Eine Feuertaufe hat Finn Bilger gleich in seinem ersten Jahr als Rettungsschwimmer der DLRG am Stausee Oberdigisheim erlebt. Nun, da die Saison vorbei ist, blickt er zurück, berichtet vom Teamgeist in der DLRG und von der Erfüllung, Menschen in lebensbedrohlichen Situationen zu helfen.
Auf eigene Gefahr baden die Gäste im bis zu sieben Meter tiefen Stausee Oberdigisheim, wo die DLRG Meßstetten ehrenamtlich wacht. Finn Bilger gehört zu den ehrenamtlichen Rettungsschwimmern, ohne die dieser Wachdienst nicht möglich wäre. Im Interview berichtet er von den Herausforderungen und Gefahren.
Wie sind Sie zur DLRG gestoßen?
Anders als viele andere Mitglieder der DLRG bin ich nicht durchgehend seit meinem Anfängerschwimmkurs dabei, sondern bin erst später „richtig“ dazugestoßen. Ich schwimme zwar schon seit meiner Kindheit und habe mein „Seepferdchen“ in einem Schwimmkurs der DLRG Meßstetten absolviert, bin dann allerdings jahrelang nur im TSV Meßstetten geschwommen. In die DLRG bin ich erst 2019 eingetreten, da Klassenkameraden von mir dort trainierten. Seitdem schwimme ich in beiden Vereinen.
Welche Stationen und Abzeichen haben Sie durchlaufen?
Die meisten Schwimmabzeichen habe ich im TSV absolviert. Da coronabedingt lange kein Training stattfand, habe ich erst 2022 das Rettungsschwimmabzeichen in Bronze abgelegt, weil es Voraussetzung für den Trainerassistent Schwimmen ist, den ich zur gleichen Zeit über den TSV gemacht habe.
Da ich mich langfristig aber auch in der DLRG mehr einbringen wollte, folgte 2023 das Rettungsschwimmabzeichen in Silber, mit dem ich an der Nord- und Ostseeküste und an unserem Stausee Aufsicht machen durfte. 2024 habe ich zusätzlich einen Sanitätslehrgang der DLRG besucht, so dass ich bei Sanitätsdiensten unterstützen darf.
Waren Ihre Freunde ein Antrieb oder war die DLRG eher Ihre eigene Sache?
Freunde waren immer ein Antrieb, sowohl in meiner Anfangszeit, in der sie überhaupt erst der Grund waren, weshalb ich Mitglied wurde, als auch in den darauffolgenden Jahren, in denen ich immer mehr Freundschaften innerhalb der Ortsgruppe schloss. Auch auf Veranstaltungen wie dem Sanitätslehrgang findet man schnell neue Bekanntschaften, mit denen ich teils immer noch Kontakt habe.
Wie ist der Teamgeist in der Ortsgruppe?
Teamgeist herrscht auf jeden Fall, anders wäre die Arbeit der DLRG gar nicht möglich, sei es das Training in den Schwimmbädern, Wachdienste an den Seen und Stränden oder die vielen weiteren Tätigkeiten. Im Endeffekt haben wir ja alle das gleiche „Hobby“.
Gab es die Entscheidung Wettkampfschwimmer oder Rettungsschwimmer zu sein?
Nicht wirklich.
Wo leisten Sie überall Wachdienst?
Eigentlich nur am Oberdigisheimer Stausee, 2023 jedoch auch zwei Wochen lang am Strand von Baabe auf Rügen im Rahmen des zentralen Wasserrettungsdienstes Küste, über den man sich als Rettungsschwimmer der DLRG bewerben für Wachdienst an der Nord- oder Ostseeküste bewerben kann. Das ist dann nochmal eine ganz andere Erfahrung als der heimische See.
2023 waren Sie noch Begleitender der Wachgänger. Jetzt mit 18 Jahren tragen Sie selbstständig Verantwortung als Wachgänger am Stausee Oberdigisheim. Was macht das mit Ihnen?
Einerseits ist es natürlich mehr Verantwortung, die man trägt, andererseits weiß ich aber auch, dass ich mich auf die anderen Wachgänger aus der Ortsgruppe verlassen kann, falls doch mal etwas passieren sollte. Dementsprechend fühlt sich der Unterschied zwischen diesem und dem vergangenen Jahr nicht allzu groß an, schlussendlich ist das Ganze eben immer noch Teamarbeit.
Am HochAlbFest in Meßstetten waren Sie mit anderen DLRGlern und DRK-Kameraden im Einsatz. Klappt die Zusammenarbeit?
Die Zusammenarbeit klappt auf jeden Fall gut, schließlich sind wir alle medizinisch gut ausgebildet und motiviert, zu helfen, auch wenn die Veranstaltung an sich ziemlich ruhig verlaufen ist. Ob „DRK“ oder „DLRG“ auf der Kleidung steht, ist da eigentlich egal.
Wieso opfern Sie Ihre Freizeit?
Wach- und Sanitätsdienste würde ich nicht mit „Freizeit opfern“ beschreiben. Vielmehr empfinde ich sie als Freizeitaktivitäten, bei denen man (neue) Freunde trifft und vor allem am See auch oft einfach mal entspannen und Spaß haben kann, während man natürlich trotzdem immer den Badebetrieb im Blick hat. Zudem fühlt es sich nach einer sinnvollen Beschäftigung an, bei der man Menschen helfen kann. Sicherlich gibt es auch mal Tage, an denen man keine Lust hat, aber es wird ja auch niemand gezwungen, jedes Wochenende Aufsicht zu machen.
Den Ernstfall haben Sie während Ihres ersten Wachdienstsommers gleich erleben müssen und sich vorbildlich und selbstständig verhalten. Was waren oder sind im Nachhinein Ihre Ängste vor dem Ernstfall?
Wenn man Wachdienst macht, muss einem immer klar sein, dass leider jederzeit etwas passieren kann. Egal ob ein medizinischer Notfall an Land, oder, wie in diesen Sommer, ein Ertrinkungsunfall. Trotzdem trifft einen das sehr unerwartet, da man nicht dauerhaft mit der Erwartungshaltung, jemanden aus dem Wasser zu ziehen, an den See geht und gehen kann. Und natürlich hat man Angst davor, dass tatsächlich etwas passieren könnte, dem man alleine nicht gewachsen ist. Man übt verschiedenste Rettungstechniken zwar immer wieder, der Ernstfall ist dann aber doch noch mal eine andere Hausnummer. Solche Ängste sind jedoch meist unbegründet, falls dann doch etwas passiert funktioniert man einfach nur. Und „funktionieren“ heißt hier, automatisch alles Mögliche und Gelernte zu tun, um die Situation in den Griff zu bekommen. Dabei ist man allerdings auch nie allein, man hat immer andere Wachgänger und in kürzester Zeit auch weitere Einsatzkräfte am Unfallort. Sei es die Feuerwehr, der Rettungsdienst oder auch weitere Kräfte der DLRG – und in diesem Fall auch viele Badegäste, die einen zusätzlich unterstützen.