Der Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, Dieter Salomon (links), diskutierte mit Unternehmern über Wege aus der Krise. Foto: Ralf Deckert

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland geben sich die Vertreter der IHK Südlicher Oberrhein beim Neujahrsempfang in Freiburg optimistisch.

„Hier geht was – für die Wirtschaft“ – dieses Motto hat sich die Industrie und Handelskammer südlicher Oberrhein (IHK) in Freiburg beim Neujahrsempfang auf die Fahne geschrieben. Rund 1700, Ver Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind ihrem Ruf gefolgt.

 

IHK-Präsident Eberhard Liebherr betonte, dass die Lage der Unternehmen derzeit sehr ernst sei. In vielen Branchen herrsche eine Investitionszurückhaltung und Unsicherheit. „Viele fragen sich: wie bleiben wir handlungsfähig?“, so Liebherr. Selbst Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe bereits eingeräumt, dass die eingeschlagenen Reformen in der Politik nicht weitreichend genug seien, denn Unternehmen fehle es an Vertrauen. Außerdem herrsche eine regelrechte Regulierungswut von staatlicher Seite, Verfahren wie Bauanträge seien viel zu langwierig. Dazu kämen bekannte Probleme wie die hohen Energiepreise, der Fachkräftemangel und Unsicherheit, was die politischen Rahmenbedingungen angehe.

IHK fordert Politik zum Handeln auf

„Auch unsere Region hat diese Probleme“, so der IHK-Präsident. Man spüre, dass das Potenzial für künftiges Wachstum stagniere. „Aber unsere Region ist auch stark und diversifiziert“, gibt sich Liebherr optimistisch. Deshalb habe man für den IHK Neujahrsempfang auch das Motto „Da geht was“ gewählt.

In einer Podiumsdiskussion stellte IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon vier Unternehmerpersönlichkeiten in den Mittelpunkt, die für südbadische Erfolgsgeschichten stehen: die Gastronomin Viktoria Fuchs vom Hotel Spielweg in Münstertal, die Freiburger Unternehmerin Dorothea Helmer von der Firma Glassomer, den Chef des Sensorenherstellers Sick aus Waldkirch, Mats Gökstorp, und die Chefin der Haufe Gruppe, Birte Hackenjos.

Unternehmer fordern mehr Freiheit von der Politik

Sie alle stünden für die Widerstandskraft der Region und seien Menschen, die „egal wie schlimm es in der Welt steht, jeden Morgen aufstehen und sich vornehmen, die Welt etwas besser zu machen“, so Salomon über seine Gesprächsrunde.

Ihr Unternehmen habe Veränderungen „immer umarmt“, so Hackenjos über den Erfolg der Haufe Gruppe, die unter anderem die Unternehmenssoftware Lexware herstellt und vertreibt. Um so erfolgreich handeln zu können als Unternehmen, müsse die Politik aber auch den Betrieben entsprechende Freiheiten gewähren, so Gökstorp. Deutschland sei, was die Umsetzung von neuen Ideen und Innovationen angeht, heute weniger flexibel als vor 20 Jahren, als er aus Schweden nach Deutschland gekommen sei, so der Sick Manager. Es brauche wieder mehr „Mut, Freude und Freiheit“, um gute Ideen zum Erfolg führen. Dass dies möglich sei, beweise Dorothea Helmer, deren Unternehmen Glassomer neuartige Methoden entwickelt hat, um mit geringem Energieaufwand Glasprodukte herzustellen. Innerhalb von drei Jahren habe ihr in Karlsruhe gegründetes Start-up in Freiburg ein erfolgreiches Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut, so die Unternehmerin.

Viktoria Fuchs betonte auch die Bedeutung und Erfolgsaussichten, die mit einer dualen Ausbildung einhergehen. Die Ausbildung brauche sich vor keinem Studium zu verstecken. Es reiche nicht, zehn Betriebswirte in der Gastronomie zu beschäftigen, wenn hinterher keiner die Arbeit mache, so die gelernte Köchin.