Carlos Cruso hat Verteilerkästen in Neuried in Kunstwerke verwandelt. In Meißenheim betreibt er ein Tattoostudio. Seine Leidenschaft für Kreativität hat er zum Beruf gemacht.
Trafostationen und Verteilerkästen sehen meist grau und trist aus. In Ichenheim und Altenheim jedoch ist das anders – dank Carlos Cruso. Der Künstler und Tätowierer aus Altenheim hat mit seiner Kreativität und Spühdosen eindrucksvolle Bilder auf den Technikhäuschen geschaffen.
Cruso ist in Ichenheim aufgewachsen und war damals im Jugendgemeinderat. Vor ein paar Jahren kam Sabine Broß von der Ortsverwaltung Altenheim auf ihn zu und fragte, ob er Interesse daran hätte, die Gebäude zu verschönern. Er sagte zu.
In Kooperation mit der Gemeinde und dem E-Werk entwickelte er Entwürfe, über die im Gemeinderat abgestimmt wurden. „Ich hatte Freiheit in der Gestaltung, allerdings sollten die Motive zum Ort und zur Region passen“, sagte Cruso im Gespräch mit unserer Redaktion.
Lange Spaziergänge in der Natur inspirieren ihn
Er hole sich viel Inspiration aus der Natur und aus organischen Elementen. „Meist überlege ich mir zuerst, welche Stimmung ich erzeugen möchte und entscheide mich dann für ein Hauptmotiv.“
Sieben Verteilerkästen in Ichenheim gestaltete er von Mai bis Juni 2022. Für jeden Kasten brauchte er mehrere Stunden. Im Mai 2025 verwandelte er die fade Wand einer Trafostation in Altenheim in ein farbenfrohes Bild.
Für dieses Projekt benötigte er vier Tage. Es gab zudem eine Reihe privater Ideen und Wünsche von Neurieder Bürgern, die er kreativ umsetzten durfte.
Mit seiner Kunst reist er unter anderem nach Italien
Auch in Offenburg war Cruso tätig. Im Stadtteil Windschläg gestaltete er im Frühjahr 2024 eine Unterführung. Zu sehen ist ein riesiger Gorilla, hinter ihm brennt es lichterloh.
„Dieses Motiv war für mich der passende Ausdruck für die Stärke des dortigen Lake-of-Riddims-Festivals“, erzählte er. Die Veranstalter fragten bei der Stadt und der Deutschen Bahn um Erlaubnis, diese stimmten dem Projekt zu.
„Cruso“ hat er sich als Künstlername zugelegt, bürgerlich heißt er Greber. Er betreibt ein Tattostudio in Meißenheim. „Mit 18 Jahren habe ich mich zum ersten Mal tätowieren lassen, da wurde meine Leidenschaft erweckt“, beschreibt er seine Gefühle für diese Form der Kunst.
Er habe sich Tätowierwerkzeug gekauft und angefangen, auf Kunst- und Schweinehaut zu üben, bis er es richtig gut konnte. Gelernt habe er technischer Zeichner bei der Firma Herrenknecht und sieben Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Es gibt einige Parallelen, findet er – zum Beispiel die Genauigkeit, die räumliche Anordnung und geometrische Perspektiven.
„Sich ein Tattoo stechen zu lassen, ist in meinen Augen ein tiefgreifender Prozess. Die Menschen bringen ihre Geschichten mit, ihre Traumata – sie verarbeiten dadurch ihre Emotionen.“ Er wolle seinen Kunden einen sicheren Raum geben und sie durch diesen Prozess führen.
Kunden kommen gar aus Hannover oder Berlin
Oft kämen Menschen mit einer kleinen Idee zu ihm, doch dann würden sie Feuer fangen und „mehr“ wollen. „Ich nehme sie an der Hand und gemeinsam überlegen wir uns, wo wir langfristig hingehen“, so Cruso. Einige seiner Kunden kommen von weit her, um sich von ihm tätowieren zu lassen – aus Hannover oder Berlin beispielsweise.
Neben dem Sprayen und dem Tätowieren macht Cruso Musik, arbeitet handwerklich und gestaltet Leinwände, etwa mit Treibholz. Seine Bilder hat er bereits auf Tattoomessen ausgestellt, vor zwei Jahren in Amsterdam. Dieses Jahr im November wird er sie auf der Messe in Italien ausstellen. Auf diesen Veranstaltungen hat er auch schon live tätowiert.
Sein treuer Begleiter ist seine Hündin Coco – sie ist immer an seiner Seite. „Coco ist sehr ruhig und gelassen. In ihrer Gegenwart entspannen sich die Menschen,“, so der Tätowierer.
Die beiden genießen lange Spaziergänge in der Natur rund um den Altrhein und sitzen gerne am Wasser. „Meine Familie und ich sind stark verwurzelt, es ist einfach schön hier“, sagte er zum Abschluss.