Die Industrie- und Handelskammer sprach mit Vertretern der Schömberger Industrie und Handel über die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen sowie über geplante Gewerbesteuererhöhung im Stauseestädtle.
Der Gemeinderat Schömberg berät am kommenden Mittwoch, 30. September, über eine Erhöhung der Gewerbesteuer. Da traf es sich gut, dass die Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen mit ihrem Format „IHK vor Ort“ am Mittwochabend Schömberger Unternehmer, Gemeinderäte und Bürgermeister Karl-Josef Sprenger in den Räumen der Spedition Vögele an einen Tisch holte.
Die Wirtschaftslage aus IHK-Sicht
Anne Kasprzyk, die als Projektmanagerin bei der IHK für den Zollernalbkreis zuständig ist, ordnete die wirtschaftliche Situation in der Region ein: „Der Zollernalbkreis steht im Vergleich zu anderen Landkreisen recht gut da“, resümierte sie. Mit 65,3 Prozent seien überdurchschnittlich viele Menschen in Lohn und Brot.
„Der Zollernalbkreis ist das industrielle Herz der Region“, sagte Kasprzyk. Vor allem das produzierende Gewerbe sei im Kreis stark vertreten. Doch dieses habe schon bessere Zeiten gesehen. „Wir haben keine vorübergehende Konjukturdelle, sondern stecken momentan in einer strukturellen Krise“, stellte Kasprzyk klar.
Ein Großteil der Firmen beschreibe ihre gegenwärtige Geschäftslage zwar als zufriedenstellen, doch die Stimmung habe sich in den meisten Branchen verschlechtert. Viele blickten sorgenvoll in die Zukunft. Als größte Risiken für den Geschäftsbetrieb nannten die Unternehmen die hohen Energiepreise, fehlende Fachkräfte, hohe Arbeitskosten, die Wirtschaftspolitik und die Zurückhaltung der Deutschen beim Einkaufen.
Vor allem der Fachkräftemangel spitze sich immer weiter zu: In den kommenden Jahren gehen geburtenstarke Jahrgänge nach und nach in Rente, während weniger Berufseinsteiger nachkommen. Dies mache sich schon auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar: „Es wurden acht Prozent weniger Azubis eingestellt als im Vorjahr. Viele Stellen bleiben unbesetzt“, so Kasprzyk. Einige Unternehmen hätten gerne Lehrlinge eingestellt, doch es fehle an guten Bewerbern.
Stimmen aus der Wirtschaft
Elektromeister Daniel Riedlinger beklagte vor allem die vielen Abbrecher in der Ausbildung. Als stellvertretender Innungsmeister beobachte er eine hohe Abbuchquote, vor allem in den ersten Wochen.
Als recht energieintensiv beschrieb Carlo Bark, Geschäftsführer von Bark Magnesium Druckguss in Schörzingen, seine Produktion. „Es ist bald nicht mehr möglich in Deutschland zu produzieren“, sagte er. Immer höhere Kosten erschwerten Investitionen.
Eine Gewerbesteuererhöhung sähe er als weiteren Rückschlag. Darüber hinaus kritisierte er die langen Genehmigungszeiträume: Die PV-Anlage, die Bark im Schörzinger Birkenweg plant, sei noch immer nicht am Netz.
IHK-Umfrage zur Gewerbesteuererhöhung
Mit Blick auf die geplante Gewerbesteuererhöhung der Stadt Schömberg hat die IHK sich bei den Firmen und Selbstständigen im Stauseestädtle umgehört. 130 Gewerbetreibende wurden befragt, welche Auswirkungen eine höhere Gewerbesteuer auf ihr Unternehmen haben wird.
74 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sich ihre wirtschaftliche Situation mit einer Steuererhöhung verschlechtern würde – die restlichen 26 Prozent rechnen sogar mit einer deutlichen Verschlechterung. Darüber hinaus gaben rund drei Viertel der Befragten an, dass die Erhöhung ihre Investitionsbereitschaft trüben würde. Rund ein Viertel der Befragten sieht keine Auswirkungen.
Entsprechend zu erwarten ist das Ergebnis der Frage, ob sich die Unternehmen vor dem Hintergrund der prekären Haushaltssituation für eine Hebesatzerhöhung der Gewerbesteuer aussprechen würden: 100 Prozent der Befragten antworteten mit Nein.
Das Fazit der IHK
„Da läuten bei uns, der IHK, die Alarmglocken“, sagte Kasprzyk und stellte klar: „Jede Hebesatzerhöhung schadet!“ Als Vertreter von Industrie und Handel stellt sich die Kammer hinter die Gewerbetreibenden und spricht sich gegenüber Bürgermeister und Gemeinderat klar gegen eine Hebesatzerhöhung aus. „Das wäre ein klarer Standortnachteil“, resümierte Kasprzyk. Die Steuerbelastung für Unternehmen sei ohnehin hoch, sie bräuchten Liquidität um investieren zu können. „Nur starke Unternehmen garantieren sichere Steuereinnahmen auf lange Sicht“, gab sie zu bedenken.
Sicht von Verwaltung und Gemeinderat
Bürgermeister Karl-Josef Sprenger erklärte, dass die Stadt Schömberg derzeit seine Finanzen auf den Prüfstand stellt. Der Gemeinderat hat sich vergangene Woche in einer Klausurtagung den städtischen Haushalt genau angeschaut – „und zwar beide Seiten“, wie Gemeinderat Daniel Saffrin betonte: „Wir tun uns schwer mit Steuererhöhungen“, sagte er. Schließlich seien die Argumente von Unternehmerseite nachvollziehbar. „Doch wir haben nicht viele Sparmaßnahmen gefunden, weil wir uns wenig leisten“, meinte Saffrin. Bürgermeister Karl-Josef Sprenger sagte dazu: „Wir sind mit der Grundsteuer A und B sowie der Gewerbesteuer schon am unteren Rand des Vertretbaren.“ Zudem betonte er, dass sich Kommunen „auf der Ausgabenseite nicht immer alles aussuchen“ könnten und infrastrukturelle Pflichtaufgaben anständen.
Darüber hinaus zeigte er die Pläne für die Erweiterung des IG Nords auf. Erfreulich sei, dass sich die Spedition Koch ansiedeln wird, doch es gebe noch Platz für weitere. „Wir haben durchaus Nachfrage für die südöstliche Fläche.“ Konkret bedeute dies, so Sprenger, „eine niedrige zweistellige Zahl“. Zudem erwähnte er das Plangebiet im Schörzinger Birkenweg
Zum Planungsstand der B 27 verwies der Bürgermeister auf die Informationsveranstaltung am 9. Dezember in der Schömberger Stauseehalle. Hinsichtlich des Ärztemangels im Oberen Schlichemtal sagte er, dass zwar ein Grundinteresse für die Nachfolge der Praxis Weber und Weber da sei, doch noch nichts spruchreif. Ähnlich sei die Lage mit Blick auf das geplante Ärztehaus.