Unter anderem auf dieser Wiese neben dem Kreisverkehr sollen Mehrfamilienhäuser gebaut werden Foto: Pauline Szyltowski

Zwar ist der Gemeinderat froh über die Pläne für neuen Wohnraum im Hirsauer Ortskern. Doch viele Stadträte sorgen sich darum, dass die geplanten Gebäude nicht zum historischen Charakter des Areals passen werden.

In Hirsau wird fleißig gebaut, wie etwa aktuell an der Liebenzeller Straße. Auch die Stadt Calw möchte demnächst ein Gebäude gemeinsam mit der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Calw auf dem Aureliusplatz 14 realisieren.

 

Ein weiteres Bauprojekt im historischen Ortskern war nun Thema im jüngsten Bau- und Umweltausschuss (BUA) sowie im Gemeinderat: Am Kreisverkehr zwischen Uhlandstraße und Altburger Weg sollen vier Wohngebäude mit Tiefgaragen und circa 31 Wohneinheiten entstehen.

Das Baugebiet mit dem Titel „Waldäcker“ war bereits mehrfach Gegenstand im Ausschuss, Gemeinde- und Ortschaftsrat.

Kritik: die geplanten Gebäude sind zu massiv

In der Märzsitzung beschäftigte sich der BUA mit den Ergebnissen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung und Beteiligung der Behörden. Diese sind Teil des Bauleitplanungsverfahrens, das wiederum Voraussetzung für den späteren Bauplan ist.

Eine der wesentlichen Anregungen aus der Bevölkerung war die Kritik, dass die Bebauung zu hoch und zu massiv sei. Vor allem an diesem Punkt entstand eine Diskussion, die auch im Gemeinderat weitergeführt wurde. Auch wenn schließlich bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen der Rat zustimmte, den weiteren Weg für das Projekt zu ebnen.

So sprach etwa Erhard Hofmann (Linke) von einem „gewaltigen ökologischen Fußabdruck“, den das Vorhaben durch die Versiegelung beim Bau hinterlassen werde.

Kling widersprach: Das Grundstück gelte bereits als versiegelt und „verbrauchte Fläche“. Es sei besser dort, als woanders zu bauen, wo dann möglicherweise wirklich neu versiegelt werden müsste.

OB Kling: Projekt muss wirtschaftlich bleiben

Hofmann war mit dem Projekt dennoch nicht glücklich. Einerseits meinte er, in der Bürgerbeteiligung sei angeregt worden, Wohnraum auf kleinerer Fläche zu schaffen. Andererseits regte er an, ob nicht vorgeschrieben werden könne, dass ein Teil vermietet werden muss. Kling reagierte mit Sarkasmus. Natürlich sei es möglich, das Ganze durch Regelungen so unwirtschaftlich zu machen, dass gar nicht erst gebaut werde – wenn das gewünscht sei.

Irmhild Mannsfeld (Neue Liste Calw) wollte das so nicht stehen lassen. Es gebe schließlich Alternativen „zwischen gar nichts bauen und vollbauen“. Das Bauvorhaben sprenge den Dorf-Charakter Hirsaus, füge sich nicht ein und etwas Kleineres hätte es an dieser Stelle auch getan, meinte sie.

Kling stimmte ihr grundsätzlich zu. Innenentwicklung bedeute aber immer auch Innenverdichtung.

Dieter Kömpf (Freie Wähler) erklärte, aus seiner Sicht sei es zu spät, um jetzt noch grundlegend dagegen zu sein, Planungen und Beratungen seien schon weit fortgeschritten und lange im Gespräch. Natürlich gebe es immer noch bessere Lösungen.

Bernhard Stopper (Neue Liste Calw) mahnte „Fingerspitzengefühl“ an. Das geplante Gebäude werde doch ein ziemlicher „Klotz“ und befinde sich immerhin in der Nähe des berühmten Klosters. Zudem müsse geregelt werden, wo und wie Handwerker oder dergleichen parken oder ausladen können.

Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) meinte schließlich, auch der Ortschaftsrat Hirsau habe zugestimmt. Und die, die direkt betroffen seien, hätten sich sicher viele Gedanken gemacht.

Dass man sich nicht einfach von Bauträgern etwas wünschen könne, betonte Bernhard Plappert (CDU). Sondern man müsse froh sein, dass es überhaupt jemand mache. Da müsse man auch realistisch sein.