Eine Schulsozialarbeiterin wird ab September das Kollegium an der Karl-Person-Schule unterstützen. Foto: Archiv

Handfeste Auseinandersetzungen, Kinder mit Förderbedarf und ausgelastete Lehrer: Das bislang gute Klima an der Karl-Person-Schule in Ringsheim gerät ins Schwanken. Eine Schulsozialarbeiterin soll ab September Abhilfe schaffen.

Beinahe jede Stadt und Gemeinde im Ortenaukreis beschäftigt an ihren Schulen Sozialarbeiter. Ringsheim gehört bislang nicht dazu. Dass dies jedoch nötig wäre, machte Alexander Brucher den Gemeinderäten deutlich. „Dass die Schulsozialarbeit auch bei uns Thema wird, war bereits in den vergangenen Jahren klar“, erklärte der Direktor der Karl-Person-Grundschule. „Die gesellschaftliche Not verschärft sich und diese angespannte Stimmung schleicht sich auch in die Klassenräume“, beschrieb Brucher.

 

Deutlich wird dieser Wandel laut dem Schulleiter im gegenseitigen Umgang der Kinder. „Die Konflikte werden anders ausgetragen, die Sprache verändert sich und die Bereitschaft zur Gewalt ist größer. Es gibt immer mehr körperliche Auseinandersetzungen.“ Demnach gebe es in jeder der vier Klassen drei bis vier Schüler mit „extremem Förderungsbedarf“. Brucher erklärte: „Wir sind bekannt für unser gutes Schulklima. Doch wir haben die berechtigte Sorge, dass es im Moment ein wenig ins Schwanken gerät.“

Gemeinde hat bereits gute Erfahrungen mit dem Träger gemacht

Um dem entgegenzuwirken, soll das Kollegium ab September um einen Schulsozialarbeiter in Teilzeit erweitert werden. Dessen Träger soll die AWO Ortenau werden. „Wir haben schon viele gute Erfahrungen gemacht“, begründete Hauptamtsleiterin Helena Gutbrod. Man sei im Gespräch und habe eine Mitarbeiterin in Aussicht, die derzeit bereits in Kippenheim als Schulsozialarbeiterin tätig sei. „Sie ist sehr qualifiziert, gerade im Aufbau und Leitung von Schulsozialarbeit. Somit wären die Voraussetzung aus Sicht der Verwaltung optimal“, so Gutbrod.

Die 37,5-Prozent-Stelle würde die Gemeinde rund 25 000 Euro pro Jahr kosten. „Das ist gut angelegtes Geld“, war aus dem Gremium zu hören. Demnach würden am Ende alle Kinder einen Vorteil daraus ziehen. „Es ist gut, dass die AWO-Mitarbeiterin angestellt wird und eine Bindeglied für Kinder ist, die Probleme haben“, so Ruth Volz (SPD).

Schulsozialarbeiterin wird ab September im Einsatz sein

Das sah auch Bürgermeister Pascal Weber: „Wir haben hier eine gut funktionierende Schule mit knapp 100 Kindern. Sie erhalten dort die Basis und ein bestmögliches Paket für ihren weiteren Weg – und die Schulsozialarbeit ist dafür ein wichtiger Baustein. Wir wollen eine gute Schule gut halten. Wir brauchen das Angebot – davon bin ich überzeugt.“

Dieser Meinung schlossen sich seine Ratskollegen an und stimmten ohne Einwände für die Pläne der Verwaltung. Die Sonderpädagogin wird demnach ab nächstem Schuljahr im Einsatz sein.

Info – Die Aufgaben und Ziele

Das Angebot der Schulsozialarbeit richtet sich an alle Schüler sowie an die Menschen, die direkt oder indirekt mit dem System Schule konfrontiert sind, heißt es in den Sitzungsunterlagen der Gemeinde Ringsheim. Dazu gehören die Lehrkräfte, die Eltern und Familien, aber auch Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Zu den Zielen gehören unter anderem die Förderung der psychosozialen Entwicklung der Schüler und die soziale Integration benachteiligter oder beeinträchtigter Schüler. Die Schulsozialarbeit soll Kinder und Jugendliche vor gefährdenden Einflüssen schützen. Wesentlich hierbei ist zum einen, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Eigenverantwortung und Kritikfähigkeit zu stärken, zum anderen aber auch die Eltern und Erziehungsberechtigten bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsleistung zu unterstützen, heißt es weiter.