Robert Kärcher ist erst 25 Jahre alt, kann aber schon auf viele Jahre Erfahrung als Imker und Mitglied des Bienenzüchtervereins Schwenningen zurückblicken Foto: Heinig

Als Kind sah er einen Film über das Bienensterben. Da wusste Robert Kärcher, dass er sich diesen faszinierenden Wesen nähern musste.

VS-Schwenningen - Mit zehn Jahren schaute er einem befreundeten Imker bereits regelmäßig über die Schulter, mit 14 besaß er sein erstes Bienenvolk. Heute ist er Bienensachverständiger für den Schwarzwald-Baar-Kreis.

Er studiert Jura

Robert Kärcher ist erst 25 Jahre alt, kann aber schon auf viele Jahre Erfahrung als Imker und Mitglied des Bienenzüchtervereins Schwenningen zurückblicken. Nach der Mittleren Reife an der Georg-Müller-Schule und dem Abitur 2016 am Technischen Gymnasium war er aufgrund seiner vielfältigen Interessen unschlüssig, welchen Berufsweg er einschlagen sollte. Handwerklich mit Holz arbeiten? Lehrer für Physik, Naturwissenschaften, Technik und Religion werden? Die Wahl fiel schließlich auf Jura. Im nächsten Jahr wird Robert Kärcher darin seinen Abschluss machen. Gerne würde er als Jurist bei einer der beiden großen Fernsehanstalten arbeiten, weil ihn auch der Journalismus reizt.

Viele Schwärme in der Stadtmauer

Vor gut zehn Jahren entdeckte er in einem Baum in der Nähe der Helios-Arena einen heimatlosen Bienenschwarm. Mit Hilfe aus dem Verein und mit einer Schwarmfangkiste sammelte er die Traube von Bienen ein und gab ihr ein zu Hause. Bienen beginnen zu schwärmen, wenn ihr "Bien" (das Volk) eine gewisse Größe überschreitet und sie eine neue Heimat für sich und ihre Königin suchen. Sie dann aus der Natur einsammeln und dazu sogar Privatgelände betreten zu dürfen, das ist erlaubt und sogar im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Robert Kärcher weiß: "In der Stadtmauer von Villingen sitzen ganz viele Schwärme."

Nur drei Völker überleben

Zuletzt besaß er 30 Völker. Das war im Herbst 2021. Im darauffolgenden Frühjahr erging es ihm, wie vielen Imkern nach dem letzten Winter: Nur drei seiner Biens hatten überlebt. Die regionsübergreifende Ursachenforschung unter den Imkern ergab keine stichhaltigen Beweise. Man gehe davon aus, dass die in der Bienenszene gefürchtete Varoa-Milbe und ein im vergangenen nassen Jahr zu geringes Pollenangebot den Insekten gemeinsam den Garaus machten. Robert Kärchers Ertrag sank von 52 auf fünf Kilogramm Honig.

Mehr Futter in der Natur

Den Futtermangel rechtzeitig festzustellen und mit Fütterung gegenzusteuern, das sei die Kunst des Imkerns, sagt er. Den Bienen wieder mehr Futter in der Natur anzubieten, dahin gegen bundesweit sogar die politischen Bestrebungen. Man hat erkannt, wie wichtig die Bestäubung durch Bienen bei der Nahrungssuche für die Lebensmittelproduktion ist. Landwirte wurden verpflichtet, fünf Prozent ihrer Flächen mit Blühmischungen für Insekten zu besäen. "Die Auswirkungen haben wir Imker tatsächlich positiv bemerkt", sagt Robert Kärcher. Den sogenannten "dritten Schnitt" bei der Maat auszulassen, das bleibe hingegen ein Wunschtraum, weiß er. Der werde als Tierfutter gebraucht.

Er will Bio-Imker werden

Den Verlust an Bienenvölkern nutzt der angehende Jurist derzeit für eine persönliche Zäsur. Zum einen habe er jetzt mehr Zeit für das nahende Examen, zum anderen werde er die Zertifizierung zum Bio-Imker anstreben. Freilich könne man einen Bienenflug nicht lenken und daher auch durch Standorte nur bedingt beeinflussen, von welchen Blüten sie ihre Pollen sammelt. Aber ein Bio-Imker verzichtet bei der Bekämpfung von Milben auf Insektizide und verwendet beim Bau des Bienenstocks, der sogenannten "Beute", ausschließlich unbehandeltes Holz. Das bisherige Wachs wird ausgetauscht und ein erneuter Naturwabenbau sowie die Vermehrung des Schwarms aus sich selbst heraus ermöglicht. Und schließlich besteht das Winterfutter aus Bio-Zucker.

Biene hat nichts von Fichtenpollen

Ab April begeben sich die Bienen auf Futtersuche. Der Raps blüht zuerst, dann die Wälder. Von den Fichtenpollen, die sich jüngst wie ein gelber Teppich über alles legten, hat die Biene nichts. Waldhonig entstehe durch das Aufsaugen der Absonderungen von Läusen, erklärt Kärcher. Die Sommerernte ergibt sich aus blühenden Blumen und im August kehren die Insekten noch einmal in den Wald zurück, wo das ertragreiche Bienenjahr sein Ende findet. Über die gefundenen Trachtquellen informieren sich die Tiere gegenseitig.

Ruhe, Wissen und Erfahrungen

Einmal wöchentlich schaut der Imker nach dem Rechten. Auch für Robert Kärcher eine arbeitsreiche Zeit, die er genießt. Er weiß, wie seine Bienen ticken, bei welcher Witterung sie nervöser als sonst sind, wann die Waben vom Honig befreit werden müssen und woran man Krankheiten erkennt. Ein guter Imker sei der, der sich seinen Völkern mit "Ruhe, Wissen und Erfahrung" nähert.

Bienen-Sachverständiger für den Kreis

Vor kurzem wurde Robert Kärcher zum Bienen-Sachverständigen für den Schwarzwald-Baar-Kreis und zum Nachfolger von Jörg Rapp berufen. Seine Aufgabe sei es, Gesundheitszeugnisse für Bienenvölker auszustellen, sagt er. Die werden notwendig, wenn Biens über die Kreisgrenzen hinaus versetzt werden, etwa bei einem Verkauf. Ausgeschlossen werden muss dabei vor allem die noch mehr als sie Varoa-Milbe gefürchtete amerikanische Faulbrut. Auch steht er Imkern mit Rat und Tat zur Seite. So wie alle seine erfahrenen Vereinskameraden. "An uns kann sich jeder Anfänger gerne wenden. Jetzt wäre der passende Einstieg", sagt er und verweist auf den vereinseigenen Lehrbienenstand "Auf Melben".