Nach über 36 Jahren hat Veronika Oestreich ihren legendären „Imbiss mit Herz“ in Bad Dürrheim an Danyal Kusoglu übergeben. Der Neue setzt auf Bewährtes – und Neues.
Sie ist und bleibt der Klassiker im „Imbiss mit Herz“: Die Currywurst mit Pommes ist hier nach wie vor der Renner und einfach nicht wegzudenken. Da sind sich Veronika Oestreich und Danyal Kusoglu absolut einig.
Sie, die sie bis vor einigen Wochen hier die unangefochtene Chefin war, und ihr Nachfolger als Betreiber des legendären Imbisses, sind sich sicher: Der Erfolg dieser kleinen Institution mitten im Bad Dürrheimer Gewerbegebiet steht und fällt mit diesem kulinarischen Evergreen – und damit, dass hier Vieles möglichst genau so bleibt, wie es schon immer war.
An diesem frühen Nachmittag – Danyal Kusoglu hat eben die letzten Kunden bedient, die sich ihr Mittagessen hier haben schmecken lassen – kehrt gerade etwas Ruhe ein, so dass Zeit für ein kleines Schwätzchen mit seiner Vorgängerin ist.
Dass sie vorbeikommt und schaut, wie es ihm ergeht, freut den Königsfelder. Von ihren Tipps, von ihrer jahrzehntelangen Erfahrung kann er aufs Beste profitieren – schließlich hat sie hier über 36 Jahre lang eine treue Stammkundschaft bedient, bevor sie ihm vor ein paar Wochen nach einer gewissen Einarbeitungszeit dann den Imbiss endgültig übergab.
Unter einer Bedingung
Das wiederum hatte Veronika Oestreich vor allem an eine Bedingung geknüpft: Dass er ihre Imbissklassiker von der roten Wurst über die Currywurst bis hin zur Frikadelle weiter im Repertoire behält und damit weiterhin die Kundschaft glücklich macht.
Für Danyal Kusoglu war das aber ohnehin eine Selbstverständlichkeit, wie er sagt. „Mir schmeckt’s selbst. Ich liebe Currywurst und Pommes“, sagt er, während er lächelnd die Theke nachwischt, „und mir macht es Spaß, das zuzubereiten.“ Sein Versprechen, insbesondere die Soßenrezeptur für die Currywurst beizubehalten, hat er eingelöst – und klar war für ihn auch von Anfang an, dass nur Wurst von einem regionalen Erzeuger – in diesem Fall von der Metzgerei Grötzinger in Schwenningen – in Frage kommt.
Mit einer Frau wurde es nichts
Eigentlich hatte sich Veronika Oestreich zwar eine Frau als Nachfolgerin gewünscht – daraus wurde aber aus diversen Gründen nichts. Letztlich fiel ihre Wahl auf Danyal Kusoglu auch deshalb, weil er viel Erfahrung aus der Branche mitbringt. Er hatte sich als ihr Nachfolger ganz offiziell beworben – „und sie hat mich genommen“, berichtet der neue Mann an Grill und Fritteuse fröhlich. Gemeinsam mit seinem Bruder hat er zuletzt den Kiosk mit Bistro und Café im Solara-Freibad in Königsfeld betrieben. Und nun ist er also mit seinem eigenen Imbiss am Start.
Treue Stammkunden
Auch wenn hier Tradition also weiter Trumpf bleibt, hat Danyal Kusoglu sich doch entschieden, behutsam auch ein paar neue Akzente zu setzen. So hat er jetzt zum Beispiel auch montags geöffnet und auch kleine Pizzen im Angebot – sehr zur Freude einer Kundin, die an diesem Nachmittag den Kopf in den Imbiss reinstreckt und sagt: „Machst du mir eine Margherita?“ Ob sie oft hierherkommt? „Klar“, sagt sie, und Veronika Oestreich nickt, sie kennt die junge Frau auch schon lange, hat ihr oft schon die Pommes vorbereitet, wenn sie sie von Weitem sah. „Sie hat keine lange Mittagspause“, sagt sie wissend, und die Kundin nickt, bei ihr muss es schnell gehen – und das klappt hier super, auch mit dem neuen Chef, wie sie sagt.
Das wiederum freut nun auch Veronika Oestreich. Für sie war der Abschied von den „vielen lieben Kunden“ sehr schwer, wie sie sagt, und ans Rentnerdasein muss sie sich erst noch gewöhnen. „Mir fällt es schwer, zuhause zu sein, mir fehlen die Leute“, bekennt sie, meint aber auch: Es war der richtige Zeitpunkt, den Imbiss mit Herz jetzt in neue Hände zu geben.