Möglichst viele Menschen sollen nach St. Georgen kommen und hier leben – das ist schon aus finanziellen Gründen im Interesse der Stadt. Doch die Lage am Immobilienmarkt ist schwierig. Über die Gründe spricht Bürgermeister Michael Rieger.
Je mehr Einwohner eine Stadt hat, desto mehr Zuweisungen bekommt sie im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs – damit sind die Menschen, die in St. Georgen leben, eine der wichtigsten Einnahmequellen der Stadt. Wenig überraschend also, dass die Verwaltung sich große Mühe gibt, Menschen für das Leben in der Bergstadt zu begeistern – mit einer guten Infrastruktur, Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen, Freizeitmöglichkeiten und auch, betont Bürgermeister Michael Rieger, mit einer ansprechenden Innenstadt.
So weit, so gut – doch all die Menschen brauchen auch einen Platz zum Leben. Und die Lage am Immobilienmarkt ist allgemein angespannt. Eine Entwicklung, die auch vor St. Georgen keinen Halt macht. Im Gespräch blickt Rieger auf Gründe dieser Entwicklung, mögliche Gegenmaßnahmen und die Handlungsspielräume der Kommune.
„In den Markt können wir uns kaum einmischen“, sagt der Bürgermeister. Wenn etwa ältere Häuser in der Stadt leer stünden, könne keiner zu deren Verkauf oder Vermietung gezwungen werden, „weil jeder Eigentümer frei entscheiden kann, was er mit seinem Haus macht“.
Investoren bauen und erschließen
Dennoch habe die Stadt ein Auge auf die Lage am Immobilienmarkt in St. Georgen – auch, wenn es um Neubaugebiete geht. Derzeit entstehen in St. Georgen im Bereich Glashöfe neue Häuser, wobei das Gebiet nicht der Stadt, sondern einem Investor gehört. Ähnlich sieht es auf dem ehemaligen Haller-Areal aus: Auch hier sind Doppel- und Reihenhäuser geplant. „Da geht hoffentlich auch bald etwas vorwärts“, sagt Rieger.
Stadt hat noch Flächen-Optionen
Freie Bauplätze in kommunalem Eigentum sind derzeit in St. Georgen äußerst rar gesät. „Es ist heutzutage nicht mehr einfach, Baugebiete zu entwickeln“, betont Rieger. Dennoch hat die Stadtverwaltung auch in diesem Punkt die weitere Entwicklung im Blick – und das schon seit längerer Zeit: 2018 hatte sich der damalige Gemeinderat in einer Klausur mit dem Thema auseinandergesetzt, berichtet Rieger. „Wir haben uns schon Flächen gesichert“ – etwa in Brigach, in Peterzell und im Bereich der Goethestraße. Optionen für die Zukunft gibt es also.
Rieger: „Bauen ist enorm teuer geworden“
Doch fehlendes Bauland ist nicht der einzige Faktor, der dem Immobilienmarkt zusetzen kann. Auch die hohen Baukosten und -zinsen spielen durchaus eine Rolle – nicht nur, wenn es um den Bau oder Erwerb von Immobilien geht, sondern auch in puncto Miete.
Der Wohnungsmarkt sei schon seit Jahren „ein ganz komplizierter, um nicht zu sagen schwieriger, Markt“, meint Rieger. „Denn Bauen ist enorm teuer geworden.“ Heute koste es etwa 5000 Euro, einen Quadratmeter Mietfläche inklusive Tiefgarage zu bauen, rechnet der Bürgermeister vor – das wirke sich selbstredend auch auf die Höhe der Mieten aus. Die stiegen dann in Höhen, wie man sie in Ballungszentren verlangen könne, „aber nicht hier in St. Georgen“. In der Bergstadt sei der Markt für solche hohe Mieten einfach nicht gegeben.