Das „Il Piccolo“ war ihr Traum – jetzt ist er wohl vorbei: Jessica Fallico mit ihrem Mann Massimo Foto: Claudia Bötsch

Trotz viel Lobs für Küche und Service steht das kleine italienische Lokal in Rheinweiler vor dem Aus. Warum, das erzählt Inhaberin Jessica Fallico im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit der Entscheidung, das Lokal zu schließen, gehe es ihr überhaupt nicht gut, sagt die 41-Jährige, die im Gespräch mit unserer Zeitung immer wieder um Fassung ringt. „Das hier war und ist mein Traum“, erzählt Jessica Fallico.

 

Vor rund drei Jahren hat sie das kleine Restaurant mit italienischer Küche in der Schulstraße 2 in Rheinweiler eröffnet – im eigenen Haus, wo sie seit 15 Jahren mit ihrer Familie wohnt. Jetzt steht das Restaurant vor dem Aus. Der Grund ist fehlendes Personal.

„Wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht“, wird sie den Betrieb zum 20. Dezember „schweren Herzens“ schließen müssen.

Personalmangel

„Ich bräuchte zwei, drei feste Aushilfen – vor allem zuverlässige“, unterstreicht die Inhaberin. Diese seien aber nicht in Sicht. Mehrere Anzeigen und Aufrufe in den sozialen Medien seien erfolglos verpufft. „Es hat sich kein einziger Interessent bei mir gemeldet“, stellt Fallico traurig fest.

Familie und Freunde

Ohne die große Unterstützung von Familie und Freunden hätte sie ihr Herzensprojekt schon längst begraben müssen. Denn der Pizzabäcker und Koch, den sie zum Restaurant-Start eingestellt hatte, sei schon nach ein paar Monaten „von heute auf morgen weg gewesen“. Seitdem habe die Familie viel improvisiert und mit Unterstützung aus dem Freundeskreis das Lokal praktisch allein gewuppt. Wobei die Öffnungszeiten reduziert werden mussten.

Zu große Belastung

Auf Dauer sei dieses Konstrukt indes nicht aufrechtzuerhalten. Zwei Familienmitglieder hätten bereits angekündigt, im neuen Jahr nicht mehr mithelfen zu können – die Belastung sei einfach zu groß. „Schließlich hat jeder noch seinen Hauptberuf“, hält Fallico fest. „Und mein Mann Massimo alleine in der Küche, neben seinem Vollzeitjob – das ist auch keine Option, es gibt einfach Grenzen“.

Das Restaurant „Il Piccolo“ liegt nahe der Grundschule in Rheinweiler – neben dem kleinen Gastraum gibt es auch eine Dachterrasse. Foto: Claudia Bötsch

Massimo Fallico kommt selbst aus einer Gastronomenfamilie. Seine Eltern, die ursprünglich aus Sizilien stammen, führten früher ein italienisches Restaurant in Maulburg. Er selbst hat Restaurantfachmann gelernt, arbeitet allerdings schon seit Jahren in einer anderen Branche in der Schweiz. Und das werde auch so bleiben, macht er im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Denn das kleine Lokal werfe nicht genug ab, als dass die ganze Familie davon leben könne.

„War immer mein Traum“

Trotz aller Widrigkeiten sei es ihr unsagbar schwer gefallen, einen Schlussstrich zu ziehen, meint Jessica Fallico, die oft noch nachts in der Küche steht, um Pizzateig anzusetzen oder anderes vorzubereiten. Sie habe in den vergangenen Wochen viele Tränen geweint. „Das hier ist mein Baby. Es war immer mein Traum, solch ein kleines, schnuckeliges Restaurant zu haben“, sagt die 41-Jährige mit viel Wehmut in der Stimme und zeigt auf den kleinen Gastraum, wo es Platz für bis zu 34 Gäste gibt.

Jede Fliese eigenhändig verlegt

Was heute Restaurant ist, waren früher Einliegerwohnung und Doppelgarage. Rund ein Jahr habe der Umbau gedauert, unterstützt von Familie und Freunden. Viel harte Arbeit und Geld habe sie in das Projekt gesteckt, aber vor allem viel Liebe, betont die Inhaberin gegenüber unserer Zeitung. „Ich habe jede Fliese im Gastraum eigenhändig verlegt, jedes Stromkabel gezogen.“

Große Leidenschaft

Bevor sie sich selbstständig gemacht hat, hat die zweifache Mutter rund 20 Jahre als Service-Kraft in der „Blume“ in ihrem Heimatort Kleinkems gearbeitet. Die Gastronomie sei für sie nicht nur ein Beruf, sondern ihre große Leidenschaft. Das bestätigt Jessica Fallicos beste Freundin, Alexandra Bulnheim, die ebenfalls im Lokal mithilft: „Wenn Gäste da sind, ist Jessica in ihrem Element.“

Lobeshymnen

Das spiegeln die zahlreichen und ausschließlich sehr guten Bewertungen im Internet wider. Die rund 140 Rezensenten überschlagen sich quasi in ihren Lobeshymnen auf Service und Küche, die auf Familienrezepten aus Italien basiert. „Weltklasse“, „die beste Pizza“, „schon lange nicht mehr so gut gegessen“ oder „ein echter Geheimtipp für Liebhaber der italienischen Küche“, heißt es da zum Beispiel. „Sehr gutes Essen und eine außergewöhnlich freundliche Bedienung“ lobt ein anderer das Restaurant mit typisch italienischer Küche.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

Seit der Eröffnung habe das Lokal „sehr viele Stammgäste“ gewinnen können, freut sich Jessica Fallico über das mittlerweile „richtig gut laufende Geschäft“. Das „Il Piccolo“ ziehe sogar Gäste aus Weil, Lörrach, Badenweiler oder Müllheim an. Neben den Einheimischen profitiere ihr Lokal vom Campingplatz in Bamlach und den vielen Durchreisenden.

Auf die angekündigte Schließung habe sie bereits „extrem viele Rückmeldungen erhalten“ – was die passionierte Gastwirtin als „sehr herzzerreißend“ empfinde. Zufriedene Gäste seien ihr immer das Wichtigste gewesen, sagt die 41-Jährige, deren Anspruch lautet: „Es muss alles stimmen: vom Service bis zum Essen.“

Den Gedanken, dass sie ihr Lokal im Dezember für immer schließen könnte, verdrängt Jessica Fallico indes noch. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt sie mit einem Lächeln, während eine Träne in ihren Augen blitzt.