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Die Republik Zypern will illegale Einwanderung aus dem türkisch besetzten Norden verhindern – zu einem heiklen Zeitpunkt.

Nikosia - Mit einem elf Kilometer langen Stacheldrahtverhau will die Republik Zypern die Migration aus dem türkisch besetzten Inselnorden stoppen. Aber der Bau der Sperranlagen ist politisch umstritten. Die glänzenden Klingen der Stacheldrahtverhaue sind messerscharf. „Nato-Draht“ heißt das Material, das vorwiegend im Militärbereich eingesetzt wird. Schon im Ersten Weltkrieg sicherten deutsche Soldaten damit ihre Schützengräben. Jetzt wird der Draht auch auf Zypern ausgerollt.

 

Männer der griechisch-zyprischen Nationalgarde verlegen die Verhaue an einem Abschnitt der Demarkationslinie, die seit 1974 die international anerkannt Republik Zypern vom türkisch besetzten Inselnorden trennt. Elf Kilometer lang soll das Sicherungswerk sein, wenn es fertig ist. Von der Ortschaft Astromeriti reicht es bis an den früheren Flughafen der Inselhauptstadt Nikosia. Der Stacheldraht soll irreguläre Migranten zurückhalten. Sie kommen häufig in diesem Abschnitt über die Demarkationslinie aus dem Inselnorden in den Süden, der zur Europäischen Union gehört. Zypern ist, trotz seiner Insellage und obwohl es nicht zum Schengen-Raum gehört, ein beliebtes Einfallstor für Migranten.

Türkei soll illegale Migration fördern

Aus Istanbul oder Ankara fliegen sie zum nordzyprischen Flughafen Ercan. Wer einmal im türkisch kontrollierten Inselnorden ist, muss nur noch die Demarkationslinie überqueren und hat die EU erreicht.

Die zyprische Regierung wirft der Türkei vor, dass sie die irreguläre Migration sogar fördert. Seit 2015 hat sich die Zahl der im Inselsüden aufgegriffenen Migranten verdreifacht. 2019 waren es fast 10 000. 2020 registrierte man über 7000 Asylanträge.

Im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung verzeichne Zypern den größten Andrang von Migranten aller EU-Staaten, sagt die Regierung in Nikosia. Mehr als 3,5 Prozent der Einwohner sind Flüchtlinge.

Der Stacheldrahtverhau ist wohl nur der Anfang. Weitere Sicherungen seien bei der Ortschaft Athienou geplant, schreibt die zyprische Zeitung „Phileleftheros“. Außerdem wolle die Regierung die Demarkationslinie mit Überwachungskameras und Motorradpatrouillen noch mehr sichern. Wie wirksam die Maßnahmen sind, muss die Zukunft zeigen. Politisch umstritten sind sie jedoch schon jetzt.

180 Kilometer lange Grenze trennt Insel

Die kommunistische Oppositionspartei AKEL fürchtet, der Stacheldraht werde die Spaltung Zyperns vertiefen. Im Sommer 1974 besetzte die Türkei den Inselnorden, um eine Annektierung Zyperns durch Griechenland zu verhindern. Seitdem verläuft eine 180 Kilometer lange Demarkationslinie über die Insel. Eine von der UN überwachte Pufferzone trennt beide Teile der Insel. Mit den Sicherungsanlagen werte die Regierung die Trennungslinie praktisch zu einer Staatsgrenze auf, argumentiert die Opposition.

Innenminister Nouris, der die Sicherungsmaßnahmen mit der UN-Friedenstruppe und der EU abgestimmt hat, bestreitet das vehement. Aber die Befestigung der Demarkationslinie kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Ende April wollen Vertreter der beiden Volksgruppen Zyperns und der drei Garantiemächte Griechenland, Großbritannien und Türkei in Genf unter der Ägide der UN Möglichkeiten einer Zypernlösung sondieren. Die Türkei geht mit dem Vorschlag einer Zwei-Staaten-Lösung in das Treffen. Der Stacheldraht könnte ihr ein weiteres Argument dafür liefern.