Die Akteure des Zunftballs bereiten der Villinger Fasnet einen großen Bahnhof und entführen auf eine abwechslungsreiche Tour, bei der einiges zu erleben ist.
Kaum hatte sich der Zug auf der Bühne in Bewegung gesetzt, ging es in der Neuen Tonhalle auf eine närrische Fahrt quer durch die Republik: Unter dem Motto „Großer Bahnhof für iisre Villinger Fasnet“ erlebte das Publikum manch überraschende Szenen, die sich in Waggons und rund um den Bahnhof abspielten.
Da machten sich Fußballfans im Sonderzug auf nach Berlin zum DFB-Pokalendspiel zwischen dem FC Bayern München und dem FC 08 Villingen, dem „Pokalschreck der Saison“, und sorgten mit ihren Gesängen für Stadionatmosphäre im Saal. Doch ein dem Heringsdorf entflohener Fisch lag auf den Gleisen – und schien für eine jahrelange Verspätung verantwortlich zu sein, so dass die Jungs mit jedem neuen Auftritt gealtert waren – bis sich dies als Alptraum erwies und der Ankunft in der Hauptstadt nichts mehr im Wege stand.
Derweil drehten sich am Kiosk die Gedanken um Probleme bei der Kontrolle der Hästräger, bei der nicht nur Turnschuhe auffielen, sondern gar ein „Playnarro“ in Netzstrümpfen auftauchte.
Feindlichen Übernahme durch die Hexenzunft
Den Dreck nach der Party mussten die drei Romäuse als Straßenfeger wieder zusammenfegen, und kehrten manches aus dem Stadtgeschehen hervor. Sie entdeckten die neuen grünen Trikots des FC 08 und die Kickschuhe aus Stroh nach der „feindlichen Übernahme durch die Hexenzunft“, und stellten ihre Überlegungen über den Stadtsäckel an, in dem immer Geld für die Hobbys des Oberbürgermeisters wie das Rössle vorhanden ist.
Um Schwierigkeiten der etwas andern Art kümmerten sich die Mitarbeiter der Bahnhofsmission, die gemäß ihrer Devise „mir helfe ällene“ den ein oder anderen Tipp für einen verirrten Eishockeyfan und eine zielstrebige Managerin parat hatten, und einen Hogwarts-Schüler beförderten sie flugs mit einem Hexen-Wässerle statt durch die Wand am Gleis 9¾ „direkt durch die Decke“. Das verlorene „Handtäschchen“ einer alten Frau brachte sie indes an die Grenzen, erwies sich das doch als überdimensionaler Rucksack.
Ein solcher blieb als Fundsache zusammen mit einem Krättle, einer Jutetasche und einem Koffer am Bahnhof liegen. Sie machten sich einige Gedanken über ihre Besitzer und kamen beispielsweise zum Schluss, dass die Organisation des Villinger Umzugs Vorteile hat, „täten wir wie die Schwenninger in Zweier-Reihen laufen, wären am Aschermittwoch gerade mal die Chaisen durch“.
Das Publikum aufgemischt
Wegen der herrenlosen Gepäckstücke rückte denn die Truppe „Müller, Meier, Schmidt mit Chefin“ an, die zwar vom Kommunalen Ordnungsdienst als Schaffner zur Bahn gewechselt hatte, aber in gewohnter Manier das Publikum aufmischte und für Lacher sorgte – auch mit verfremdeten, aber durchaus realistisch klingenden Ansagen im Zug.
Selbst Zeitreisende entstiegen einem Abteil: Die scheidenden Zunftballregisseure kamen als Marty McFly und Doc Brown aus dem Jahr 2042 nach Villingen, um Entwicklungen wie die Aufnahme eines Schwenningers und von Frauen in den Rat und noch ausstehende Ereignisse wie die feindliche Übernahme durch Zunftmeisterin Alina Wöhrle und Steffi Brüderle von den Alten Jungfern rückgängig zu machen. Doch mit einem aus dem Uhrenindustriemuseum ausgeliehenen Fluxkompensator, der noch dazu mit Bärenbier als Treibstoff läuft, konnte der Auftrag nur schiefgehen.
Eine Mission der anderen Art verfolgten die Ratsherren bei einem Ausflug: Da es den Fasnetstouristen nur um Party gehe, falle es denen nicht auf, ob sie in Villingen oder als Funkenmariechen in Köln feiern, und so schickten sie die Mäschgerle an den Rhein.
Überhaupt nahmen die Mitwirkenden den ganzen Abend über immer wieder die Zunft und ihre Probleme auf den Arm, da war die Rede von gechipten Hästrägern oder dem Versuch, ein Narrohäs aus den Stadtmauern zu schmuggeln, der am vibrierenden Knopf scheitert. Auch der ein oder andere Seitenhieb auf andere Zünfte fehlte nicht.
Und für Laune sorgte das inzwischen durchaus bekannte Duo „Die unbekannten Zwei“, deren Lieder die Bahnhofsbesucher schnell zum Mitsingen animierten. Schwung auf die Bühne brachten die Ballettgruppen, angefangen von den Kindern auf einer Reise durch Europa über das Jugend- und das Wuescht-Ballett234 bis zum Zunftballett, das mit akrobatischen Figuren begeisterte.
Mit dem Slogan „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“ hatte Alina Wöhrle als Chefin der Neu-Schaffner wohl auch die Stimmung im Publikum auf den Punkt gebracht: Es war einmal mehr ein toller Ball, bei dem gerade die jungen Akteure einen großen Part einnahmen und bewiesen, dass der Generationswechsel gelingt.
Langen Applaus im Stehen gab es so nach mehr als drei Stunden für die ganze Mannschaft um die Regisseure Timo Klötzl und Olli Kienzler, deren zehnjährige Reise mit dem Zunftballteam an diesem Wochenende zu Ende ging – aber die Weichen sind gestellt: Weiter geht die Fahrt mit Maxi Raufer, Lara Heigel, Max Heimerl und Peter Feustel.
Das Team
Akteure auf der Bühne
Kindernummer: Fußballfans im Zug: Theo Frey, Felix Frey, Emil Schmidt, Simon Brüderle, Gabriel Gildner, David Fuchs, Tom Bicker, Noah Walter, Linus Feustel. Kiosk: Moritz Schaumann, Mathis Richter, Lorenz Richter, Quirin Säger. Straßenfeger: Lisa Langenbacher, Simon Brüderle, Jürgen Hermanutz, Jörg Westermann, Roland Brauner. Bahnhofsmission: Sebastian Bohrer, Moritz Feustel, Hannah Becker, Vreni Dinser, Nazim Manar, Olli Kienzler. Gepäckstücke: Marius Richter, Linus Richter, Moritz Tim Zimmermann, Moritz Haas. Bahn-Kontrolleure: Alina Wöhrle, Tobias Dietz, Anselm Säger, Alexander Brüderle. Ratsausflug: Matze Keller, Luki Link, Fabi Mauch, Jonas Kretschmer, Luis Dinser, Julia Klötzl. Zeitreise: Olli Kienzler, Timo Klötzl. Musikgruppe – Die zwei Unbekannten: Sascha Pompa und Max Heimerl. Kinderballett: Trainerinnen: Jana Metzger und Sabrina Mauch; Mia Becker, Ida Blessing, Lina Brinkmann, Magdalena Degen, Cosima Degen, Lotta Fleig, Marlene Fuchs , Cecilia Grauer, Cinthia Grauer, Lotta Hahn, Cara Irion, Filippa Irion, Paula Jakob, Fiona Käfer, Cataleya Kauschwitz, Linnea Kauschwitz, Malia Knechtle, Marie Matti, Mia Rudzki, Emma Rudzki, Lena Schaumann, Lore Schmidt, Lena Ummenhofer, Leonie Weißer. Jugendballett: Trainerinnen: Laura Richter und Maxi Raufer; Linus Feustel, Merle Fleig, Kira Frey, Valerie Haas, Stella Hauser, Emma Koch, Mia Kolic, Louisa Lewanderski, Fiona Michel, Marie Reiser, Mayrelis Rizza, Mia Schaumann, Willi Schmidt, Greta Tröndle, Hannah Ummenhofer, Lotta Wagner, Lene Wagner, Noah Walter, Emily Weißer, Kim Windisch. Zunftballett: Trainerin: Selina Schaumann; Kathrin Bachert, Fiona Barthel, Hannah Becker, Timo Brugger, Hannah Dinser, Lea Dinser, Angelina Fauth, Moritz Feustel, Marvie Greitmann, Antonia Haas, Moritz Haas, Estée Hauser, Katharina Hohn, Lara-Marie Lewanderski, Daniel Rausevic, Linus Richter, Marius Richter, Pauline Säger, Julie Sauter, Amelie Schaumann, Selina Schaumann, Sophie-Marie Schaumann, Sophia Walch, Luise Wagner, Ann-Kathrin Weißer, Moritz Tim Zimmermann. Wuescht-Ballett234: Trainerin: Julie Sauter und Lara-Marie Lewanderski; Caro Dörflinger, Katharina Furtwängler, Fabienne Götz, Sophia Walch, Katharina Krüger, Lara-Marie Lewanderski, Julie Sauter, Luise Wagner.
Hinter den Kulissen
Bühnenbild: Dragan Krek, Heike Haas, Silke Becker, Uwe Waldvogel. Maske und Frisuren: Karin Blessing, Caro Riesle, Nicole Rizza, Tiffany Ummenhofer, Annette Wagner, Alisa Wolper, Lisa Steidle, Annette Wagner, Maik Moriello, Estee Hauser, Miriam Braun, Lisa Bisewski. Kostüme/Näherinnen: Julia Wursthorn, Jasmin Mauch, Jana Metzger, Sabrina Mauch, die Mütter der Kinder. Video- und Fotoaufnahmen: Marwin Nirwing, Tim Bachert. Kulissenbau: Christian Hauser, Timo Klötzl, Quirin Säger, Timo Kessler, Leon Herrmann. Bühnentechnik (Licht/Toneinspieler): Peter Feustel, Oliver Greitmann, Torsten Haas, Christian Hauser, Leon Herrmann, Timo Kessler, Moritz Kimmich, Rafael Lewanderski, Nasim Manar, Niclas Mehlaff, Marcel Nolle, Michael Reiser, Wolfgang Roth, Daniel Roth, Michael Willmann. Regie: Oliver Kienzler, Timo Klötzl.