Roger Rauch ist Imker aus Leidenschaft. Doch die Bienenvölker sind bedroht. Foto: Merk

Honigbienen leisten über 90 Prozent der Bestäubung in Deutschland. Doch invasive Arten wie die asiatische Hornisse setzen ihnen zu. Was ein Imker aus Vöhringen Gartenbesitzer rät.

„Riechen Sie das auch?“, fragt Roger Rauch, als er die Tür seines Bienenstandes bei Vöhringen öffnet. Der angenehm süßliche Duft der Waben dringt einem in die Nase, und das Brummen der fleißigen Insekten ans Ohr.

 

Rauch ist Imker aus Leidenschaft. Seinem Großvater habe er schon früh über die Schulter schauen dürfen. Mit zwölf Jahren fing er selbst an, aktiv zu werden, und mit 14 absolvierte er den Imkerkurs. Als erster Vorsitzender des Imkervereins Sulz gibt er diese Passion nun weiter.

Es gibt viele Imkerinnen

Der Verein hatte im vergangenen Jahr einen großen Generationswechsel zu bewältigen. Rauch ist stolz, dass sich die Vorstandschaft ohne Probleme „verjüngt“ habe. Außerdem habe sich die Zahl der weiblichen Mitglieder stark erhöht und mache nun die Hälfte aus. Das Interesse von Frauen an der Imkerei sei mindestens genauso hoch wie bei Männern.

Insgesamt sind 76 Mitglieder aus Dornhan, Sulz und Vöhringen aktiv. Zusammen betreuen sie 504 Bienenvölker. Die Vereinsmitgliedschaft biete neben dem Austausch mit Gleichgesinnten und der Lobbyarbeit des Verbandes auch automatisch eine Unfall-, Haftpflicht- und Vandalismusversicherung.

Neue Fehlerkultur etabliert

Man unterstütze sich gegenseitig – zum Beispiel als Urlaubsvertretung. Über das Smartphone könnten in der Gruppe auch schnell kleine oder große Herausforderungen gemeinsam gelöst werden. Das sei ein Unterschied zu früher, als die meisten Imker niemanden Fremden auf den eigenen Bienenstand ließen.

„Die alten Imker haben viel zugehört, aber nie etwas von sich preisgegeben“, beschreibt er schmunzelnd den Generationenunterschied der letzten 15 Jahre. Damals sei es als Jungimker deutlich schwerer gewesen Fehler zu vermeiden, denn diese habe keiner zugegeben.

Fokus auf asiatische Hornisse

So ein Volk bestehe aus circa 50 000 bis 60 000 Bienen. Die Lebensdauer eines einzelnen Insekts liege in etwa bei sechs Wochen. Wobei es in der ersten Hälfte ihres Lebens im Bienenstock den Nektar in Honig umwandelt und in der zweiten selber zum Sammeln ausfliegt. Die Honigbienen sind zu 90 Prozent für die hiesige Bestäubung verantwortlich. Den Rest übernehmen die Wildbienen.

Ein besonderes Anliegen ist es dem 52-Jährigen, auf die asiatischen Hornisse aufmerksam zu machen. Diese ist zwar für den Menschen nicht gefährlicher als Wespen oder heimische Hornissenarten. Aber sie bedrohen die Artenvielfalt – und vor allem die Honigbienen.

Garten der Natur überlassen

Ein Nest dieser invasiven Art ohne natürliche Fressfeinde könne bis zu 1500 Honigbienen am Tag vertilgen. Das ist für ein Volk, das auf circa 50 000 Bienen kommt, fatal. Deshalb sei es so wichtig, ein Nest der asiatischen Hornisse gleich beim zuständigen Landratsamt zu melden.

Wenn man der Umwelt und speziell den Bienen etwas Gutes tun wolle, solle man im eigenen Garten ein Stück der Natur überlassen. Dies entspreche zwar nicht der „schwäbischen“ Gründlichkeit, würde aber der Insektenwelt sehr zugutekommen. Auch von Mährobotern hält er wenig, denn da habe keine Blüte eine Chance.

Guter Honig hat seinen Preis

Die Klimaveränderung spüren auch die Bienen, vor allem durch die veränderte Blütezeit. Das Bienenvolk müsse in den ersten Monaten zunächst wachsen und könne deshalb auch weniger Pollen sammeln. Zum Beispiel blühe der Raps immer früher.

Wenn man einen qualitativ hochwertigen Honig haben wolle, beginne dieser preislich bei mindestens fünf Euro. Wenn er günstiger angeboten wird, sei er meistens mit Sirup aufgemischt. Durch die Imkerei werde man nicht reich, denn viele Arbeitsstunden investiere man in seine Völker.

Doch Rauch sagt mit einem Lachen, dass er sehr gerne zur Arbeit und zu seinen Bienen gehe und deshalb „keine einzige Stunde am Tag muss“. Denn von den kleinen Insekten und ihrem faszinierenden Leben könne er stundenlang erzählen. Ein Satz fasse für ihn das gut zusammen: „Willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen.“