Die Lörracher Ärztin Gerda Wagner Foto: privat

Gerda Wagner entdeckte vor fast 57 Jahren eine seltene Blutgruppenvariante. Am Ostersonntag ist die Medizinerin im Alter von 94 Jahren gestorben.

„Leinwandhelden kennen alle. Aber Menschen wie sie sind zwar in den Fachgesellschaften, aber nur wenigen nicht medizinisch tätigen Personen bekannt.“ Das sind die Worte von Gerda Wagners Sohn Gilbert Wagner im Gespräch mit unserer Redaktion. Damit macht er deutlich, wie immens wichtig der Beitrag seiner Mutter für die Forschung gewesen ist.

 

Bis heute wird ihre Entdeckung in medizinischen Fachwerken erwähnt – und daran dürften auch künftige medizinische Fortschritte nichts ändern. Unter ihrem Mädchennamen Gerda Beranová hatte sie im Jahr 1969 in ihrer Publikation „A New Variant in the ABO Blood Group System“ nachgewiesen, dass eine bis dahin unbekannte Variante der Blutgruppe B existiert: die Blutgruppe B(h).

Es war eine Entdeckung, die aufgrund ihrer Bedeutung für Transfusionszwischenfälle in den Universitäten weltweit Anerkennung fand.

Am Anfang stand ein medizinisches Rätsel

Das war auch der Ausgangspunkt von Gerda Wagners Forschung am Universitätsklinikum in Košice, wo sie in den 1960er-Jahren als Transfusionsmedizinerin arbeitete. Die Behandlung eines tuberkulosekranken Patienten verlief zunächst erfolglos, weil scheinbar keine passende Blutkonserve verfügbar war. Nach jahrelanger Forschungsarbeit kam sie schließlich zu dem Ergebnis, dass der Patient eine bis dahin unbekannte Blutgruppenvariante besaß.

1931 kam Gerda Wagner als Gerda Beranová zur Welt. Sie stammte aus einer Medizinerfamilie und studierte in Bratislava und Košice ebenfalls Medizin. Dass sie als Frau eine wissenschaftliche Karriere verfolgte, war damals ungewöhnlich. „Es war selten, dass man als Frau in der damaligen Zeit so erfolgreich war“, sagt ihr Sohn. So ungewöhnlich war das damals, dass internationale Forschungseinrichtungen sie oftmals für einen Mann hielten.

1976 zog Gerda Wagner mit ihrer Familie nach Lörrach. Fortan sollte sie beruflich nicht mehr tätig werden – sie widmete sich ganz der Erziehung ihrer Kinder. So wie sie in den Jahren ihrer Forschungsarbeit ihr ganzes Streben auf ihren Forschungsgegenstand richtete und bis weit in die Nacht im Klinikum arbeitete, so verschrieb sie sich in Deutschland vollständig ihrer Rolle als Mutter. Für ihre unbedingte Fürsorglichkeit seien er und sein Bruder ihr unendlich dankbar, sagt Gilbert Wagner.

Die Medizin legte sie ihren Söhnen in die Wiege. Gilbert Wagner hat in Lörrach eine Praxis und ist als Orthopäde und Unfallchirurg tätig. Der jüngere Bruder Dan Wagner ist Leiter der Kinderradiologie im St. Elisabethen-Krankenhaus.

Späte Ehrung erfüllte die Medizinerin mit großem Stolz

Im Dezember 2021 erhielt Gerda Wagner noch eine bedeutende Ehrung durch den slowakischen Botschafter. Als damals 90-Jährige empfing sie die Silberne Gedenkmedaille des Ministers für auswärtige und europäische Angelegenheiten der Slowakischen Republik im Lörracher Rathaus. Es war die späte, hochverdiente Würdigung ihres Lebenswerks. „Der Dank im Namen der Slowakei war für sie ein fantastischer Moment“, erinnert sich Gilbert Wagner.

Wie er berichtet, ist Gerda Wagner am Ostersonntag im Alter von 94 Jahren friedlich eingeschlafen.