Auch die Ortenau als industriestarker Standort – unser Foto zeigt den Schwanauer Tunnelbohrmaschinenhersteller Herrenknecht – leidet laut einer aktuellen IHK-Umfrage unter zu hohen Strompreisen, zu wenigen Fachkräften und zu viel Bürokratie. Foto: Martin Bildstein

Energiekosten, Fachkräftemangel und das Fehlen bezahlbaren Wohnraums machen der regionalen Wirtschaft zu schaffen – auch die Ortenau bildet laut IHK keine Ausnahme.

Viele gelbe Felder, einige orange sowie tiefrote Stellen, aber auch zahlreiche grüne Flecken – die am Mittwoch vorgestellte „Fieberkarte“ der Industrie- und Handelskammern im Regierungsbezirk Freiburg ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage in Form einer farbigen Tabelle.

 

Sie soll zeigen, was die regionale Wirtschaft umtreibt – und wo es besonders hakt. 1724 Unternehmen haben sich von Mai bis September 2025 daran beteiligt. Rund 479 Betriebe mehr als bei der ersten Auflage.

Sie bewerteten ihre Zufriedenheit in den fünf Handlungsfeldern „Verkehr und Infrastruktur“, „Kosten und Flächen“, „Arbeitskräfte und Qualifizierung“, „Wirtschaftsförderung und Verwaltung“ und „Lebensqualität“ in insgesamt 41 Standortfaktoren.

Betriebe im Kreis geben sich besonders optimistisch

„Auf einer Skala von eins für sehr gut bis fünf für sehr schlecht erhält der Regierungsbezirk einen Zufriedenheitswert von 2,88. Das ist fast identisch zu unseren ersten Standortumfrage aus 2023“, erläuterte Bettina Schuler-Kargoll, Vizepräsidentin der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg. In besagter „Fieberkarte“ wurden die jeweiligen Wertungen von gut (grün) bis schlecht (rot) entsprechend eingefärbt.

Am zufriedensten mit ihrem Standort sind die Unternehmen in der Ortenau – 345 Betriebe nahmen hier an der Umfrage teil. Mit einem Wert von 2,71 schneidet sie als bester der zehn Kreise im Regierungsbezirk ab, wobei der Abstand zu den Nachbarn sich nur in Zehnteln bemisst. Für den Faktor, wie sich die Standortbedingungen in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hatten, vergaben die Unternehmen im Schnitt die Note 3,18 – auch hier kommt die Ortenau mit dem Wert 3,07 besser weg.

Vor allem scheinen die hiesigen Betriebe optimistischer zu sein: So fällt der Blick voraus – die Zukunftsfähigkeit des Standorts war hier abgefragt – mit der Note 2,62 erneut besser aus als der Schnitt (2,71). Nur im Landkreis Breisgau Hochschwarzwald (2,59) und im Stadtkreis Freiburg (2,43) geben sich die Unternehmen zuversichtlicher.

Fehlende Ausbildungsbewerber schaffen Sorgen

Während die Unternehmen die Lebensqualität im Südwesten generell besonders gut bewerten (Note 2,05), sind die Betriebe insbesondere mit der Verfügbarkeit von Wohnimmobilien (3,88), der Höhe ihrer Energiekosten (3,75) sowieso der Verfügbarkeit von geeigneten Ausbildungsbewerbern (3,57) besonders unzufrieden. Hier liegt auch die Ortenau im gelb-orange-roten Bereich der Farbskala.

„Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum erschwert das Gewinnen von Fachkräften. Denn diese sind nach wie vor gesucht. Trotz Krise und negativer Konjunktur suchen unsere Unternehmen Fachexperten und Facharbeiter“, betonte Eberhard Liebherr, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein. Dabei seien gerade Absolventen einer Berufsausbildung gefragt. „Die Verfügbarkeit von technischen und kaufmännischen Fachkräften ist für zwei Drittel der Betriebe relevant. Weniger relevant ist die Verfügbarkeit von Hochschulabsolventen.“

Ortenauer Kreisverwaltung erhält die Note 3,01

Die Verfügbarkeit von geeigneten Ausbildungsbewerbern bewerteten die Ortenauer Unternehmen nur mit der Note 3,67 und damit unter dem Durchschnitt (3,57). Die Wirtschaftsfreundlichkeit der Kreisverwaltung erhielt derweil die Note 3,01.

Relativ gute Noten – zwischen zwei und drei – erhielt die Ortenau im Bereich Verkehr und Infrastruktur. Abgefragt wurde etwa die Anbindung an die Autobahn, Leistungsfähigkeit der Straßen und des ÖPNV oder die Versorgung mit schnellem Internet. Hier fielen die Bewertungen jedoch auch im Durchschnitt aller Kreise besser aus.

Die Ergebnisse der Standortumfrage wollen die Kammern über ihre Dachorganisationen nun als Argumentationshilfen für die Lobbyarbeit in der Landes- und Bundespolitik verwenden. „Wir haben aber auch vor Ort viele Gespräche mit Bürgermeistern, wo wir diese Themen runterbrechen können“, erläuterte Alwin Wagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein.

Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und Moderator der Pressekonferenz, betonte abschließend: „Standortpolitik ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“

Dachverbände

Der baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) ist laut eigener Angaben die gemeinsame Stimme der IHK-Organisationen im Südwesten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ist wiederum Dachorganisation aller 79 Industrie- und Handelskammern in der Bundesrepublik.