Das deutsch-israelische Kino-Drama „Plan A“ zeigt, wie jüdische Partisanen 1945 einen Anschlag aufs deutsche Trinkwasser planen.
Stuttgart - Nach Kriegsende 1945 sagt die jüdische Partisanin Ana (Sylvia Hoeks) in Nürnberg: „Die ganze deutsche Nation gehört vor Gericht. Auge um Auge, sechs Millionen für sechs Millionen.“ Der Holocaust-Überlebende Max (August Diehl), in Auschwitz ein Koffer-Einsammler mit nun sehr schlechtem Gewissen, arbeitet mit an einem drastischen Racheplan: Die Partisanen wollen das deutsche Trinkwasser vergiften.
Die israelischen Regisseure Doron und Yoav Paz verarbeiten in ihrem israelisch-deutschen Kino-Drama reale Begebenheiten. Als Beraterin war die Autorin Dina Porat an Bord – sie beschreibt in ihrem Buch „Die Rache ist Mein allein“ das Wirken der jüdischen Organisation Nakam (hebräisch für Rache). Dieser ging es um Vergeltung, sie wollte der Welt zu zeigen, dass Juden sich wehren können.
Der eigene Staat Israel steht auf dem Spiel
Hier verläuft eine Haupt-Konfliktlinie: Wieso gab es bei so vielen Häftlingen nie einen erfolgreichen Aufstand? Die andere ist noch brisanter: Der Racheplan sorgt längst nicht bei allen für Begeisterung; er könnte auch Opfer unter den Angehörigen der alliierten Besatzungsmächte fordern und die Hoffnungen der Juden auf einen eigenen Staat Israel zunichte machen. Dieser wurde 1948 gegründet – man ahnt nicht nur deshalb, wie der Film ausgehen wird.
Den Regisseuren geht es vor allem auch darum, das fortgesetzte Leid der Überlebenden zu zeigen. Die kehren aus den Lagern zurück, haben Angehörige verloren, und in ihren Wohnungen leben nun Günstlinge des Nazi-Regimes. Die verteidigen die neuen Eigentumsverhältnisse, Max bekommt gleich zu Beginn einen Gewehrkolben ins Gesicht. Ana ist ohnehin entwurzelt, sie hat den Krieg im Wald verbracht.
Zwei Traumatisierte nähern sich einander an
Das zerbombte Deutschland steht digital wieder auf, die Kulisse spiegelt das Innenleben der Protagonisten. August Diehl arbeitet sich schweigsam und theatralisch an seiner Rolle ab, erst als Helfer einer britisch-jüdischen Brigade, die Nazis aufspürt und hinrichtet, dann an entscheidender Position im Wasserwerk, wo er den Arier spielt. Die Niederländerin Sylvia Hoeks macht aus Ana eine verhärmte, zutiefst traumatisierte Figur. Die beiden nähern sich einander an, sind aber nicht bereit für mehr als für eine kurze, deprimierende Sexszene.
In erster Linie ringen sie darum, ob sie sich wirklich auf das Niveau der Täter begeben wollen – oder nach Palästina gehen und konstruktiv etwas aufbauen. „Was würdest du tun?“, fragen Doron und Yoav Paz. Die Antwort liegt auf der Hand.
Plan A. Israel/D 2021. Regie: Doron und Yoav Paz. Mit August Diehl, Sylvia Hoeks. 110 Minuten. Ab 12. Delphi.