Bei den aktuell heißen Temperaturen ächzen viele Angestellte über Hitze bei der Arbeit. An diesem Arbeitsplatz kennt man diese Sorgen nicht: Dort herrschen minus 25 Grad Celsius.
Benjamin Rösler braucht auf der Arbeit keine Klimaanlage und keinen Ventilator. Auch kann er sich nicht über zu hohe Temperaturen am Arbeitsplatz beschweren. Eher über zu kalte – doch die minus 25 Grad Celsius, die an seinem Arbeitsplatz herrschen, machen ihm dank wärmender Schutzkleidung nichts aus.
Rösler ist Staplerfahrer im Tiefkühllager der Edeka Südwest im Balinger Gewerbegebiet Gehrn. Schon wenn man sich dem Gebäude nähert, nimmt man bei einer Außentemperatur von derzeit mehr als 30 Grad Celsius eine Kühlung wahr.
Der Eingangsbereich ist angenehm kühl, im Kühllager ist es eisig kalt. „Aber es herrscht eine trockene Kälte, die ist angenehmer als die feuchte“, meint Gregor Drapinski, der das Tiefkühl- und das Frischelager leitet.
Zur Arbeitskleidung von Rösler und seinen Kollegen gehören ein dicker Overall und Kälteschutzstiefel. Außerdem Mütze, Handschuhe, dicke Thermosocken und auf Wunsch eine Sturmhaube. „Die Qualität der Schutzkleidung ist wichtig“, erklärt Drapinski. Deshalb friert Rösler bei der Arbeit in der extremen Kälte auch nicht. Außerdem sei er daran gewöhnt, sagt er. Seit vier Jahren arbeitet er im Tiefkühllager, seit einem Jahr als Staplerfahrer, davor als Kommissionierer. Er wechselte vom Frischelager, wo einstellige Plustemperaturen herrschen, ins eisige Tiefkühllager. Denn für die Arbeit in der extremen Kälte gibt es finanzielle Anreize.
Temperaturunterschied von 60 Grad Celsius
Alle 50 Minuten stehen den derzeit 49 Mitarbeitern eine zehnminütige Pause zu. Rösler verbringt diese in der Regel in den klimatisierten Aufenthaltsräumen. Die Kollegen, die zur Zigarettenpause nach draußen gehen, erleben derzeit einen Temperaturunterschied von rund 60 Grad Celsius. Die Schutzkleidung reißt sich in der Raucherpause aber keiner vom Leib. Die meisten ziehen die Jacke aus, manche krempeln die Hose hoch.
„Man speichert die Kälte und das wirkt ein paar Minuten nach“, erklärt Rösler. Daher wird es einem nicht sofort zu warm. Er könne problemlos aus der Kälte in die Wärme gehen, eine Akklimatisierung benötige er nicht. „Aber man läuft gegen eine Hitzewand“, sagt er.
Hochbetrieb im Sommer
Wenn er morgens zur Arbeit geht, trägt er T-Shirt und kurze Hose. In die Schutzkleidung schlüpft er erst kurz vor Arbeitsbeginn. Die Temperaturschwankungen machen ihm nichts aus. Im Gegenteil: „Ich beneide niemanden, der derzeit im Büro arbeiten muss“, sagt er. Seinen Arbeitsplatz empfindet er trotz der Extreme in die andere Richtung des Thermometers als sehr angenehm – im Sommer wie im Winter.
Derzeit herrscht im Kühllager Hochbetrieb: Vor allem Speiseeis, Eiswürfel und Crushed Ice sind gefragt. Das Auftragsvolumen erhöht sich in den Sommermonaten um rund 25 Prozent, schätzt Drapinski. Entsprechend werde die Zahl der Mitarbeiter erhöht.
Stets kälter als minus 18 Grad Celsius
Die Edeka Südwest betreibt neben dem Tiefkühllager in Balingen noch eins in Heidenheim. Von Balingen aus werden alle Edeka Märte im Süden des Gebiets versorgt. Wichtig ist es, dass die Kühlkette nie unterbrochen wird, die Ware muss stets kälter als minus 18 Grad Celsius kalt sein. Sensoren überwachen die Temperatur kontinuierlich. Fällt im Tiefkühllager eine Kühlung aus und die Luft erwärmt sich, geht sofort ein Alarm los. Ein Bereitschaftsdienst behebt den Fehler umgehend.
Die Temperaturen während der gesamten Lieferkette werden dokumentiert: „Wenn Ware angeliefert wird, die minus 17 Grad hat, nehmen wir sie nicht an“, stellt Drapinski klar. Zu groß sei die Gefahr, dass die Ware verdorben ist.
Kühlkette nicht unterbrechen
Die Kommissionierer stellen die automatisch über ein Bestellsystem georderte Ware zusammen. Diese wird in sogenannten Thermotainern verfrachtet – etwa wie Kühlschränke, die als Transportboxen dienen. Diese werden dann in einen Tiefkühllastwagen geladen, in dem ebenfalls Temperaturen von minus 25 Grad Celsius herrschen – doppelt halte besser. Vor allem beim Verladen sei die doppelte Kühlung wichtig und falls im Markt vor Ort nicht sofort ein Tiefkühlraum zur Verfügung stehe.