So groß wie in Frankfurt wird der Christopher Street Day in Albstadt nicht werden – aber die Organisatoren wollen der Veranstaltung Zeit und Raum zum Wachsen geben. Foto: dpa/Helmut Fricke

Ein Christopher Street Day wird in Albstadt am Freitag, 6. September, gefeiert – es ist der erste im Zolleralbkreis und die Vorfreude groß. Allerdings werde auch Hass im Netz gesät, berichten die Veranstalter von „Immerwaslos“ und den Jusos Zollernalb.

Größtenteils Jugendliche organisieren den ersten Christopher-Street-Day in Albstadt, um Solidarität und Unterstützung für die „LGBTQIA+“-Community zu zeigen. „Der CSD Albstadt soll ein Fest der Liebe, des Respekts und der Vielfalt sein, bei dem jeder Mensch so akzeptiert wird, wie er ist“, betonen die Veranstalter in einer Pressemitteilung.

 

Vor zehn Jahren sei der Versuch von kommerzieller Seite, einen CSD auf die Beine zu stellen, zwar gescheitert, doch nun sind die Organisatoren rund um die Jugendinitiative Immerwaslos und die Jusos Zollernalb guten Mutes, dass ihr Bestreben, alles ehrenamtlich und nichtkommerziell zu stemmen, sehr viel näher am tatsächlichen Bedarf der queeren Menschen im Zollernalbkreis ist: „Uns geht es nicht darum, ein größtmögliches Feuerwerk zu zünden“, betont Johanna Schmidt aus dem Organisationsteam. „Vielmehr wollen wir für die Community einen sicheren Raum und Sichtbarkeit schaffen.“

Vielfalt ist Trumpf beim CSD – das thematisiert auch die Werbung dafür. Foto: Immerwaslos/Jusos Zollernalb

Um 18.30 Uhr startet die offene CSD Kundgebung am Bürgerturm in Ebingen. Neben themenorientierten Redebeiträgen sind weitere Aktionen geplant, wobei es den Veranstaltern vor allem um Aufklärung geht. „Wir wollen ganz viele bunte, gut gelaunte Menschen aus dem ganzen Zollernalbkreis sehen“, sagt Amelia Wong vom Orgateam freudig.

„Willkommen, an dieser besonderen Kundgebung teilzunehmen und ein sichtbares Zeichen für eine offene und tolerante Gesellschaft zu setzen, sind alle“, so die Veranstalter. Nach der Kundgebung wird ab 20 Uhr die erste Queerparty als Bestandteil des CSD im KulTurm steigen. Der Eintritt ist zwar frei, allerdings stehen wegen der Größe und Belastbarkeit des Raums nur 160 Tickets zur Verfügung. Neben Musik, viel Licht, DJs, Getränken und Speisen sind Aktionen und viel Information geplant. „Von unseren Gästen erwarten wir auch hier nur jede Menge gute Laune, Akzeptanz und Toleranz“, sagt Johanna Schmidt.

Stadt und Citymanager helfen den Organisatoren

Die Stadt Albstadt nehme den CSD wohlwollend zur Kenntnis, und die Citymanagement Albstadt GmbH unterstütze ihn sogar direkt.

„Wir haben sehr gute und wohlwollende Gespräche mit der Verwaltung in Albstadt geführt und möchten, dass unser CSD zu einem festen Bestandteil der Region wird und dazu beiträgt, das Bewusstsein für Rechte und Bedürfnisse der LGBTQIA+-Community zu schärfen“, erklärt Peter Demmer, Vorsitzender des Vereins Immerwaslos, Diplom-Sozialpädagoge, Sozialarbeiter und einer der Hauptorganisatoren. „Es wird vielleicht jetzt beim ersten Mal noch nicht der größte und bunteste CSD aller Zeiten werden. Aber guten Ideen sollte man ja immer Raum und Zeit zum Wachsen geben“, meint er.

Johanna Schmidt (links) und Amelia Wong freuen sich trotz des hohen Organisationsaufwands auf den CSD vor der Haustüre. Foto: Demmer

Viel Zuspruch erhält das Organisationsteam, das maßgeblich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren besteht, auch online. „Viele positive und freudige Nachrichten erreichen uns über Instagram. Facebook ist da etwas schwieriger“, berichtet Johanna Schmidt. „Dort wurde schon ziemlicher Hass gesät und unser CSD verunglimpft, bevor überhaupt öffentlich war, was wir genau vorhaben. Es ist schon hanebüchen, was da teilweise für Quatsch die Runde macht“.

„Es geht einzig und allein um Akzeptanz“

Dominik Ochs, Balinger Stadtrat und zuständig für die technische Seite der Organisation, ist es wichtig, solchen Kommentaren Aufklärung entgegen zu setzen, zumal vor allem die Facebook-Kommentare deutlich machten, dass manche da etwas verwechselten: „Beim CSD geht es aber nicht ums Gendern oder darum, Pädophilie salonfähig zu machen, wie manche meinen, sondern einzig und allein um Akzeptanz.“

Um die Kundgebung und die Party zu schützen, stehen die Veranstalter im Kontakt mit der Polizei und mit CSD-Vertretern in anderen Landkreisen, von denen schon viele ihr Kommen zugesagt hätten, wie Ochs berichtet. Persönlich bedroht worden sei bisher keiner aus dem Organisationsteam, soweit Ochs weiß, „aber sollte es dazu kommen, werden wir natürlich Anzeige erstatten.“

Erst die coole Party – und dann weitere Pläne

Nun freuen er und seine Mitstreiter sich über die – vor allem auf Instagram geäußerte – positive Resonanz. Und auf den CSD selbst: „Wir machen jetzt erst einmal eine coole Veranstaltung, und dann sehen wir weiter“, betont er mit Blick auf künftige Aktivitäten. „Ich glaube schon, dass sich der CSD hier etablieren kann, denn trotz der konservativen Blase gibt es hier auch sehr viele progressive Leute.“

Mehr als 1969 in New York City

Der Christopher Street Day
  erinnert an die Ereignisse vom 28. Juni 1969 in der Christopher Street in New York City, als sich die LGBTQIA+-Community erstmals gegen staatliche Willkür und Diskriminierung zur Wehr setzte. Heute stehe der CSD weltweit für die Rechte und die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und anderen queeren Menschen, erläutern die Veranstalter des ersten Christopher Streets Days im Zollernalbkreis.

Weitere Informationen
 zur Veranstaltung finden Interessierte auf der Internetseite https://csd.albstadt.live oder auf Instagram unter CSD.Albstadt . Kundgebung und Queerparty