Ein des Starrummels überdrüssiger Schauspieler gerät in die heimelige Welt einer vom Ruin bedrohten Kleinkunstbühne in Anika Deckers Kino-Komödie „Liebesdings“.
Dieser Film bringt alles mit für ein großes, buntes Drama mit Witz: Der deutsche Filmstar Elyas M’Barek spielt den deutschen Filmstar Marvin Bosch, den der Fluch des Ruhms plagt; Läuterung und Liebe findet er im subkulturellen Bohemien-Milieu einer Kleinkunstbühne, wo Feminismus und Diversität zu Hause sind.
Die Drehbuchautorin Anika Decker schrieb einst mit Til Schweiger dessen Erfolgsfilme „Keinohrhasen“ (2007) und „Zweiohrküken“ (2009), fühlte sich danach nicht angemessen entlohnt und dreht nun selbst romantische Komödien wie „Traumfrauen“ (2015) und „High Society“ (2017). Für den Starrummel um Marvin plakatiert sie die Kulisse mit dessen aktuellem Film „Traummann“, überall lauern ihn anhimmelnde Frauen, während er sich abschirmt und oft ins Nichts starrt.
Die Chemie stimmt, es fehlen nur Zwischentöne
Nicht minder gelungen ist die wunderbare Gegenkulisse des Theaters, in dem die lebenslustige Frieda (Lucie Heinze) Freaks eine Zuflucht bietet– doch ihr droht die Pleite. Barek schöpft aus eigener Erfahrung, Heinze verkörpert glaubhaft die widerborstige Traumfrau. Die Chemie stimmt, allerdings bleibt Decker beim screwballigen Hin und Her oft auf Dialogebene, wo fein austarierte emotionale Zwischentöne die Romanze erst so richtig prickeln lassen würden.
Der Film dürfte sein Publikum finden
Die arme Frieda muss aber allen Ernstes rechtfertigen, dass sie heimlich einen Porno namens „Der Bumsbus“ guckt. Und wenn sie auf der Bühne steht, wirken ihre Feminismus-Tiraden eher larmoyant als lustig. Wie das richtig geht, zeigen seit Jahren Anke Engelke und Carolin Kebekus – auf Weltniveau praktiziert Rachel Brosnahan in der Serie „The marvelous Mrs. Maisel“ feministische Standup-Comedy mit Witz und Esprit.
Der Film dürfte dennoch sein Publikum finden. Wahrscheinlich, und das ist die Ironie an dieser Geschichte, wird das wohl in erster Linie eines sein, das den deutschen Filmstar Elyas M’Barek anhimmelt.
Liebesdings. D 2022. Regie: Anika Decker. Mit Elyas M’Barek, Lucie Heinze. 99 Minuten.