei auch die Nachfrage ungebrochen hoch, wie beispielsweise zuletzt im Baugebiet "Bergsteig" in Effringen oder im "Riedbrunnen" in Nagold erkennbar. "Die Schaffung von Neubauprojekten kann somit nur mittelfristig der vorhandenen Wohnungsknappheit entgegenwirken", ist man bei Gäu Neckar Immobilien sicher.

Was sich auch – wiederum – bei der Entwicklung der "Preise für ansprechende und nachhaltige Neubauprojekte" zeige, wobei aber auch anhaltend steigende "Handwerkerpreise in den vergangenen Jahren um rund acht bis zehn Prozent" und eine zuletzt spürbare Verknappung von Baumaterialien wie Holz, Stahl oder Dämmstoffen mit entsprechendem Preisanstieg eine Rolle spielten. In den Städten Nagold und Rottenburg lägen die Quadratmeterpreise je Wohnfläche im Neubaubereich daher zwischenzeitlich bei zirka 4000 bis 5000 Euro, in Herrenberg "sowie entlang der S-Bahn" bei zirka 5500 bis 6500 Euro. "Von Politik, Kommunen und den Akteuren der Immobilienwirtschaft sollten alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden, damit genügend zukunftsfähiger und auch weiterhin bezahlbarer Wohnraum entstehen kann", so eine abschließende Forderung.

Info: Gäu Neckar Immobilien

Die "Dynamik und hohe Transaktionsbereitschaft am Immobilienmarkt" führten für die Gäu Neckar Immobilien im Jahr 2020 zu einem Rekordergebnis: Insgesamt wurden 179 Immobilien mit einem Kaufpreisumsatz von rund 56 Millionen Euro vermittelt. Für 2021 wird eine ähnliche Entwicklung des Immobilienmarktes wie 2020 erwartet. Mit der Gäu Neckar Hausverwaltung werden zudem aktuell 3000 Wohnungen in der Region betreut.

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