Es ist noch keine im Raum Haigerloch gesichtet worden, aber die zunehmende Ausbreitung der asiatischen Hornisse erfüllt die Bienenfreunde mit großer Sorge.
Der Vorsitzende des Haigerlocher Imkervereins, Michael Zubke und sein seit über 50 Jahren als Imker tätiger Kollege Thomas Klingler aus Hart sind beunruhigt. Auch eine Karte der Landesanstalt für Umwelt zeigt es ganz deutlich: Von der westlichen Grenze Baden-Württembergs her breitet sich die Asiatische Hornisse immer mehr in östlicher Richtung aus.
„Im vergangenen Jahr sind Asiatische Hornissen bereits in Rangendingen oder Bodelshausen gesichtet worden“, erklärt Zubke. Sollte es der gebietsfremden Art gelingen, sich gegen die Europäische Hornisse durchzusetzen, stellt sie für die Imker und ihre Bienenvölker eine echte Bedrohung dar.
Die Asiatische Hornisse stammt ursprünglich aus Südostasien und ist vermutlich über Schiffs- und Warenverkehr im Jahr 2014 nach Südfrankreich gekommen. Von dort aus hat sie sich immer mehr ausgebreitet.
Im Frühjahr startet eine einzige befruchtete Königin mit einem kleinen Primärnest. Daraus entwickelt sich dann bis zum Spätsommer ein Sekundärnest mit bis zu 2000 Hornissen. Die Nester hängen oft vier bis sechs Meter über dem Boden in Bäumen. Deswegen würden sie leider häufig erst entdeckt, wenn im Herbst die Blätter fallen, so Thomas Klingler. An Gebäuden finde man sie dagegen etwas leichter.
Insekten mit Killer-Instinkt
Und was ist an ihnen so gefährlich? Ganz einfach: ihr Appetit auf Honigbienen. Welche Bedrohung sie für diese darstellen, machen Klingler und Zubke an einem einfachen Rechenbeispiel deutlich. Nur eine einzige der spezialisierten Bienenjäger frisst an einem Tag bis zu 30 Bienen. Ein Nest mit 2000 Individuen könnte theoretisch also in weniger als 24 Stunden ein ganzes Bienenvolk mit einer Population von 30.000 bis 40.000 ausrotten. Und das auf fiese Art. Die Asiatischen Hornissen patrouillieren vor dem Bienenstock und fangen die heimkehrenden Bienen im Flug ab.
Dieser Killer-Instinkt hat noch ganz andere Konsequenzen: Bienen, die noch im Stock sind, trauen sich nicht mehr heraus. Deshalb gelangt auch zur Brutpflege benötigtes Eiweiß, welches Bienen auf ihren Ausflügen ebenfalls sammeln, nicht mehr in den Stock. Schließlich bricht das ganze Volk zusammen. Nicht nur für die Imkerei hätte so etwas schwerwiegende Konsequenzen, sondern auch für die Landwirtschaft (Fraßschäden), den Obstbau und die ganze Biodiversität.
Jedes gesichtete Nest melden
Wie aber kann man der Situation Herr werden? Ein schwieriges Unterfangen, räumt Thomas Klingler ein. Er hat sich über mehrere Internet-Seminare über die Asiatische Hornisse und den Umgang mit ihr informiert und spezialisiert. Sich mit langen Lanzen ihren Nestern nähern und mit ihrer Hilfe Kohlenstaub oder heißen Dampf in die Wohnstätten der Hornissen hineinspritzen und sie damit tötet, ist wirksam.
Aber dafür braucht es auch eine gute Ausrüstung „Ein normaler Imkeranzug schützt da nicht“, so Klingler. Das Problem für Imker wie ihn: Eine passende Ausrüstung kostet rund 4000 Euro und die müssten aus eigener Tasche bezahlt werden. Einen Zuschuss gibt es dafür nämlich nicht, weil die Asiatische Hornisse laut Thomas Klingler nicht mehr als invasive Art eingestuft ist.
Vorsicht: Nest nicht selber entfernen
Entscheidend, so ergänzt Michael Zubke, sei letztendlich das Erkennen und Melden eines Nestes. „Jede bestätigte Sichtung hilft, die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse zu bremsen“, so der Vereinschef. Aus einem Nest können laut Thomas Klingler nämlich im Folgejahr 200 bis 300 Nester entstehen.
Keinesfalls sollte ein Nest auf eigene Faust entfernt werden. Die Stiche von asiatischen Hornissen sind zwar nicht gefährlicher als die anderer Hautflügler, Asiatische Hornissen reagieren aber deutlich aggressiver als zum Beispiel Wespen, wenn man sich ihren Nestern nähert. Deren Entfernung solle man also lieber Fachleuten überlassen.
So unterscheiden sich die Hornissen.
Wie kann
man eine Asiatische von einer Europäischen Hornisse eigentlich unterscheiden? Asiatische Hornissen hab eine eher schwarze Grundfärbung und ihr Hinterleib ist orange, während Europäische Hornissen heller sind. Ihr Hinterleib ist gelb und die Beine rotbraun. Außerdem sitzt bei den geschützten Europäischen Hornissen das Einflugloch unten am Nest während an einem Nest Asiatischer Hornissen das Einflugloch seitlich liegt.
Wer ein Nest
entdeckt hat, sollte aus einem Sicherheitsabstand heraus Fotos machen und den Standort notieren.
Sichtungen
kann man dann unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden weitergeben.