Derzeit laufen Sanierungsmaßnahmen rund um das ehemalige E-Werk. Foto: Kratt

Endlich tut sich etwas rund um das ehemalige E-Werk in der Kirchstraße: Zwar sind die Verkaufspläne aufgrund eines Wasserschadens geplatzt, doch dafür stehen neue Mieter in den Startlöchern: Ins Erdgeschoss soll ein Brautmodengeschäft ziehen, in die Obergeschosse eine Anwaltskanzlei.

VS-Schwenningen - Eigentlich hätte es ganz anders kommen sollen: Für das ehemalige Elektrizitätswerk zwischen Bürk- und Kronenstraße standen im Herbst vergangenen Jahres schon drei Interessenten bereit, die das denkmalgeschützte Gebäude kaufen wollten. Doch ein vor Kälte geplatztes Heizungsrohr hatte im Winter enormen Schaden besonders in der Spielothek im Untergeschoss angerichtet und machte den Plänen von Immobilienmakler Markus Preller sowie von Eigentümer Manfred Polzer einen Strich durch die Rechnung.

 

Denn: Die Kosten für die notwendige Renovierung, die im Frühling begonnen wurde, hätten den Verkaufspreis von 2,5 Millionen Euro nochmals in die Höhe getrieben. Polzer hatte sich deswegen entschieden, nicht zu verkaufen und stattdessen vermieten zu lassen.

"Seriöse und ordentliche Mieter"

Und das mittlerweile erfolgreich für Markus Preller vom Stuttgarter Immobilienbüro Immo-PR: Wie er im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten bestätigt, konnte er für das Erdgeschoss, wo zuletzt die Arena Lounge ihr Ladenlokal hatte, ein Brautstudio gewinnen. In die beiden Obergeschosse wird eine Anwaltskanzlei aus Schwenningen ziehen. Wie aus anderen Kreisen zu hören ist, sollen sich die übrigen Partner der Kanzlei Haller & Partner mit bisherigem Sitz in der Bärenstraße von Namensgeber Thomas Haller trennen und künftig die Büroräume in der Kirchstraße nutzen.

Auch wenn er mit der Miethöhe nicht ganz zufrieden sei, ist der Immobilienmakler, der auch im Bereich Projektentwicklung tätig ist, froh, dass bald wieder Leben in das E-Werk einziehen wird. "Dem Eigentümer war es wichtig, dass seriöse und ordentliche Mieter einziehen." Preller findet den Standort am Rande der Fußgängerzone ideal für derartige Gewerbe. "Mietwohnungen hätten weniger Sinn gemacht."

Wenig Optimismus

Derzeit sind mehrere einheimische Firmen vor Ort, um die Sanierung voranzutreiben. Der Invest liege bei rund 700.000 Euro. Und der Zeitplan ist sportlich: "Im Dezember will ich fertig sein", sagt Markus Preller, der selber weiß, welche Hürden ihm noch bevorstehen. Nicht zuletzt durch die denkmalgeschützte Fassade des Gebäudes von 1902 gelte es, viele Auflagen zu beachten und im ständigen Austausch mit dem Denkmalamt zu sein. "Doch wenn man aufgrund der Ferien drei Wochen keinen Ansprechpartner hat, verzögert sich das Ganze natürlich", sagt der Makler. Durch den Wasserschaden träten immer noch unerwartete Sachen zum Vorschein. Hinzu kämen die langen Lieferzeiten.

Und dann ist da noch die Spielhalle im Untergeschoss, die seit geraumer Zeit geschlossen ist. Nicht nur aufgrund des Wasserschadens, sondern auch aufgrund der neuen Verordnung, die in Baden-Württemberg im Juli in Kraft getreten ist und den Betrieb untersagt, wenn zwischen zwei Spielhallen nicht ein Mindestabstand von 500 Metern eingehalten werden kann. Derselbe Mindestabstand gilt dann auch zwischen einer Spielhalle und einer Kinder- und Jugendeinrichtung.

Auch wenn Preller davon ausgeht, dass der "sehr potente" Betreiber – so wie alle anderen Spielhallen-Pächter – gegen den neuen Staatsvertrag geklagt hat –, ist er wenig optimistisch, dass der Betrieb bald wieder aufgenommen werden kann. "Wenn die Halle nicht mehr öffnet, haben wir einen enormen Mietverlust", weiß der Makler.

Möglichkeiten für Gastronomie sind da

Denn sein Ziel ist es natürlich, das gesamte Objekt zu vermieten. Auch von einem möglichen Gastronomiebetrieb lasse er noch nicht ganz los. Das Problem, das der BunBun-Burger zu Zeiten seines Betriebs im Erdgeschoss des E-Werks mit dem – durch die Denkmalschutz-Auflagen – scheinbar nicht möglichen Einbau einer Um- und Abluftanlage gehabt hatte, sieht Markus Preller nicht mehr. Schließlich gebe es auch Abluftanlagen, die über das Dach verlegt werden können. Doch im Falle eines möglichen Gastronomiebetrieb ist eines ist für den Makler wichtig, das für das gesamte E-Werk gilt: "Es muss ein richtiges Konzept dahinter sein."

Kommentar: Konzept-voll

Hut ab: Obwohl die Zukunft des alten E-Werks Anfang des Jahres durch den enormen Wasserschaden recht düster aussah, ist es Eigentümer und vor allem Makler gelungen, eine gute Perspektive für das denkmalgeschützte Gebäude zu schaffen – und das zu Zeiten der Corona-Krise. Sie fahren ein anderes, vielleicht unerwartetes Konzept: Mit dem Brautmodengeschäft im Erdgeschoss ist der Einzelhandel vertreten, mit der Anwaltskanzlei ein ortsansässiges Gewerbe. Beide Mieter werden ein anderes Publikum anziehen als früher, aber das ist gut so. Denn so kann das markante und bedeutsame Gebäude in zentraler Lage zwischen Fußgängerzone und Marktplatz wieder die Aufwertung erlangen, die es verdient. Daher ist auch für die Fläche im Untergeschoss – bisher noch Spielothek – ein adäquates Konzept wünschenswert, das sich gut in den Mietermix fügt.