Asiatische Hornissen sind kleiner als Europäische – greifen bei Bedrohung aber auch häufiger an. (Symbolbild) Foto: dpa/Boris Roessler

Asiatische Hornissen gelten als aggressiver als europäische, greifen bei Bedrohung häufiger an. Imkerin Karin Kusian erklärt, wo sie bislang gesichtet wurden und was zu beachten gilt.

Sie sind dunkler als die europäische Art, haben gelbe oder orange-gelbe Binden auf dem Hinterleib, ihre Beine sind gelblich – Asiatische Hornissen sorgen seit Monaten in Deutschland für Aufsehen.

 

In verschiedenen Städten wurden sie bereits gesichtet – wie sieht es in der Bergstadt aus? Und stellen sie eine besondere Gefahr für einheimische Insekten dar? Karin Kusian, erste Vorsitzende des Imkervereins St. Georgen, erklärt, was bei den besonderen Zugezogenen zu beachten gilt.

Klarer Rat: Hilfe suchen statt Alleingang

„Bisher ist die Asiatische Hornisse meines Wissens noch nicht in St. Georgen gesichtet worden. Im letzten Jahr sind Nester in Tennenbronn gefunden worden, daher sind wir in unserem Verein bereits aufmerksam“, berichtet Kusian, „Im letzten Jahr fanden sich an meinem Locktopf die Europäische Hornisse und die Mittlere Wespe ein. Beide Arten sind friedfertig und stehen wie alle heimischen Wespenarten unter Naturschutz.“

Wer sich nicht sicher ist, ob er eine Asiatische Hornisse gesichtet hat, dem empfiehlt Kusian, ein Foto zu machen und über die „Meine Umwelt-App“ zu melden und verifizieren zu lassen. Handelt es sich tatsächlich um die besondere Art, kriegt man eine Liste ausgebildeter Nestentferner zugeschickt, mit denen man sich in Verbindung setzen kann.

„Niemals sollte jemand versuchen allein ein Nest der Vespa velutina, vor allem im Sommer ein großes Sekundärnest, zu entfernen. Immer melden und von speziell ausgebildeten Personen durchführen lassen. Oft sind die Nester in sehr großer Höhe in Bäumen. Sie können aber auch in Hecken angelegt sein. Wenn die Tiere während eines Heckenschnitts gestört werden verteidigen sie ihr Nest, und zwar sehr aggressiv. Ein Einzeltier reagiert nicht aggressiv, wie bei unserer Honigbiene auch“, betont die Imkerin. „Im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es mehrere ausgebildete Hornissenfachberater, wie Miriam Wahr und Ralf Claaßen“, fügt sie noch hinzu.

Nicht die einzige Gefahr für Bienen

Wie Kusian erklärt, zeigen aktuelle Untersuchungen, dass die Asiatische Hornisse zwar Bienenvölker erheblich schädigen kann, dennoch nicht für den Verlust allein verantwortlich ist. „Die Hauptgründe sind die Varroamilbe und die Amerikanische Faulbrut, diese Erkrankungen sind jedem Imker bekannt“, führt sie weiter aus.

Mehr als 1400 Insektenarten im Magen

Inwiefern andere Insektenarten, wie Wildbienen, Schmetterlinge, Fliegen, Wespen und weitere Arten, die zum Beutespektrum gehören, in ihrem Bestand gefährdet sind, kann nicht gesagt werden – dazu gebe es bisher keine wissenschaftlichen Auswertungen, so Kusian. In den Mägen der Larven wurden mehr als 1400 unterschiedliche Insektenarten gefunden. Ein Volk der Vespa velutina verbraucht durchschnittlich 11,3 Kilogramm Lebendgewicht Insekten, das den heimischen Arten, auch den Singvögeln fehlt.

Wer sich mit dem Thema noch mehr befassen möchte, kann Aus- und Weiterbildungen von Ansprechpersonen und Nestentfernern besuchen, alles auf ehrenamtlicher Basis. „Ein Imker kann nämlich mit seinen Völkern abwandern, wenn diese von der Vespa velutina angeflogen werden, ein Pflanzenbauer kann nicht ausweichen, ein Gartenbauer kann beim Heckenschnitt ebenfalls bei seiner Arbeit böse überrascht werden“, erklärt Kusian.

Auch Nichtimker müssen wachsam sein

Doch wo halten sich die Asiatischen Hornissen am ehesten auf? Die Primärnester finden sich nicht nur in Hecken, sagt Kusian, sondern sie sind häufig in Menschennähe im urbanen Raum, an Balkonen, Schuppen und in Gartenboxen zu finden. „Die Vespa velutina muss weiterhin eingedämmt werden, daher ist es wichtig, dass auch Nichtimker aufmerksam gemacht werden und bei der Sichtung und Meldung mitwirken“, ruft sie auf.

Abschließend sagt die Imkerin:„Aktive Nestentferner berichten immer wieder, dass die Tiere und ihre gebauten Nester an sich absolut schön und faszinierend sind. Auch wenn die Völker abgetötet werden, verdienen die Tiere unseren Respekt, denn die Natur hat einzigartige Geschöpfe hervorgebracht.“