Der Fischereiverein Grenzach-Wyhlen beteiligt sich aktiv am Naturschutz mit seiner großen ehrenamtlichen Expertise.
Sechs Ehrenamtliche des Fischereivereins Grenzach-Wyhlen haben kürzlich tatkräftig für die Ansiedlung von 1500 Exemplaren der selten gewordenen Trüschen gesorgt. Mit dem Boot eines Vereinsmitglieds sowie dem Biologen und Züchter Hendrik Wocher aus Überlingen wurden die Tiere aus mehreren blauen Transportbehältern behutsam dem Rhein übergeben.
Trüschen sind heute selten
„Vor Jahrzehnten haben wir noch einige Trüschen gefangen“, erinnert sich der ehemalige Angler-Vorsitzende Werner Lämmlin. Der als Quappe oder Ruppe bezeichnete Knochenfisch gehört in Deutschland zu den stark gefährdeten Tierarten. Mit der Wiederansiedlung soll zudem der eingeschleppten Schwarzmundgrundel der Kampf angesagt werden. Dieser als „Neozoon“ eingestufte Fisch hält sich vorrangig am Flussgrund auf und konkurriert dort mit den einheimischen Tieren um die Nahrung.
Um der Grundel einen natürlichen Feind entgegenzusetzen, entschieden sich die Verantwortlichen um Vereinschef Markus Braun bereits im Vorjahr für einen Besatz mit Trüschen. „Diese Art ist auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten“, weiß Tobias Lämmlin zu berichten. Der Diplom-Biologe ist der Gewässerwart des Vereins und hatte für das Vorhaben einige Vorarbeiten zu leisten. Denn solche Maßnahmen müssen vom zuständigen Regierungspräsidium zunächst genehmigt werden. Einerseits, um die Nachhaltigkeit sicherzustellen, andererseits, weil die Behörde die Mittel dafür verwaltet, die aus dem Hegefonds bereitgestellt werden. Dieser wird unter anderem aus den Einnahmen für die Angelkarten gespeist. Damit die Tiere genetisch passen, sollten sie am Rhein oder dem Bodensee aufgewachsen sein. Züchter Hendrik Wocher ist auf die Trüsche (lateinisch: Lota lota) spezialisiert. In seiner Brutanlage verwendet er daher aus dem Zielgewässersystem stammende Wildfische zur Vermehrung.
Auch Zander eingesetzt
Auf dem Boot von Frank Hausin machten sich Wocher und die Männer des Fischereivereins ans Werk. 1500 Trüschen, die inzwischen auf zwölf bis 15 Zentimeter angewachsen sind, wurden zwischen dem Kraftwerk Wyhlen und dem Kraftwerk Birsfelden nach einer Akklimatisierung dem Rhein übergeben.
„Die Hotspots sind auf Höhe der ehemaligen Kiesgrube in Wyhlen sowie in Grenzach beim Freibad und der Kesslergrube, wo der temporäre Hafen inzwischen renaturiert wurde und ideale Bedingungen für die Jungfische bietet“, klärt Tobias Lämmlin auf.
Bereits mit drei Jahren sind Trüschen in der Regel geschlechtsreif und können am Hochrhein etwa 70 Zentimeter lang werden. Die 2024 eingesetzten 1500 Tiere könnten also vielleicht schon diesen Winter laichen, wenn der Rhein zwischen null und vier Grad Celsius abkühlt. Obwohl die Trüschen vergleichsweise sesshaft sind und den Rheinabschnitt nicht unbedingt verlassen werden, soll im kommenden Jahr ein dritter Besatz folgen.
In einer weiteren Aktion hat der Fischereiverein 350 Zander aus Ettenheim in den Rhein entlassen. Beide Maßnahmen kommen zusammen auf Kosten von rund 4000 Euro, das große ehrenamtliche Engagement nicht mitgerechnet.