Für das „Rössle“ in Gechingen wird ein neuer Besitzer gesucht. Foto: Thomas Fritsch

Für 750 000 Euro ist das leerstehende Gebäude zu haben. Die Gemeinde hofft auf einen Gastwirt, der handwerklich begabt sein sollte. Das „Rössle“ ist nämlich renovierungsbedürftig.

750 000 Euro Kaufpreis, 331 Quadratmeter Gesamtfläche und ein Gastraum mit 40 Plätzen: Das sind einige der Zahlen, die das „Rössle“ in Gechingen beschreiben. Mitten im Ort gelegen, in der Hauptstraße 18, sucht es nun einen neuen Besitzer. Oder eher: Die Gemeinde Gechingen als Eigentümerin sucht einen Käufer für das leerstehende und sanierungsbedürftige Gebäude. Die Anzeige ist nicht nur auf der Internetseite der Gemeinde, sondern auch auf Immobilienportalen zu finden.

 

Im Exposé heißt es: „Die Gemeinde Gechingen verkauft in zentraler Lage Räumlichkeiten von einer gut eingeführten Gaststätte mit einer Größe von circa 97 Quadratmetern – Wohnung (circa 141 Quadratmeter) und Doppelgarage gehören dazu“.

Gaststätte stand zuletzt leer

Vergangene Pächter Die Gaststätte stand zuletzt leer und hatte in den vergangenen Jahren eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis Mitte 2018 betrieb das Ehepaar Greco eine gut laufende Pizzeria im „Rössle“. Die Grecos konzentrierten sich dann aber auf das „Neunzehn21“ im Sportheim, das sie ebenfalls gepachtet hatten.

Erst etwa anderthalb Jahre später gab es wieder etwas zu essen im „Rössle“ – Burger und gut bürgerliche Küche bei Carsten Felix. Auch sein Konzept funktioniert, den Google-Bewertungen, die bis heute zu lesen sind, nach. Bis Felix aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Einen neuen Pächter hatte das „Rössle“ dann erst wieder im Frühjahr 2023. Damals eröffnete Dieter Weinle „Dieter’s Alm Rössle“.

Sanierungsbedarf „Es ging uns wirtschaftlich gut, wir haben uns hier wohl gefühlt“, berichtete dieser im Gespräch mit unserer Redaktion im Januar 2024. Zugleich erklärte er, man gebe die Gechinger Gaststätte nun nach kurzer Zeit wieder auf, „weil das Gebäude marode ist, seit Jahrzehnten nix gemacht worden ist“. Er kritisierte damals die Gemeindeverwaltung und erklärte, er fühle sich von der Kommune vergrault.

Gechingens Bürgermeister Jens Häußler meinte damals, es sei nicht möglich, das Gebäude sofort wieder zur Verpachtung auszuschreiben. Dass bauliche Verbesserungen nicht schon längst erledigt worden seien, habe mit der Priorisierung von Projekten zu tun, erklärte der Schultes. Gleichzeitig widersprach er Weinle, der der Gemeinde gar versteckte Mängel vorgeworfen hatte.

Dieter Weinle war der bisher letzte Pächter, das Mietverhältnis endete laut Bürgermeister zum 31. Mai 2024, da war die Gaststätte aber bereits seit gut vier Monaten geschlossen.

Wohnung im Obergeschoss gehört mit dazu

Wohnung Neben dem Gastraum und Nebenflächen gibt es im Ober- und Dachgeschoss des Gebäudes eine Wohnung mit mehreren Schlafzimmern und Terrasse. Separat vermieten lässt sich diese nicht, weil sich Gaststätte und Wohnung den Zugang teilen. „Die bauliche Herstellung eines separaten Zugangs wäre wirtschaftlich nicht vertretbar“, erläutert Jens Häußler.

Geplanter Verkauf Nun will Gechingen also das „Rössle“ verkaufen. Das Gebäude befindet sich seit November 2002 im Besitz der Gemeinde.

Als Verkaufsgrund nennt Häußler die finanzielle Situation. Das „Rössle“ sei keine „Pflichtaufgabe“ für die Gemeinde. Stattdessen hat Gechingen „zahlreiche andere Pflichtaufgaben mit relativ viel Finanzbedarf“.

Dass das Gebäude renovierungsbedürftig ist, das steht auch in der Anzeige. Die Gemeinde hofft auf einen „Käufer aus dem Gastronomiegewerbe“, wie es der Bürgermeister formuliert. „Ideal wäre, wenn handwerkliche Eigenleistung erbracht werden könnte.“

Interessenten fürs „Rössle“ gebe es. Konkrete Bewerber indes sind ihm nicht bekannt, teilt Häußler mit.