In Oberreichenbach steht die bislang einzige automatisierte Station im Landkreis Calw – als Filiale gilt sie allerdings nicht.
Die Zeiten, in denen schriftliche Nachrichten vor allem per Brief oder Postkarte zugestellt wurden, sind vorbei. Die Zeiten, in denen jedes Dorf seine eigene Post – zumal in eigenen Geschäftsräumen – hatte, damit ebenfalls.
Gerade hat in Bad Wildbad die langjährige Postfiliale geschlossen. Die bisherige Filialbetreiberin hatte gekündigt, die Post gleich nach Bekanntwerden erklärt: „Es wird auf jeden Fall weiterhin einen Poststandort in Bad Wildbad geben.“
Doch noch ist nicht bekannt, wie es dort weitergeht. Immerhin: In Wildbad gibt es noch einen DHL-Paketshop, eine Postfiliale in Calmbach. Und wie sieht es andernorts im Landkreis Calw mit Poststandorten aus?
Wie viele Filialen gibt es im Kreis Calw? Abzüglich der gerade geschlossenen Filiale in Bad Wildbad gibt es nach Angaben der DHL Group in Summe noch 31 Filialen. Stand Dezember gab es aus Sicht der Bundesnetzagentur keine Vakanz an einem Pflichtstandort – das war allerdings vor der Schließung der Bad Wildbader Filiale.
Nun sieht das anders aus: „Nach einer ersten Einschätzung geht die Bundesnetzagentur davon aus, dass die Stadt Bad Wildbad nach der Schließung der Filiale nicht mehr entsprechend den gesetzlichen Anforderungen mit Postfilialen versorgt ist“, erklärt Judith Henke, Pressesprecherin der Bundesnetzagentur, auf Anfrage unserer Redaktion.
Die Bundesnetzagentur habe daher zunächst eine Stellungnahme der Deutsche Post AG zur Versorgung der Stadt Bad Wildbad angefordert.
Was ist was? Postfilialen, Postagenturen, Verkaufspunkte und DHL-Shops: Ob und wie sie sich unterscheiden, das weiß Marc Mombauer, Pressesprecher der DHL Group in Stuttgart. „Postagenturen sind Postfilialen“, erklärt er. Dort wird das volle Programm angeboten. Die Bundesnetzagentur spricht deshalb auch von „Universaldienstfilialen“.
Dagegen gebe es in einem Verkaufspunkt ein sehr reduziertes Angebot postalischer Leistungen. „Beispielsweise ein Kiosk, der auch Briefmarken verkauft,“ erläutert Mombauer. In einem DHL-Shop liege der Fokus auf dem Paketgeschäft, in Sachen Briefe gibt es dort lediglich Briefmarken.
Normalerweise höchstens 2000 Meter weit weg
Wo muss es eine Post geben? „In zusammenhängend bebauten Wohngebieten mit mehr als 4000 Einwohnern ist grundsätzlich zu gewährleisten, dass eine Universaldienstfiliale (oder eine zugelassene Poststation) in höchstens 2000 Metern erreichbar ist“, erklärt Pressesprecherin Henke. Sie verweist dabei auf das Postgesetz. Allerdings könne im Einvernehmen mit der Gemeinde von dieser Regel abgewichen werden.
Wer betreibt die Niederlassungen? „Bei den Filialen, Paketshops und Verkaufspunkten kooperieren Deutsche Post und DHL bereits seit Mitte der 90er-Jahre erfolgreich mit Partnern“, berichtet Marc Mombauer. Diese Partner sind vor allem Einzelhändler, etwa Schreibwarenläden oder Lebensmittelgeschäfte. „Die Zusammenarbeit mit Partnern bringt spürbare Serviceverbesserungen für die Kunden“, meint er und nennt eine deutliche Erweiterung der Öffnungszeiten als Beispiel. Im Jahr 1990 seien Postfilialen durchschnittlich 18 Stunden in der Woche geöffnet gewesen. Heute seien es 55 Stunden.
Von der Zusammenarbeit mit der Post profitieren aus Sicht der DHL Group auch die Partner: „Das Angebot von Postdienstleistungen bringt dem örtlichen Einzelhandel Frequenz und damit zusätzliche Umsätze, weil Konsumenten neben den Postdienstleistungen auch andere Waren und Dienstleistungen erwerben.“ So leiste das Partner-Modell „auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Einzelhandels in den Städten und Gemeinden“.
Was ist eine Poststation? Doch es geht inzwischen auch ohne Partner. Bei den sogenannten Poststationen handelt es sich um eine Art großen, gelben Spind mit Schließfächern und Briefkasten, einen Automaten. Pakete können dorthin geliefert, von dort aber auch – genau wie Briefe – frankiert und abgeschickt werden. Dies rund um die Uhr.
Im Landkreis Calw gibt es bisher eine solche Poststation. Sie steht in der Wildbader Straße 51 in Oberreichenbach. In Einzelfällen kann die Bundesnetzagentur sie als einer Filiale gleichwertig zulassen. Dies ist beim Oberreichenbacher Exemplar aber nicht der Fall. Eine weitere Poststation ist für den Landkreis bisher nicht geplant.
Briefmarken gibt es auch im Internet und per App
Wie nah ist die Post digital? „Deutschlandweit erreichen über die Hälfte aller Haushalte eine Verkaufs- beziehungsweise Paketannahmestelle in weniger als 500 Metern“, berichtet der Sprecher der DHL Group. In ländlichen Regionen wie dem Kreis Calw sieht das freilich anders aus. Auch deshalb verweist Marc Mombauer auf die digitalen Angebote: Kunden können online oder in der „Post & DHL App“ eine Paketmarke kaufen und ihrem Zusteller ein frankiertes Paket mitgeben, wenn dieser das nächste Mal die Post bringt.
Wie hat sich die Zahl der Filialen entwickelt? Laut Bundesnetzagentur gab es im Jahr 2019 im Kreis Calw noch 35 Postfilialen. Die DHL Group nennt dagegen nur Zahlen für Baden-Württemberg. Demnach gab es 2008 landesweit 1772 Partnerfilialen, 2023 waren es 1760. DHL-Paketshops gab es 2008 noch keine, 2023 waren es 1033. 2008 existierten im Südwesten 236 Verkaufspunkte, 15 Jahre später dann 321. Packstationen waren es 2023 in Summe 1629, 2008 lediglich 93. Die Zahl der Postbank-Filialen ist im selben Zeitraum dagegen gesunken: Von 92 auf 61. Gleichwohl betont Mombauer, dass in Summe die Touchpoints – im Fall der Post also die unterschiedlichen Verkaufsstellen – im genannten Zeitraum um mehr als 2600 gestiegen ist: von 2193 im Jahr 2008 auf 4804 (2023).
Überhaupt sei das Filialgeschäft sehr dynamisch. Das könnte den Bad Wildbadern Hoffnung machen: In Bad Liebenzell etwa ist es innerhalb kurzer Zeit gelungen, nach der Schließung der bisherigen Filiale zum 31. Dezember einen neuen Partner zu finden – seit 22. Januar ist die Post im Bad Liebenzeller Kiosk daheim.