Die Wirtschaft schien sich zu erholen, nun geht es wieder bergab – auch in der Ortenau. Das wurde bei der Zwischenbilanz der IHK Südlicher Oberrhein deutlich.
Eigentlich, so Alwin Wagner, lief es zuletzt gar nicht so schlecht für die Unternehmen in Industrie und Handel im Raum Freiburg und der Ortenau. Aber dann, so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) mit Sitz in Freiburg, sei der Krieg der USA und Israels gegen den Iran der zaghaft positiven Entwicklung in die Quere gekommen – und habe noch einmal klar gemacht, wie anfällig die globale Wirtschaft für Störgeräusche ist: „Es ist unklar, wo wir hinsteuern“, so Wagner bei der Vorstellung der aktuellen IHK-Konjunkturzahlen für den Frühsommer 2026.
Klar sei dagegen: „Am Ende läuft alles auf eine Teuerung hinaus.“ Und die Befürchtung, dass kurzfristig eine Inflationsrate von vier Prozent drohen könne, sei schlecht für die Erwartungen und die Investitionsbereitschaft der Betriebe. „Die Wachstumsprognose geht runter“, so Wagner. Und: „Wir können derzeit nur auf Sicht fahren“, so der Ortenauer Unternehmer Thomas Albrecht, Chef der Hermann Blum GmbH in Gutach, einer Fassondreherei, die mit rund 50 Beschäftigten in der Metallverarbeitung tätig ist.
Nahost-Krieg verunsichert viele Kunden
Habe man im Dezember noch kurzzeitig so viel zu tun gehabt, dass der Betrieb in drei Schichten gearbeitet habe, so sei man mittlerweile wieder in den Zweischichtbetrieb zurück gewechselt. Sechs bis acht Wochen Planungssicherheit habe man derzeit, so Albrecht. Der Nahost-Krieg habe sich sofort in der Verunsicherung seiner Kunden, die überwiegend in der eigentlich krisenfesteren Medizingerätebranche tätig sind, niedergeschlagen. Die galoppierenden Energiepreise könne man zudem nicht an Kunden weitergeben, mit denen bereits vor Kriegsbeginn entsprechende Verträge vereinbart worden seien. Die Folge: „Unsere kleinen Margen werden noch kleiner“, so Albrecht.
So wie ihm recht geht es in der Ortenau vielen Firmen. Die Geschäftslage ist bei 15,4 Prozent der Firmen schlecht und bei 52,1 Prozent immerhin befriedigend. Aber sie ist tendenziell eher etwas schlechter als im Raum Freiburg, wo nur zehn Prozent der befragten IHK-Betriebe über schlechte Geschäfte klagen und immerhin 58,3 Prozent eine befriedigende Lage konstatieren. Die Erwartungen für die kommenden Monate gehen hingegen im nördlichen und südlichen Kammerbezirk kaum auseinander und liegen kumuliert bei 28,7 Prozent der Betriebe, die einen Rückgang ihrer Geschäfte erwarten, und bei 56,2 Prozent, die auf gleichbleibende Entwicklungen setzen, während nur 15 Prozent für sich einen Aufschwung erwarten.
Arbeitslosigkeit steigt immer weiter
Die Unterschiede seien eher im Detail zu sehen, so Wagner: Man sehe im Norden des Kammerbezirks, dass dort die Industrie weniger zufrieden sei als in der Region Freiburg, während umgekehrt im Süden des Kammerbezirks die Dienstleister weniger zu tun hätten als im Norden des Bezirks. Die traditionell stark in der Ortenau vertretenen Industrien wie Maschinenbau, Metallverarbeitung und Papierindustrie geben weiterhin eine eher schwache Geschäftslage an, so der Bericht der IHK im Wortlaut.
Insgesamt, so Wagner, sei im Kammerbezirk mittlerweile „eine Kleinstadtbevölkerung“ von Arbeitslosen zu registrieren, wobei sich zeige, dass die Region mit ihrer eher diversifizierten Wirtschaftsstruktur sich in der aktuellen Krise besser schlage als beispielsweise die Regionen Mannheim oder Stuttgart. Schaut man sich die Entwicklung näher an, ist dennoch seit vier Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen: In der Ortenau stieg die Zahl von rund 7400 im April 2022 auf zuletzt rund 11.000 an, während in der Region Freiburg der Anstieg von rund 12.300 auf rund 16.400 erfolgt ist.
Hohe Energiepreise sind derzeit das größte Risiko
Und das, obwohl der Geschäftslageindex in der Industrie zuletzt auf plus 20 Punkte gestiegen ist, was laut Wagner der beste Wert seit zwei Jahren gewesen ist. Da aber gleichzeitig der Erwartungsindex von minus sieben auf minus 14 Punkte geplumpst ist, wird schnell klar: Die Unsicherheit ist groß.
Niemand könne sagen, wie lange der Iran-Krieg noch dauern werde, was mit der Straße von Hormus passiert und was in der Folge davon bei den Energiepreisen zu erwarten sei, die derzeit als das größte Risiko noch vor den hohen Arbeitskosten für die Entwicklung der Betriebe empfunden werden. „Deutschland hat viel zu wenig getan, um sich aus Abhängigkeiten beim Thema Energie zu befreien“, so Wagner. Daran ändere auch der spürbare Reformwille der Politik derzeit nichts. Die Folge: Die Investitionsbereitschaft der Firmen laufe „auf eine Nulllinie zu“. Das sei kein gutes Zeichen. Und auch der Handel, wo derzeit nicht einmal drei Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung ihrer Lage rechnen, komme nicht vom Fleck und müsse sich mit „dunklen Wolken“ befassen.