Das Zollernalb-Klinikum strukturiert die Notfallversorgung neu: Ab 1. April werden große Teile der Zentralen Notaufnahme am Standort Balingen konzentriert.
Die Beschwerden über die Zentrale Notaufnahme (ZNA) des Zollernalb-Klinikums am Standort Albstadt haben in den vergangenen Wochen und Monaten zugenommen. Personell sei die Situation zunehmend schwieriger geworden, berichtet Geschäftsführer Gerhard Hinger bei einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch am Montagnachmittag. Daher habe der Aufsichtsrat des Zollernalb-Klinikums bei einer außerordentlichen Sitzung am Mittwoch vergangener Woche entschieden, die Struktur der Zentralen Notfallversorgung an den beiden Klinikstandorten im Zollernalbkreis neu aufzustellen.
Demnach wird die Zentrale Notfallversorgung ab dem 1. April dieses Jahres auf den Standort Balingen konzentriert. Dort sollen die personellen Kapazitäten stabilisiert und ausgebaut werden. In Albstadt hingegen wird ab April lediglich eine internistische Notfallversorgung aufrechterhalten. Heißt: Dort werden Patienten mit Schlaganfall (Stroke-Unit), Herzinfarkten und pneumologischen Erkrankungen, sprich die Lunge betreffende Notfälle, behandelt. In den nächsten rund sechs Wochen solle die Umstrukturierung der Zentralen Notfallversorgung vollzogen sein.
Personelle Konsequenzen
Die Entscheidung des Aufsichtsrats hat auch personelle Konsequenzen für den bisherigen Chefarzt der Zentralen Notaufnahme in Albstadt. Ihm wurde ordentlich gekündigt. Nachdem er seine „noch zu erledigenden ärztlichen Tätigkeiten abgeschlossen habe“, sei er von seinen Pflichten entbunden. Wichtig war Klinik-Chef Hinger zu betonen, dass es sich nicht um eine fristlose Kündigung handele, wie einem anderen Medienbericht zu entnehmen war. Ein korrekter Umgang mit dem Betroffenen in dieser Sache liege ihm auch hinsichtlich der beruflichen Zukunft des Freigestellten am Herzen.
Landrat Günther-Martin Pauli, zeitgleich Aufsichtsratsvorsitzender des Zollernalb-Klinikums, erklärte beim Pressegespräch, dass es in der heutigen Zeit eine „besondere Herausforderung“ sei, eine Notfallversorgung – wohlgemerkt rund um die Uhr – an zwei Standorten in einem Landkreis aufrechtzuerhalten. Die Verantwortlichen hatten gehofft, diese Struktur bis zur Inbetriebnahme des Zentralklinikums halten zu können. Die jüngsten Entwicklungen hätten dies aber nicht zugelassen. Pauli und auch Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer sehen die jetzige Entscheidung auch als Bestätigung für den Bau des Zentralklinikums bei Dürrwangen an.
Vertrauen nicht mehr vorhanden
Roland Tralmer trägt die Entscheidung, dass die Notaufnahme in weiten Teilen nach Balingen abwandert, mit. Von einem Ausbluten den Albstädter Klinikstandorts distanziert er sich ausdrücklich: „Oberste Priorität hat, dass das Gesamtklinikum das Vertrauen der Bevölkerung genießt.“ Auch er habe leider feststellen müssen, dass dieses Vertrauen in die Zentrale Notaufnahme in Albstadt jüngst nicht mehr vorhanden gewesen sei. „Die Umstrukturierung ist auch für die Versorgungssicherheit der Patienten im Raum Albstadt die bessere Lösung“, so das Albstädter Stadtoberhaupt.
Die Weichen für die neue Struktur der ZNA am Zollernalb-Klinikum werden nun gestellt. Die entsprechende Finanzierung wird beantragt. Unterschieden wird dabei zwischen bestimmten Leveln der Notfallversorgung. Die kommissarische Leitung der Zentralen Notaufnahme in Albstadt hat bereits Dr. Natasha Kostadinovska, bisherige Chefärztin der Altersmedizin, übernommen. Sie wird von weiteren Fachbereichen unterstützt. Landrat Pauli erklärte, dass es nun wichtig sei, Ordnung in das System zu bekommen. Die ZNA sei nun mal die „Eingangspforte eines Klinikums“.
Die Zentrale Notaufnahme in Albstadt sei seit längerer Zeit der Schwachpunkt des Zollernalb-Klinikums, führte Michael Bitzer, Ärztlicher Direktor, weiter aus. Diesen Schwachpunkt hatte man mit der neu geschaffenen Chefarzt-Position versucht zu schließen. Die Beschwerden, insbesondere über die aus Sicht der Patienten langen Wartezeiten, hätten aber nicht abgerissen. Daher sei nun diese einschneidende Entscheidung getroffen worden, wie Hinger ergänzt.
Fachkräftemangel trifft Klinikum
Der Mangel an ärztlichem Fachpersonal wollte der Klinik-Chef nicht leugnen. Schon allein aus Kostengründen versuche man, möglichst wenig mit Leihkräften zu arbeiten. Daher sei es nach wie vor das Ziel, möglichst viele festangestellte Fachkräfte zu gewinnen. Der Zollernalbkreis als ländliche Region werde beim Fachkräftemangel jedoch von dem viel zitierten Stadt-Land-Gefälle nicht verschont. Zur Wahrheit gehöre auch, dass das Arbeiten in der Notaufnahme durchaus psychisch und physisch herausfordernd sei. „Aggression und Gewalt der Patienten gegen unsere Mitarbeiter nehmen zu – sowohl körperlich als auch verbal“, gibt Gerhard Hinger einen Einblick.
Michael Bitzer erklärte zudem: Dass die Konzentration von Fachbereichen gut funktionieren könne, hätten die vergangenen Umstrukturierungen am Zollernalb-Klinikum gezeigt. Im Jahr 2024 wurden beispielsweise die chirurgischen Eingriffe auf den Standort Balingen, die Altersmedizin und Kardiologie auf den Standort Albstadt konzentriert.