Mit einem kurzen Nachruf auf die Bach-na-Fahrt und einer Rose an den Brücken über die Schiltach warteten Martin Kuhner (links) und zwei Mitstreiter auf. Foto: Wegner

Die Stadt Schramberg hat angekündigt gegen die Beteiligten des sonntäglichen "Hanselsprungs" Ordnungswidrigkeiten-Verfahren einzuleiten.

Schramberg - Zu bester Hanselsprungzeit waren am Sonntag rund 15 Narren in Kleidle der Schramberger Zunft unterwegs. Begonnen hatte der Zug in der Fußgängerzone – da waren es noch sechs Narren, angeführt von einem Akkordeonspieler – über die Oberndorfer Straße. Zu guter Letzt waren über die Hauptstraße auf dem Rathausplatz rund 15 Narren angekommen und es hatte sich ein mobiler Keyboardspieler dazugesellt. Den Abschluss bildete ein Fahrzeug, aus dem laut der Schramberger Narrenmarsch zu hören war und aus dem gefilmt und das Video bei Facebook veröffentlicht wurde.

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Bereits vor dem Ereignis war auch der Ehrenzunftmeister der Schramberger Zunft sowie ein Obernarr – beide als närrische Würdenträger erkennbar – eingetroffen und auch ein Elferrat tummelte sich (allerdings nicht im Elfer-Ornat) auf dem Platz.

Was manche Schramberger bei der Aktion ärgert ist, dass es, wie sie mittlerweile erfahren haben, Personen gab, die an diesem Sonntag erstmals überhaupt ein Schramberger Kleidle trugen – und es extra für diesen "Hanselsprung" bei Freunden ausgeliehen hatten.

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Grundsätzlich, so Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr auf Anfrage, sei zu sagen, dass es vor der "närrischen Zeit" ein Schreiben des Polizeipräsidiums Konstanz an alle Narrenvereinigungen und Zünfte gegeben habe, in dem ausdrücklich darauf hingewiesen worden war, "dass man an der Fasnet doch bitte auf jegliche Aktivitäten in der Gruppe verzichten möge". Laut Jürgen Lederer, Leiter des Schramberger Polizeireviers, hätten Polizeibeamte die Vorstände der Zünfte und Narrenvereinigungen zusätzlich zu diesem Schreiben persönlich angerufen, um zu sensibilisieren und Zuwiderhandlungen zu verhindern, berichtet Eisenlohr.

Was den Sonntag betreffe, so seien Polizeistreifen sogar mehrfach auf dem Rathausplatz und in der Innenstadt unterwegs gewesen. Eine Ansammlung von 80 Personen, so zitiert sie Lederer, hätten sie dabei aber nicht wahrgenommen – vielleicht, weil sie gerade zum Zeitpunkt der eigentlichen "Versammlung" nicht vor Ort waren. Anrufe wegen des "Mini-Brezelsegens" habe es bei der Polizei Schramberg keine gegeben.

Handeln war "egoistisch"

Allerdings: Der Stadtverwaltung war das Geschehen zumindest ab dessen Beginn bekannt. Noch am Sonntag waren auf der Facebook-Seite der Stadt gepostete Fotos von dem "Event" zu sehen. Wie es dazu kam, kann Eisenlohr wegen Urlaubs des Mitarbeiters nur vermuten: "Der zuständige Mitarbeiter, der die Facebook-Seite der Stadt Schramberg betreut, hat nach dem Erstellen des Albums bemerkt, dass solche Bilder in Corona-Zeiten – anders als in allen anderen Jahren, in denen wir uns über fröhliches und buntes Narrentreiben freuen und sehr stolz darauf sind – nicht angemessen und erwünscht sind. Er hat seinen Fehler korrigiert und das Album gelöscht."

"Für mich war das kein schöner Tag", sagt Schrambergs Zunftmeister Tobias Dold. "Ich war sauer, als ich von der Aktion erfahren habe." Die Narrenzunft habe aus Infektionsschutzgründen alle Veranstaltungen abgesagt, und er sehe auch keinen Grund, dass die Kleidlesträger am Sonntag die Hanselsprungstrecke hätten abspringen müssen. Dold bezeichnet die Aktion als "egoistisch" und eine unfaire Sache gegenüber all denen, "die verantwortungsvoll und vernünftig daheim geblieben sind".

Es habe in jüngster Zeit viele Aktionen von verschiedenen Gruppierungen gegeben, die in die Zeit gepasst hätten, aber das am Sonntag habe "nicht gepasst". Dies habe er, so betont er, auch denjenigen Betroffenen in seinem Umfeld sehr deutlich gemacht. So habe er den "Wunderfitz, sich einfach nicht zurückhalten zu können", nicht verstanden. Auch hinsichtlich der Aktion am Samstag mit einem "Corona-Brüele", habe er im Vorfeld mit dem Betroffenen gesprochen und ihm gesagt, dass das "von der Narrenzunft her nicht erlaubt" sei.

Um Kirchenbach blieb es ruhig

Am Montag dann nach einem erneuten und eindringlichen Appell der Bach-na-Fahrer-Führung an alle Mitglieder fiel die Bach-na-Fahrt auch tatsächlich ins Wasser. Trotzdem hatten sich einige wenige "Insider" in Erwartung zumindest eines Gefährts auf den Brücken über die Schiltach getroffen.

Aber außer dem früheren Vorstandssprecher Martin Kuhner und zwei Mitstreitern, die an den Brücken der Stadt eine Rose für die ausgefallene Bach-na-Fahrt vom Wasser schiltachabwärts tragen ließen, blieb es ruhig am Kirchenbach. Und auch der Schütze, der normalerweise das Startsignal für die Zuber gibt, stand zwar bereit, um 13 Uhr blieb die Pistole aber stumm. Um die Einhaltung der Corona-Regeln zu gewährleisten war der Polizeidienst – auch für den Umzug – mit verstärkter Mannschaft vor Ort, wie Oberbürgermeisterin Eisenlohr angekündigt hatte.

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