Der Waschbär ist in Teilen des Schwarzwald-Baar-Kreises bereits verbreitet. (Symbolfoto) Foto: Britta Pedersen/dpa

Der Waschbär breitet sich im Schwarzwald-Baar-Kreis aus. Das Landratsamt erklärt, was im Umgang mit dem Tier zu beachten ist.

Er ist flauschig, sieht aus, als trage er eine Maske, und gilt als hochintelligenter Räuber: der Waschbär. Doch das auf den ersten Blick possierliche Tier reiht sich neben Riesen-Bärenklau, Staudenknöterich, Asiatischer Hornisse und Tigermücke in die Liste der invasiven Arten im Schwarzwald-Baar-Kreis ein.

 

Inzwischen ist er in Teilen des Landkreises verbreitet, wie Heike Frank, Pressesprecherin des Landratsamts Schwarzwald-Baar-Kreis, auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt. Eine Einschätzung der Populationsgröße für die Region sei leider nicht möglich – Tendenz jedoch stark zunehmend.

Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika und kam in den 1920/30er-Jahren nach Deutschland, insbesondere für die Haltung in Pelztierfarmen, so Frank. 1934 wurden am Edersee in Hessen Waschbären gezielt angesiedelt, 1945 entkamen weitere Tiere aus einer Farm in Brandenburg. Seitdem breiten sich die Waschbären in Baden-Württemberg aus: „Das Ausbreitungspotenzial ist sehr hoch; eine Vielzahl von Lebensräumen wird besiedelt“, schreibt das Landratsamt.

Der Waschbär fühle sich besonders entlang von Bachläufen mit Misch- und Laubwald wohl, erklärt die Pressesprecherin. Den Tag verbringen die Tiere in der Regel in schwer zugänglichen Baum- oder Felshöhlen, bevor sie in der Dämmerung aktiv werden. In manchen Gebieten verstecken sie sich auch gerne in verlassenen Gebäuden, Scheunen, Dachböden oder Schuppen. Der Waschbär zählt zu den Raubtieren, ist aber ein sehr anpassungsfähiger Allesfresser: Neben Insekten, Würmern, Fischen, Amphibien, Samen und Früchten freut sich der Waschbär bei einem knappen Nahrungsangebot auch über Essensreste im Müll, Fallobst oder Katzenfutter – und kommt den Siedlungen damit immer näher.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis fallen Waschbären vor allem durch Besuche in Gärten auf. Erst kürzlich berichtete Stadtjäger Hauger von sechs Waschbären, die sich in einem Garten in VS-Obereschach getummelt haben sollen. In den Gärten vergreifen sich die Allesfresser gerne an Obstbäumen. Probleme innerhalb von Gebäuden – zum Beispiel auf Dachböden – seien dem Landratsamt bisher nicht bekannt, so Frank.

Übertragung von Krankheiten

Waschbären können Krankheitserreger übertragen, die für andere Wildtiere sowie für Nutz- und Haustiere gefährlich sein können – darunter Staupe, die besonders für Hunde riskant ist, Räude, Leptospirose oder der Waschbärspülwurm. Durch seinen großen Speiseplan geht vom Waschbär zudem ein hohes ökologisches Schadenspotenzial aus, wie aus dem Wildtierbericht 2024 des Landes Baden-Württemberg hervorgeht. Er vergreift sich auch an Eiern oder Jungvögeln, was vor allem bei vom Aussterben bedrohten Tierarten problematisch ist.

Um zu vermeiden, dass sich ein Waschbär im eigenen Garten heimisch fühlt, empfiehlt das Landratsamt eine Reihe von präventiven Maßnahmen. Speisereste sollten demnach nicht auf dem Kompost entsorgt werden, Haustiere nicht draußen gefüttert und die Mülltonnen gut abgesichert werden. Katzenklappen sollten nachts verschlossen oder über einen Chip gesteuert werden, Äste und Gehölze mindestens einen Meter vom Gebäude entfernt abgeschnitten, und am Schornstein sollte ein starkes Gitter angebracht werden. Des Weiteren empfiehlt das Landratsamt, die Hausfassade und das Fallrohr mit Manschetten abzusichern und Löcher am Haus oder Dach zu verschließen. „Stacheldraht wird eher als Kletterhilfe genutzt“, erklärt Frank.

Das sollte man beachten

Taucht ein Waschbär dennoch im eigenen Garten auf, gilt: nicht füttern, nicht anfassen, nicht eigenmächtig einfangen und nicht in die Enge treiben. Hilfe gibt es unter anderem beim Wildtierbeauftragten oder der Tierrettung Südbaden.

In Baden-Württemberg darf der Waschbär – vorbehaltlich des Elterntierschutzes – ganzjährig bejagt werden. „In befriedeten Bezirken ruht grundsätzlich die Jagd. Ausnahmen sind unter bestimmten Bedingungen möglich“, so Frank abschließend.