Viel Applaus gab es im Franziskaner-Konzerthaus für die Stuttgarter Philharmoniker unter der Leitung von Nicolò Umberto Foron und die Geigerin Hawijch Elders. Foto: Susanne Heinrich

Dass das Publikum im Franziskaner-Konzerthaus in Villingen höchst begeisterungsfähig ist, zeigte sich wieder einmal beim Konzert der Stuttgarter Philharmoniker.

Es applaudierte bereits nach dem ersten Stück so heftig, mit Bravo-Rufen und Trampeln verstärkt, wie es sonst wohl eher am Ende eines Programms vorkommt.

 

Die Philharmoniker unter der Leitung von Nicolò Umberto Foron hatten aber auch ein Eingangsstück ausgewählt, das diesen Enthusiasmus regelrecht herausforderte: die Konzertouvertüre „Karneval“ op. 92 von A. Dvořák.

Ausgelassen und mit Spielfreude tobte das Orchester durch das wilde Spektakel, um im Gegensatz dazu die nachdenklichen Passagen mit tiefer Emotion zu füllen.

Der 1998 geborene Dirigent Nicolò Umberto Foron brillierte vom ersten Moment an mit überzeugendem Gestus gepaart mit einer nonchalanten Ungezwungenheit. Seine Bewegungen, die ganz natürlich wirkten, reichten von zackiger Präzision bis zu fast völligem Nichtstun. Damit und mit seiner freundlichen, zugewandten Art motivierte er die Stuttgarter Profis zu Höchstleistungen und zauberte nicht selten ein Lächeln auf deren Gesichter.

Genauso entspannt war auch der Umgang mit der niederländischen Geigerin Hawijch Elders, ebenso wie Foron 1998 geboren und wie dieser am Amsterdamer Konservatorium ausgebildet. Absolut hinreißend musizierte sie das technisch höchst anspruchsvolle Violinkonzert von Tschaikowsky. Mit vollem Elan und ohne Angst vor irgendeinem Risiko stürzte sie sich in die schwierigsten Passagen und tauchte mit sattem Ton ein in die Melancholie des zweiten Satzes.

Die Balance zwischen Solistin und Orchester war sehr ausgewogen, der Kontakt untereinander und das gegenseitige sich Zuhören unübersehbar. Auch hier wurde begeistert applaudiert, schon nach dem ersten Satz, was ja normalerweise nicht (mehr) üblich ist, aber hier musste sich das Glücksgefühl des Publikums ein Ventil verschaffen.

Als ob das Violinkonzert nicht schon schwierig genug gewesen wäre, beschenkte Hawijch Elders das Publikum mit einigen Variationen der Caprice 24 von Nicolo Paganini, auch hier mit spontanem Zwischenapplaus, weil diese Virtuosität und Gestaltungskraft so mitreißend waren.

Uraufführung

Im Anschluss wurde das Publikum Zeuge einer Uraufführung, der Komposition „Ruhige Stadt“ von Filippo Del Corno (geboren 1970). Der Applaus für das tiefgründige, gut anzuhörende Werk, das die gegensätzlichen Tendenzen eines städtischen Kosmos hörbar macht, war zunächst eher höflich, steigerte sich enorm, als der Komponist auf die Bühne kam. Den Abschluss dieses dramaturgisch geschickt gestalteten Programms bildete die zweite Sinfonie von Johannes Brahms. Hier lieferte das Orchester alles, was man sich von einem solch großen Klangkörper wünscht: einen homogenen und differenzierten Klang, präzises Zusammenspiel und hervorragende Solisten. Standing Ovations waren der Lohn für dieses wunderbare Konzert.