Dieses Haus in Horb Mühringen wird zwangsversteigert. Das Mindestgebot ist 70 Cent. Findet sich ein Käufer? Foto: Jürgen Lück

Jetzt ist es günstig zu haben: Dieses Haus in der Nähe der Ortsmitte von Horb-Mühringen wird versteigert. Der Verkehrswert beträgt 1 Euro.

Ist das ein Schnäppchen oder Schrott? Wer günstig eine Immobilie erwerben will, kann in Mühringen fündig werden. Hier wird ein ganzes Haus versteigert.

 

Es geht um das Einfamilienhaus in der Kohlbergsteige 5. Das Grundstück ist 136 Quadratmeter groß – Verkehrswert: 1 Euro. Das Mindestgebot beträgt 70 Cent. Am 3. Dezember wird das Haus mit Grundstück im Amtsgericht Freudenstadt ab 10 Uhr versteigert.

Mit welchen Problemen muss der Käufer rechnen?

Laut dem Sachverständigen im Auftrag des Gerichts handelt es sich um ein „leerstehendes, nicht bewohnbares Einfamilienhaus“. Pläne und Grundrisse sind offenbar nicht vorhanden. Das Amtsgericht Freudenstadt schreibt: „Das Haus hat einen sehr schlechten Gesamtzustand.“ Es sei abbruchreif. Das Baujahr liegt geschätzt vor 1900. Laut Gericht steht das Gebäude auf der Liste Kulturdenkmäler. Rathaussprecherin Inge Weber: „Das Gebäude selbst ist nach den uns vorliegenden Informationen kein Kulturdenkmal und könnte daher auch vom künftigen Besitzer abgebrochen werden – sofern er es wünscht.“

Der Name der letzten Bewohner steht noch in Holzbuchstaben an der Eingangstür des Hauses. Foto: Jürgen Lück

Die Rathaussprecherin weiter: „Das Grundstück liegt – wie fast der komplette Siedlungsbereich von Mühringen – seit Oktober 1977 innerhalb eines archäologischen Prüffalles.“

Kann Landesdenkmalamt den Käufer ausbremsen?

Das 1-Euro-Haus von Mühringen von der Seite: Es ist offensichtlich in keinem guten Zustand. Foto: Jürgen Lück

Falls beim Baggern etwas Verdächtiges gefunden wird, muss der Eigentümer sofort das Landesdenkmalamt benachrichtigen. Dann könnte eine Rettungsgrabung veranlasst werden. Als verdächtig, so das Denkmalamt, gelten dunkle Verfärbungen im Boden, die auf Siedlungsreste hinweise. Knochen oder Tonscherben. Das hatte es in Horb-Dießen gegeben. Dort verzögerte die sogenannte „Rettungsgrabung“ die Bebauung eines Grundstücks in der Bittelbronner Steige.

Horbs Stadtentwickler Peter Klein bilanzierte damals: „2021 erfolgte die Sondierungsgrabung, 2023 die Ausgrabungen. Das hat die Stadt 170 000 Euro gekostet.“

Kann Käufer Sanierungsmittel beantragen?

Rathaussprecherin Weber: „Das Gebäude Kohlbergsteige 5 liegt innerhalb des Sanierungsgebietes Mühringen. Im vorliegenden Fall wäre beispielsweise eine Förderung des Abbruches oder die Förderung einer umfassenden Modernisierung denkbar. Die erhöhte Förderung für denkmalgeschützte Gebäude greift hier nicht.“

Ein Nachbar sagt über das Haus: „Es wurde vor ungefähr 30 Jahren an ein Paar von auswärts verkauft. Sie starb vor ungefähr zehn Jahren. Er zog sich immer mehr zurück.“ Das Haus verwahrloste offenbar im Lauf der Zeit. Als tagelang kein Licht mehr brannte, wurde Ortsvorsteher Lacher im Frühjahr 2025 informiert. Der holte die Polizei – die fand den Bewohner. Er war wohl schon mehrere Tage tot. Die Feuerwehr hat damals die Eingangstür mit einer Holzplatte wieder zugemacht.“

Wie schätzt der Nachbar das Haus ein? Er schätzt die Wohnfläche auf 80 bis 100 Quadratmeter: „Es ist abbruchreif. Aber es gibt Leute, die machen was daraus.“