Bei den Bauarbeiten im Stadtgraben sind auch Spuren der Vergangenheit zutage gekommen, wie Grabungstechniker Thomas Schlipf aufzeigt. Foto: Siegmeier

Grabungstechniker Thomas Schlipf geht auf der Stadtgrabenbaustelle auf Spurensuche und wird mit Funden reich belohnt.

Spätestens seit sich Rottweil für die Landesgartenschau 2028 aufhübscht, hat die Stadt für Archäologen neu an Bedeutung gewonnen. In vielen Gebieten, wie in der Au, im Bockshof oder derzeit im Stadtgraben, in denen jetzt gebaut wird, hatten Archäologen bislang selten die Gelegenheit, sich auf die Suche nach Spuren der Stadtgeschichte zu machen. Große Forschungsgrabungen des Landesamtes gibt es heutzutage in Rottweil nicht mehr, lediglich Rettungsgrabungen bei diversen Baumaßnahmen. Und die werden überwiegend mit externen Grabungsfirmen durchgeführt.

 

Über Jahrzehnte war Grabungstechniker Thomas Schlipf als Leiter der Außenstelle Rottweil des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg in Rottweil tätig und hat so manche Mosaiksteinchen der Geschichte aneinandergefügt. Vor allem das einst römische Rottweil hat er sehr gut erschlossen. Auch hier gibt es, jetzt bei seinem Nachfolger Christoph Wulfmeier, immer wieder spannende Entdeckungen.

Doch das Grabungsfieber hat Thomas Schlipf immer noch fest im Griff, und auch in seinem Ruhestand ist er noch immer tätig und unterstützt die Außenstelle mit Rat und Tat.

Dieser Tage war er so im Stadtgraben. – und das nicht ohne Erfolg. Da es immer spannend ist, wenn er ein Fenster in die Rottweiler Stadtgeschichte öffnet, waren wir mit Thomas Schlipf auf Tour.

„Kram“ über Stadtmauer entsorgt

„Heute finden wir hier viel Müll, und schon damals haben die Leute allerlei Kram über die Stadtmauer entsorgt“, erklärt Thomas Schlipf, während er einen Blick in die blaue „Schatzkiste“ gewährt. Die ist voll mit Funden aus Rottweils Vergangenheit. Oberhalb des Stadtgrabens, jenseits der Stadtmauer, von der noch Buckelquader zu sehen sind, war eine der Vorstädte. Brunnen und Fachwerkhäuser sollen hier einst gestanden haben. Auf der Pürschgerichtskarte des David Rötlin aus dem Jahr 1564 ist das deutlich zu erkennen. Wer hier einst lebte, ist heute nicht klar, so Schlipf. Anders als in der Au-Vorstadt, wo die Sichelschmiede ihre Werkstätten hatten, und die einem kleinen Industriezentrum geglichen haben soll. Auch hier kam dank der Bauarbeiten schon manches zutage.

Funde im Stadtgraben

Die Funde im Stadtgraben datiert Schlipf auf die Zeit ab Beginn des 14. Jahrhunderts, bis zum Dreißigjährigen Krieg Anfang des 17. Jahrhunderts. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Vorstädte zerstört und nie mehr aufgebaut.

Ein besonders schönes Stück hat Thomas Schlipf in einem kleinen Karton: den Fuß von einem grünen Stengelglas. Vom Muster her gleicht er fast einem Weinrömer, wie wir ihn kennen. „Diese Formen lassen sich nicht haarscharf datieren, aber das Glas stammt aus dem 14. oder 15. Jahrhundert“, informiert er.

Im Stadtgraben gefunden. Foto: Siegmeier

Dann gibt es in der „Schatzkiste“ graue Keramik, die der Zeit um 1350 zuzuordnen ist. Alte Krüge mit Henkel müssen das mal gewesen sein, sagt Schlipf, dazu glasierte rote Scherben aus dem 14. Jahrhundert. „Kochgefäße“, so Thomas Schlipf weiter. Die habe man mit den markanten Füßchen direkt ins Feuer stellen können.

Besonders schön ist eine grün lasierte Ofenkachel aus dem 16. Jahrhundert. „Mit einem typischen Motiv der Renaissancezeit“, erklärt er.

„Sehr schön, dass wir so viel Keramik gefunden haben“, sagt er abschließend und freut sich schon auf die nächste Stelle, die er mit seinem geschulten Blick für Rottweils Vergangenheit inspizieren darf. „Da gibt es noch so manches“, freut er sich.