Gianni und Lara waren bereits in vielen Ländern – hier sind sie in Marokko zu sehen. Sie haben dort die Ouzouf-Wasserfälle besichtigt. Foto: privat

Lara Stehlin und Gianni Marburger möchten die Welt bereisen und sind bereit, dafür vieles aufzugeben. Job und Wohnung sind gekündigt, nun lösen sie sich von ihrem Besitz.

Für Gianluca „Gianni“ Marburger und Lara Stehlin ist am Samstag ein großer Tag: Das Paar aus Kappel-Grafenhausen verkauft nahezu seinen gesamten Besitz, um auf Weltreise zu gehen. Schwer fällt ihnen dieser Schritt nicht. „Erlebnisse sind uns wichtiger als Dinge“, sagt Gianni im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Die beiden sind seit viereinhalb Jahren in einer Beziehung. Hinter den Kulissen der Fernsehsendung „Immer wieder sonntags“ in Rust sprang der Funke über. Dort lernten sich die beiden kennen – er als Kabeltechniker, sie als Lichtdouble.

Aus den Arbeitskollegen wurde ein Liebespaar. Von diesem Moment an gehen sie vieles gemeinsam an – allem voran das Reisen. „Frei sein, Menschen treffen, Kulturen verstehen – das hat mich verändert“, erzählt Gianni im Gespräch.

Nun wollen sie den nächsten Schritt wagen und gemeinsam auf Weltreise gehen. Die Idee entstand zufällig während ihres Italienurlaubs über Silvester 2025. Eigentlich hatte Lara geplant, ihren Masterabschluss zu machen. Auch Gianni hatte noch andere berufliche Pläne. Doch beides habe nicht geklappt. „Irgendwann haben wir gedacht: Vielleicht ist das ein Zeichen vom Universum“, erzählt Lara.

Also beschließen sie, es zu wagen: Sie kündigten Job und Wohnung und möchten nun ihren Hausstand bei einem Flohmarkt verkaufen. Sich von Gegenständen zu trennen, falle den beiden nicht schwer – im Gegenteil: Es bedeute für sie Freiheit.

Das erste Land wurde zufällig ausgewählt

Im Mai soll die Reise losgehen. Eine feste Route gibt es nicht, auch keine Dauer. Selbst die Entscheidung, welches Land sie zuerst bereisen, entsteht spontan: Sie fragen Künstliche Intelligenz nach einem zufälligen Reiseziel. Das Ergebnis: Madagaskar. „Da wussten wir: Das machen wir jetzt wirklich“, sagt Lara.

Der Ostafrikanische Inselstaat ist das viertärmste Land der Welt, aber das schreckt die Beiden nicht ab: „Wir wollen das wahre Leben sehen.“ Angst hätten sie nicht. Man könne schließlich überall auf der Welt in gefährliche Situationen geraten, egal wo man sei: „Wir haben eine gesunde Skepsis, aber keine Ängste.“

Auf die Frage, wie sie mit den Sprachbarrieren umgehen, erzählen sie von bereits erlebten Urlauben. So seien sie auf dem Jakobsweg in Portugal mit einem Pilger ins Gespräch gekommen. Sie hätten Spanisch und Italienisch gemischt, mit Händen, Füßen und wenigen Worten seien Gespräche über Glauben, Gründe und persönliche Lebenswege entstanden – tief, ehrlich und unerwartet. „Die Realität hat unsere Ängste widerlegt“, sagt Lara. „Wenn man respektvoll bleibt, gewinnt oft die Menschlichkeit.“

Alles, was sie mitnehmen, passt in zwei Rucksäcke

So wie bei vielen ihrer bisherigen Reisen wollen sie auch bei ihrem bevorstehenden Abenteuer nicht viel Gepäck dabei haben. Alles, was sie mitnehmen, muss in zwei Rucksäcke mit 70 und 80 Liter Volumen passen. „Das ist für uns wahre Freiheit und gibt uns einen Überblick über unser Leben. Mehr brauchen wir nicht – Besitz macht besessen“, sagt Gianni.

Das Paar finanziert seine Weltreise mit dem Verkauf ihrer Sachen, erspartem Geld und möchte währenddessen arbeiten. „Hilfsorganisationen, Soziale Medien, digitale Aufritte für Hotels – es gibt viele verschiedene Möglichkeiten“, sind sich die Weltenbummler sicher.

Zumal sie bereits viele Erfahrungen gemacht hätten, wie man sparsam in fremden Ländern über die Runden kommt: Wochenendtrips mit Zelt, Reisen in der Nebensaison statt zur Hauptreisezeit, Ferienwohnungen statt Hotels. „Preise vergleichen und klare Prioritäten setzen“, erklären sie. Ihr Motto: „Wir sind Reisende, keine Touristen.“

Freunde und Familie geben ihnen Rückenwind

Und wie reagieren Freude und Familie auf das Ganze? „Ich dachte, die halten uns für verrückt, aber alle finden es mutig und toll“, freut sich Gianni. „Der Sturm ist ausgeblieben, wir bekommen Rückenwind.“

Für Lara steht hinter der Reise eine klare Botschaft: „Man sollte seine Träume erfüllen, Ängste überwinden und einfach machen. In 98 Prozent der Fälle kommt etwas Gutes dabei heraus – und die Dinge, vor denen man sich sorgt, passieren gar nicht.“ Gianni sieht die Reise auch als Perspektivwechsel: „Das Herz weiß schon alles“, sagt er. „Man lernt Dankbarkeit und Vertrauen – in sich selbst und in das Leben. Und wir haben das Privileg, dass uns ein soziales Netz auffängt, wenn etwas schiefgeht.“

Lara ergänzt mit einem Satz, der ihre Philosophie vielleicht am besten beschreibt: „Das Leben ist eigentlich simpel. Man braucht Wasser, Essen, einen Schlafplatz – und im besten Fall noch eine Dusche. Und wir haben uns.“ Für alles andere gebe es die Welt da draußen.

Info – Der Flohmarkt

Die Abenteurer veranstalten am Samstag, 14. März, von 11 bis 18 Uhr in der Ziegelstraße 9 in Kappel einen Flohmarkt, bei dem sie ihren Hausstand verkaufen. Es gibt Essen und Trinken. Weitere Infos gibt es in ihrem Podcast namens „Rucksack und Rotwein“ oder auf Giannis Youtube-Kanal „guygianni“.