Vertreter der Ettenheimer Schulen haben dem Gemeinderat deutlich gemacht, dass es bei der städtischen Infrastruktur Luft nach oben gibt.
Jugendvertreter aller weiterführenden Schulen in Ettenheim haben sich im sogenannten Jugendforum zusammengeschlossen.
Ihr Ziel: Teilhabe am politischen Geschehen der Stadt und „sich einmischen“ – vor allem dort, wo Belange junger Menschen tangiert sind. Ein erstes Mal trugen drei Vertreter des Jugendforums dem Gemeinderat die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.
Das Interesse an diesem Tagesordnungspunkt war gewaltig. Der Sitzungssaal im Palais Rohan platzte schier aus allen Nähten.
Schüler machen Verbesserungsvorschläge
Der Busverkehr: Bei der Analyse der Verkehrssituation zeigte Emelie von der St.-Landolin-Schule eine Menge an Defiziten und Verbesserungsvorschlägen im Busverkehr auf. Dies ist ein Verkehrsmittel, das von Schülern der umliegenden Gemeinden stark genutzt wird. Die Busse seien häufig hoffnungslos überfüllt, Abfahrtszeiten würden oft nicht eingehalten, zudem kämen die Busse durch die Vielzahl von „Elterntaxis“ nicht zügig voran.
Nachteilig sei, dass am BIZ (August-Ruf-Bildungszentrum) keine Bushaltestelle eingerichtet sei. Zudem sei eine Bushaltestelle am Schwimmbad wünschenswert, wenn schon Busse von Ettenheim nach Ettenheimweiler fahren. Emelie verband die kritische Analyse der Schülerbeförderung mit einem Appell an ihre Mitschüler, verstärkt das Rad zu nutzen. Für Schüler, die sich kein E-Bike leisten können, gebe es entsprechende Förderprogramme, mit denen die Stadt diese Zielsetzung unterstützen könne. Außerdem plädierte die Schülersprecherin für den Einsatz von mehr Bussen.
Auch das Radnetz ist Thema
Das Radwegenetz: Thematisch anknüpfend befasste sich Mika vom Städtischen Gymnasium mit der Situation von Schülern, die mit dem Fahrrad zur Schule kommen. Das bereits bestehende Radwegenetz sei gut, weise aber noch immer Lücken und Gefahrenstellen auf. „Radfahren in Ettenheim ist nicht wirklich attraktiv“, so der Jugendliche. Der Übergang von Otto-Stoelcker-Straße in die Rheinstraße sei unbefriedigend. Erstrebenswert – nicht nur für Schüler des BIZ – sei eine offizielle Ausweisung der Kanalgasse als Radweg, Verbesserungsbedarf bestehe aus Sicht der Schüler auch beim Fahrradweg an der Otto-Stoelcker-Straße Richtung Skaterplatz. Ein ausgewiesener Fahrradweg durch die Innenstadt könne dort die Sicherheit der Radfahrer deutlich erhöhen.
Mögliche Gefahren: Beim Blick auf die Infrastruktur machte Emelie gefährliche Verkehrspunkte in Gesamt-Ettenheim aus. Wünschenswert sei aus Sicht der Schüler eine Geschwindigkeitsreduzierung bei der östlichen Stadteinfahrt von Münchweier her. Zebrastreifen würden die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrer beispielsweise über die L103 auf Höhe der Heimschule oder in der Tullastraße auf Altdorfer Gemarkung erhöhen. An den Ortseinfahrten und bei den Schulen plädierte sie für das Aufstellen von Blitzern, um die Geschwindigkeit der motorisierten Verkehrsmittel zu reduzieren. Ein Ergebnis der Schüleranalyse sei auch die Zielsetzung, mehr Mülleimer in der Gesamtstadt aufzustellen.
Die Begrünung: Momo von der Montessorischule setzte sich kritisch mit der Bepflanzung von Blumenkübeln oder sonstiger Begrünungen auseinander. Gezüchtete, nicht heimische Pflanzen seien durch heimische Arten zu ersetzen. Als „problematisch“ erachtete sie beispielsweise Oleander, Geranien, Buchs oder Kirschlorbeer. Für heimische Insekten hätten diese keinen Nahrungswert. Wo solche in Blumenkübeln eingepflanzt sind, sollten sie durch heimische Pflanzen ersetzt werden. Zur Information und Bewusstseinsbildung könne man Info-Tafeln aufstellen.
So geht es nun weiter
Nachdem die Schüler ihre Analysen präsentierten, lobte Bürgermeister Bruno Metz: „Der Versuch war es mehr als wert.“ Von den Gemeinderäten wurde diese Aussage mit Applaus bekräftigt. Die Vorschläge der Schüler wurden von der Verwaltung zu Kenntnis genommen. Weitere Schritte mit Verwaltung und Vertretern des Gemeinderates sollen folgen.