Die Leserinnen Marlis Katz (von links) , Karen Ehlers, Nanni Fingerhut und Connie Hildebrandt-Büchler. Foto: Armin Büchler

„Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ hieß ein Ohrwurm von Bill Ramsey. Diesen Titel hatte der Arbeitskreis Kultur für die jüngste „Nagold-liest“-Veranstaltung gewählt.

In ihrer Begrüßung freute sich Museumsmitarbeiterin Heike Roller über gut 50 Zuhörende, die dicht gedrängt im Steinhaus saßen. Für die im Rahmen der Nagolder Literaturtage in die Sherlock-Holmes-Ausstellung im Museum eingebettete Veranstaltung hatte sogar ein Anmeldestopp verhängt werden müssen.

 

Nanni Fingerhut eröffnete den Abend mit einem Ausschnitt aus dem Sherlock-Holmes-Klassiker „Das getupfte Band“ (1883): Eine geheimnisvolle Klientin sucht am frühen Morgen Holmes und seinen Kollegen Watson auf. Es geht - so viel sei verraten - um einen Giftmord, denn „das getupfte Band“ ist eine Schlange.

Als zweite Leserin kehrt Karen Ehlers mit Wolfgang Schorlaus „Black Forest“ zurück zur Gegenwart, in der Privatermittler Dengler sich mit aggressiven Windkraftgegnern auseinandersetzen muss.

Dürrenmatt sorgt für eher heitere Akzente

Mit einer Passage aus „Schieß los“ von Friedrich Dürrenmatt setzte Connie Hildebrandt-Büchler eher heitere Akzente. Ein Darsteller der Tell-Festspiele, im Hauptberuf Vertreter für Küchengeräte, macht sich nach einer durchzechten Nacht noch benebelt zu seiner Kundschaft auf – und überfährt dabei einen Mann. Weil ihm erst später klar wird, was ablief, wartet er im Hotel tagelang aufs Erscheinen der Polizei. Nichts tut sich. Auf dem Rückweg wieder genau die kleine Stadt erreichend, fürchtet er Schlimmes, als eine Menschenmenge auf ihn zuströmt. Doch er wird überraschenderweise geradezu gefeiert, denn das Unfallopfer war der verhasste Bürgermeister.

Marlis Katz brachte mit „Leiche im Schnee“ einen der authentischen vertrackten Strafrechtsfälle aus Elisa Hovens „Dunkle Momente“ über einen fast perfekten Mord zu Gehör. Makaber Vera Bucks „Das Baumhaus“, gelesen von Karen Ehlers. Die verschrobene Forensikerin Rosa Lundquist mit ihrer Leidenschaft, Totes in der früheren Werkstatt ihres Bruders zu sammeln, wird sogar zur Aufklärung um den Tod eines Kindes hinzugezogen.

Herrlich Roald Dahls „Lammkeule“ (Connie Hildebrandt-Büchler): Nur zögerlich lassen sich die Ermittler auf das vorbereitete Essen Marys ein, denn sie können die Tatwaffe, mit der sie ihren Mann erschlug, einfach nicht finden. „Sie ist doch sicher direkt vor unserer Nase“ – bingo!

Nicht wirklich strahlend wie „Ein hellblauer Tag“ ist Ferdinand von Schirachs Text aus „Strafe“: Nach Jahren der Haft gesteht die Protagonistin ihrem Verteidiger, dass sie infolge des Todes von Baby Lionel damals statt ihres Mannes verurteilt, später „nachhalf“, als er, der eigentliche Täter, beim Montieren der Satellitenschüssel auf einem Balkonstuhl balancierte.

Publikum spendet Beifall

Besonders reizend in der Reihe nicht nur gruseliger Krimitexte der vier Leserinnen war Hartmut Pospiechs „Schneewittchen“: Varanasi, die heilige Hindustadt, scheint ideal für einen Taschendieb. Tatsächlich kann der Protagonist sogar den Diamanten „Snowwhite“ (Schneewittchen) aus einem Museum klauen, doch wie ihn verkaufen? Da steckt er das Juwel einfach einem zwielichtigen Mann in die Tasche, den er schon länger am Teestand beobachtete: „ Ein Mann, der seinen Tee nicht bezahlt, dem gehört eine Lektion“.

Das Publikum spendete immer wieder herzlichen Beifall in dieser gut zweistündigen Lesung, für die das Steinhaus diesmal die Pausensnacks spendierte. Und in der Tat ging niemand ohne Krimi ins Bett.