Tugce Raife Ünal Atik kämpft um das Überlebend er traditionsreichen Villinger Reinigung Heinzmann. Der Brand in der Goldgrubengasse hat für große Schäden bei ihr gesorgt. Foto: Marc Eich

Der Brand hat die Villinger Reinigung Heinzmann ruiniert, doch Aufgeben ist keine Option. Warum Tugce Raife Ünal Atik jetzt auf Hilfe aus der Bevölkerung setzt.

Tugce Raife Ünal Atik steht in den Räumen der altehrwürdigen Reinigung Heinzmann in der Niederen Straße. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen, immer direkt – und immer mit viel Herz. So kennt man die 37-Jährige hier in der Innenstadt. Und so soll es bleiben.

 

 Doch: Ihre Selbstständigkeit und ein traditionsreiches Geschäft der Villinger Innenstadt hängen am seidenen Faden. Schuld daran ist der Großbrand in der Goldgrubengasse. Ihre Reinigung, die erst kürzlich 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, hat dabei Schaden genommen.

Die Flammen griffen auf die Gaube des Hauses über – die Feuerwehr konnte dann aber Schlimmeres verhindern. Nicht zu verhindern war, dass die unfassbare Hitze der Flammen ihre Scheiben am Lieferanteneingang zerspringen ließ. Rauch drang ein. Auch Löschwasser sorgte für Schäden. Das Geschäft musste zwischenzeitlich schließen.

Für die Reinigung der verrauchten Textilien musste die gebürtige Villingerin zunächst ein Unternehmen suchen, fündig wurde sie im Großraum Stuttgart. Mit den Dienstleistern arbeitet sie bis heute zusammen. Denn an einen Betrieb in ihren Räumen ist vorerst nicht zu denken.

Keines ihrer Geräte ist noch nutzbar

Die Bestandsaufnahme mit Gutachter brachte die traurige Gewissheit: Kein einziges der Geräte in der Wäscherei funktioniert mehr. Dampfleitungen sind beschädigt worden, die Platinen der Geräte sind defekt – das heißt: Waschmaschinen, Trockner und auch chemische Reinigungsmaschinen müssen ersetzt werden. Ganz zu schweigen von den Schäden, die ohnehin in die Jahre gekommenen Räume samt der Installationen. „Wir wollten eigentlich nach und nach einiges ersetzen“, erklärt sie.

An einen Wäschereibetrieb ist bei der Reinigung Heinzmann derzeit nicht zu denken. Foto: Marc Eich

Und jetzt steht sie da – zwischen defekten Maschinen und der Frage nach der Zukunft. Ein Umzug? Nicht mit ihr. Aufgeben? Sowieso nicht! Doch warum? Tugce Raife Ünal Atik holt aus, um diesen unbändigen Willen zu erklären, den sie aufbringt, um die Reinigung Heinzmann an Ort und Stelle wieder aufzubauen.

Große Verbundenheit mit dem Unternehmen

Da wäre in erster Linie die große Verbundenheit mit dem traditionsreichen Unternehmen, die tiefe Dankbarkeit an Gründer Ewald Heinzmann und ihrer Vorgängerin Elisabeth Müller, von der sie den Betrieb 2022 übernahm. Die Reinigung ist hier tief verwurzelt – soll es dort auch bleiben. Mit einem Umzug würde die Reinigung ihre Seele verlieren. „Ich kann und will mich nicht von hier lösen.“

Nicht zuletzt steckte die 37-Jährige seit der Übernahme einiges an Geld und auch an Aufwand in den Betrieb, um weitere Kunden zu akquirieren, die Dienstleistungen zu erweitern und ebenso die Wirtschaftlichkeit zu überdenken. Immer mit der Unterstützung ihrer Familie und des Teams.

2016 schnupperte sie in den Betrieb hinein

Sie hat an den Preisen geschraubt – um eine Reinigung auch weiterhin der breiten Bevölkerung zu ermöglichen. Natürlich ohne dabei die Qualität außer Acht zu lassen. „Unsere Kunden vertrauen uns ihre teuren Teile und Erbstücke an – weil wir vieles von Hand machen“, so Ünal Atik.

Die Hitze des Großbrandes hat die Scheiben am Lieferanteneingang der Reinigung zerstört. Foto: Marc Eich

Bereits 2016 schnupperte sie in den Betrieb hinein – als Quereinsteigerin ließ sie sich in die Kunst des Bügelns einlernen. Sie machte zuvor ihre Ausbildung in der Paradiesapotheke („Seitdem ist das hier mein Viertel“), arbeitete dann im Schwarzwald-Baar-Klinikum und zuletzt im Bereich des Qualitätsmanagements einer Praxis. Dann kam der Schritt in die Selbstständigkeit.

Fast eine Million Euro sind notwendig

In ihrer Familie – die Großeltern kamen in den 50er-Jahren nach Deutschland – sei es ihr immer vorgelebt worden, zu arbeiten. Insbesondere von ihrem Großvater und ihrem Vater („Mein Vater hat sich alles selbst aufgebaut“) habe sie jene Werte mitgenommen, die sie nun weiter antreiben: für die eigene Existenz zu kämpfen.

980 000 Euro sind notwendig, um die Reinigung an Ort und Stelle nach den heutigen baulichen und sicherheitstechnischen Auflagen zu sichern. Von ihrer Versicherung werde nur ein Teil abgedeckt – auch deshalb, weil die Maschinen infolge der Inflation teuer geworden sind. Die verbliebenen 380 000 Euro versucht die 37-Jährige nun über eine Spendenaktion auf der Plattform GoFundMe zu generieren.

„Diese Kampagne ist kein Hilferuf aus Schwäche, sondern ein Zeichen von Hoffnung und Mut“, macht Ünal Atik deutlich. Und für sie ist klar: „Dieser Kampf wird gewonnen – koste es, was es wolle.“