Rund 80 Eltern kamen zum Infoabend, um das neue Betreuungsmodell kennenzulernen. Foto: Obergföll

Die Gemeinde Kappel-Grafenhausen informierte über die Situation in beiden Schulen mit Blick auf die Ganztagsbetreuung. Dabei wurde klar: Beide stoßen an ihre Grenzen.

Zu einem Infoabend mit anschließendem Meinungsaustausch hat die Verwaltung der Gemeinde Kappel-Grafenhausen alle Eltern von Schul- und Kindergartenkindern eingeladen. Das Thema: Perspektiven und Fortentwicklung der Ganztagesschule. Die Umsetzung des gesetzlich verankerten Rechtsanspruches auf Ganztagsbetreuung bei Grundschulkindern war Gegenstand des Infoabends.

 

Die Gemeinde verfügt über eine Schule mit zwei Standorten, mit der Grundschule der Ferdinand-Ruska-Schule (FRS) in Grafenhausen, neuerdings zweizügig, und deren Außenstelle, die Taubergießenschule (TGS) in Kappel, wie Hauptamtsleiterin Ulrike Conrad ausführte. 83 Schülerinnen und Schüler werden in Kappel, 105 Kinder in Grafenhausen derzeit betreut. An beiden Standorten bestehe bei der aktuell steigenden Schülerzahl dringend Handlungsbedarf. Im Anschluss an die vorliegende Machbarkeitsstudie stelle sich für die Gemeinde die Frage, die Standorte zu sanieren oder gleichzeitig auch konsequent weiterzuentwickeln. Die Ganztagesschule biete die Chance, Kinder individueller fördern zu können und zu stärken – und gleichzeitig die Familien zu entlasten, so Conrad. Aktuell nehmen 49 Kinder an der FRS und 44 an der TGS die Betreuung in Anspruch. Erstmals sei ein Aufnahmestopp erforderlich gewesen. Ein steigender Bedarf sei zu erwarten, wie ihr Stellvertreter Yannick Kölble darstellte.

Die Schulleiterinnen Katja Wößner und Daniela Böhler erläuterten ein an die Gemeinschaftsschule Rust-Kappel-Grafenhausen angelehntes Acht-Stunden-Ganztagesmodell an mindestens drei Wochentagen. Die Schulleitungen wie auch die Verwaltung zeigten sich dabei überzeugt von den Vorteilen einer Ganztagesschule im Vergleich zum bisherigen Modell mit Kernzeitenbetreuung und Mittagessen. So entstehe „mehr Zeit fürs Kind“, wie einstimmig betont wurde. Bürgermeister Philipp Klotz machte deutlich, dass das denkbare Modell allerdings nicht kurzfristig umgesetzt werden könne. Verwaltungsvorschriften, europaweite Ausschreibung und die erforderliche Planung könnten durchaus mehr als zwei Jahre in Anspruch nehmen. Er zeigte sich ebenfalls überzeugt vom Ganztagesmodell, das „eine qualitativ andere Schule“ sei.

Eltern konnten ihre Sorgen äußern

Von den 80 anwesenden Elternteilen, überwiegend Mütter, kamen interessierte und besorgte Fragen und Hinweise zu den Auswirkungen einer möglichen Ganztagesschule. Ob die Vereine vielleicht Nachteile beim Nachwuchs zu befürchten hätten, ob der Schultag nicht zu lang sei, wie das Lernen im Einzelfall gewährleistet werden könne, ob ein Schulalltag bis 16 Uhr nicht doch zu anstrengend sei. Die Schulleiterinnen warben aus pädagogischer Sicht eindringlich für das neue Modell. Für die Gemeinde würden mehr Fördermittel zu Verfügung stehen, so Bürgermeister Klotz, es sei aber noch nichts beschlossen. Wiederholt bat er die Anwesenden um Teilnahme an der Befragung in der Zeit vom 6. bis 22. Mai. Der Gemeinderat sei bei der Entscheidung über eine mögliche Einführung auf die Ergebnisse angewiesen: „75 Prozent Rückmeldung ist deutlich besser als nur 55 Prozent. Füllen Sie den Fragebogen aus“, appellierte Gemeinderat Clemens Sedler an die Eltern, der – wie auch weitere Anwesende an diesem Abend – von positiven Erfahrungen mit der Ganztagsschule berichtete.