Zum letzten Mal in diesem Jahr wurde im Ettenheimer Gewölbekeller gelacht und gestaunt. Auf der Bühne: der Magier und Comedian Martin Sierp.
Der Gewölbekeller füllte sich bis auf den letzten Sitzplatz zum neuen Programm des Comedians und Zauberkünstlers Martin Sierp „Mein bestes Stück“. Dabei geht es nicht um ein spezielles Körperteil, sondern um seine absoluten Highlights aus drei früheren Bühnenshows der vergangenen zehn Jahre. Vorab wollte Sierp wissen, mit welchem Publikum er zutun hatte. Wer ist unter 50 Jahre alt? Spärliches Klatschen der Betroffenen. Schon mehr beim Fragen nach Großelternschaft.
Erster Gag: Beim seltenen Kirchenbesuch wundert sich Sierp über den vorgehaltenen Klingelbeutel und nimmt sich einen Schein heraus. Und sogleich zaubert er aus einem dünnen Stapel mit 60 Euro ein Dutzend immer wieder neuer Zehn-Euro-Scheine hervor und lässt sie wieder bis auf einen letzten verschwinden. Plötzlich befinden sich darin nur noch kleine Schnipsel. Und: Aus dem einen noch übrigen Schein sind schon wieder wunderbarerweise sechs geworden.
Sierp bezieht Zuschauer in sein Programm mit ein
Als Kind der 1960er-Jahre habe er schon immer gerne Leute nachgemacht, berichtet Sierp, so jetzt in Kurzfassung etwa den einstigen Fernsehzoologen Bernhard Gzimek oder Udo Lindenberg. Für den nächsten dargestellten Prominenten kleidet sich der Comedian in Windeseile mit Hilfe weniger Utensilien um. Fahrradhandschuhe, Kettchen und Sonnenbrille samt Weißhaarperücke: Klar, das kann nur Karl Lagerfeld sein. Der applausgewohnte Modezar plaudert über Männer, die ihre letzten Ersparnisse für Frauenmode opfern, bis sie nackt (im Kleid der Liebe) dastehen und sich dann mal bügeln lassen sollten. Aus geliehener Jacke eines Besuchers holte er nicht nur eine Schnapsflasche aus dem vorher leeren Ärmel heraus, sondern brannte mit einer angezündeten Zigarette auch ein dann später wieder verschwundenes Loch hinein, gab die unversehrte Jacke mit einem plötzlich auch noch darin steckenden Bügel samt Etikett zurück.
Weiter ging’s mit den Publikumsassistenten Matthias und Gerald beim Entfesseln von angelegten und mit Schlössern gesicherten Ketten. Wie Sierp dabei die Schlösser in Windeseile wieder aufbekam, sah man so nicht – ebenso wenig, wie sich dabei sein Anzug plötzlich in Stofffetzen verwandelt hatte. Kein Geheimnis blieb hingegen, wie Sierp seine beiden Ohren humorvoll zu Tanzmusik zum rhythmischen Wackeln brachte – nämlich mit zwei hinter den Ohren festgeklebten Fadenenden.
Künstler schlüpft in die Rolle eines Vampirs
Seine Verwandlungskunst stellte Sierp nach der Pause erneut auch als „Fürst der Finsternis“ unter Beweis, nämlich als feucht lispelnder Vampir in schwarz-wallendem Umhang mit Dracula-Gesichtsschminke samt Beißzähnen. Erster Gag: Beim Neukauf eines Sarges kriegte der Vampir den zur Besichtigung nicht auf – da lag nämlich ein Zuhälter drin.
Nach „unhörbarem Ultraschallton“ (in höchsten Tönen gequiekt) erkannte Sierp-Dracula zuverlässig einen Lippenstift aus der Handtasche der Zuschauerin Elke. Vampirisch plauderte Sierp ansonsten über alte Bekannte wie Pamela Anderson oder Jopi Heesters als Blutlieferanten, klagte jedoch bitter über Klaus Kinski als Ausnahme: „Der hat mich gebissen.“ Gelegentlich besuche auch der Tod den Vampiren. Doch dem den Löffel abgeben? Sierp versteckte ihn bis zum herausragenden Stiel im Mund, drehte ihn mehrfach – und wieder heraus kam verblüffenderweise eine Gabel.