Kommunen ächzen unter hohem Finanzdruck. Das schlägt sich in den Haushalten für 2026 nieder. Einzig Kippenheim und Ringsheim planen mit einem positiven Ergebnis.
Immer mehr Auflagen von Bund und Land während finanzielle Unterstützung ausbleibt, steigende Personalkosten durch neue Tarifabschlüsse und allgemeine Kostensteigerungen aufgrund globaler Krisen. Dies sind nur einige der Gründe, aus denen die Kommunen Alarm schlagen. Doch wie schlecht steht es um deren Finanzen wirklich? Ein vergleichender Blick in die 13 Haushaltssatzungen oder -entwürfe.
Lahr: Den mit Abstand größten Etat weist wenig überraschend die Stadt Lahr auf. Einnahmen von 193,5 Millionen Euro stehen Ausgaben in Höhe von 194,9 Millionen Euro gegenüber. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet, gibt die Stadt damit mehr als 3800 Euro pro Kopf aus – hinter Rust der zweithöchste Wert dieser Auflistung. Anders sieht es aus, wenn man das Haushaltsminus von 1,4 Millionen Euro ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt. Pro Kopf steht dort ein Wert von 28 Euro – „Bestwert“ aller Kommunen, deren Ergebnis negativ ist.
Seelbach: Laut der Haushaltsrede von Bürgermeister Michael Moser belaufen sich die Einnahmen auf 16 Millionen, die Ausgaben auf 16,5 Millionen Euro – 3388 Euro pro Kopf, womit Seelbach im Mittelfeld liegt. Anders sieht beim Defizit aus: Das hält die Gemeinde mit 500000 Euro vergleichsweise gering.
Schuttertal: Schuttertal geht mit vergleichsweise soliden Zahlen ins Haushaltsjahr. 8,94 Millionen Einnahmen stehen Ausgaben von 9,13 Millionen Euro gegenüber. Nur Kippenheim gibt pro Kopf weniger aus als Schuttertal (2881 Euro). Das Haushaltsminus von 190 000 Euro ist das geringste der Kommunen mit negativem Ergebnis, pro Kopf (minus 60 Euro) steht Lahr besser da.
Friesenheimer Etat umfasst 41 Millionen Euro
Friesenheim: Fast 41 Millionen Euro umfasst der Friesenheimer Etat. Pro Kopf ist dies mit rund 2950 Euro der zweitniedrigste Wert hinter Kippenheim. Da auf der anderen Seite jedoch Einnahmen in Höhe von „nur“ 38,7 Millionen Euro stehen, ist das Haushaltsminus von 2,24 Millionen Euro happig und das viertgrößte in dieser Liste. Unter Beachtung der Größe Friesenheims ist die Gemeinde mit einem Pro-Kopf-Haushaltsminus von 161 Euro allerdings ganz gut dabei.
Schwanau: Anders Schwanau. Ein Defizit von 2,38 Millionen Euro bedeutet ein Pro-Kopf-Minus von 338 Euro, womit die Gemeinde im unteren Mittelfeld landet. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben (3333 Euro) ergibt sich ein ähnliches Bild. Insgesamt stehen 23,5 Millionen Euro Ausgaben 21,1 Millionen Euro Einnahmen gegenüber.
Neuried landet im vorderen Mittelfeld
Meißenheim: Meißenheim rechnet im Jahr 2026 mit 10,9 Millionen Euro Einnahmen und 12,7 Millionen Euro Ausgaben (3055 Euro pro Kopf). Das Haushaltsminus von 1,8 Millionen Euro ergibt auf die Einwohnerzahl heruntergerechnet den zweitniedrigsten Wert der Kommunen im Vergleich: Meißenheim macht pro Kopf 439 Euro Miese.
Neuried: Weiter nördlich im Ried sieht die Lage besser aus. Pro Kopf ergibt sich aus dem Defizit von 945 000 Euro ein Wert von minus 95 Euro – vorderes Mittelfeld. Das Haushaltsvolumen umfasst 31,4 Millionen Euro, dem stehen Einnahmen in Höhe von 30,4 Millionen Euro gegenüber. Pro Kopf gibt Neuried 3160 Euro aus und landet damit ebenfalls im Mittelfeld dieses Vergleichs.
Kippenheim steht am besten da
Kippenheim: Die Zahlen bescheinigen Kippenheim solides Wirtschaften, die Gemeinde steht von allen untersuchten Kommunen finanziell am besten da. Mit einem Plus von rund 200 000 Euro starteten die Haushaltsberatungen. 15,2 Millionen Euro Einnahmen stehen 15 Millionen Euro Ausgaben gegenüber. Kippenheim gibt damit auch pro Kopf am wenigsten Geld aus: knapp 2700 Euro.
Mahlberg: In ähnlichen Dimensionen bewegt sich auch Mahlbergs Haushalt, wenngleich die Stadt finanziell etwas schlechter da steht. Die Einnahmen betragen 16,94 Millionen Euro, die Ausgaben 17,59 Millionen Euro. Das ergibt ein Defizit von rund 650 000 Euro. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben (3348 Euro) landet Mahlberg im Mittelfeld, das Minus pro Kopf beträgt 147 Euro.
Nur Lahr und Rust geben pro Kopf mehr aus als Ettenheim
Ettenheim: Die Rohanstadt sieht sich mit dem zweitgrößten Minus konfrontiert (4,97 Millionen Euro). Auf die 13 700 Einwohner heruntergerechnet weisen allerdings Rust, Meißenheim und Mahlberg noch einen höheren Betrag auf als Ettenheim (362 Euro). Die Einnahmen belaufen sich auf rund 45,7 Millionen Euro, die Ausgaben auf rund 50,7 Millionen Euro. Pro Kopf geben nur Lahr und Rust mehr Geld aus als Ettenheim (3690 Euro).
Kappel-Grafenhausen: Die Doppelgemeinde plant mit Einnahmen in Höhe von 15 Millionen Euro und mit Ausgaben in Höhe von 16,8 Millionen Euro (pro Kopf: 3203). Sowohl damit als auch mit dem Pro-Kopf-Minus von 340 Euro liegt Kappel-Grafenhausen im Mittelfeld.
Ringsheim Platz zwei, Rust ist Schlusslicht
Ringsheim: Ringsheims Haushaltsplan verzeichnet ein knappes Plus von 9400 Euro – damit ist die Gemeinde die zweite Kommune mit positivem Ergebnis. Einnahmen und Ausgaben halten sich mit 8,518 beziehungsweise 8,509 Millionen Euro etwa die Waage. Pro Kopf gibt Ringsheim etwa 3200 Euro aus.
Rust: Größte Überraschung im interkommunalen Vergleich ist Rust. Die Gemeinde plant mit 30,9 Millionen Euro Einnahmen und 37,1 Millionen Euro Ausgaben. Trotz Europa-Park-Millionen über die Gewerbesteuer steht ein Defizit von 6,2 Millionen Euro. Bei knapp 5000 Einwohner bedeutet dies ein Pro-Kopf-Minus von 1277 Euro – fast dreimal so viel wie Ettenheim. Zur Einordnung muss jedoch erwähnt werden, dass sich dieses Ergebnis laut Gemeindeverwaltung aus hohen Umlagen aus der Steuerkraftsumme von 2024 ergibt. Rust musste demnach über den Finanzausgleich mehr abtreten. Zieht man die beiden im FAG-Mechanismus zusammenhängenden Haushaltsjahre in Betracht, könne der Verlust 2026 durch den Gewinn 2024 ausgeglichen werden.
Fazit: Nur zwei Kommunen (Kippenheim und Ringsheim) schaffen 2026 einen ausgeglichenen Haushalt, wie es vom Gesetzgeber eigentlich gefordert ist. Im Durchschnitt liegt das Minus im Ergebnishaushalt bei 1,77 Euro, das Pro-Kopf-Minus beträgt im Schnitt 184 Euro. Die angespannte finanzielle Lage ist also fast überall spürbar.
Die Serie
Unsere Redaktion wird sich in den kommenden Wochen detailliert mit den Haushalten der Kommunen im Altkreis Lahr beschäftigen. Dabei werden wir den Fokus etwa auf die Gewerbesteuereinnahmen und die Personalkosten legen.